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FC St. Pauli:Die Gefahr nach der Generalschelte

DSC Arminia Bielefeld v FC St. Pauli - Second Bundesliga

Angeblich "keinen Millimeter entfernt": St. Paulis Cheftrainer Jos Luhukay (rechts) und Sportdirektor Andreas Bornemann.

(Foto: Thomas F. Starke/Getty Images)
  • Nach der Generalschelte des Trainers Jos Luhukay zeigt der FC St. Pauli beim 1:1 in Bielefeld eine positive Reaktion.
  • Luhukay wünschte sich Verstärkungen für das Team, er nutzte diese Rhetorik bereits in der Vergangenheit.
  • Zumindest an Innenverteidiger Marvin Knoll ging die öffentliche Kritik nicht spurlos vorbei, sagte er.

Der Präsident Oke Göttlich und der Sportdirektor Andreas Bornemann hatten die Aufregung rund um den FC St. Pauli schon vor der Partie bei Arminia Bielefeld einzufangen versucht. Die Aufregung hatte der Trainer Jos Luhukay mit seiner Generalschelte für Klub und Mannschaft einen Tag vor dem ersten Punktspiel verursacht. Er hatte dem gesamten Verein die Professionalität abgesprochen. Man solle die "Bequemlichkeit und Komfortzone in den Müll werfen", giftete er. Man brauche in allen Mannschaftsteilen Verstärkung. Bornemann beurteilte den Appell zumindest öffentlich als "völlig okay, um wachzurütteln und die Erwartungshaltung zu relativieren". Göttlich fand, "diese Ehrlichkeit" sei wichtig. Wenn man Verbesserungen anstoßen wolle, "gehe das nicht nur mit Nettigkeit"; offene Worte gehörten dazu.

Wie aber reagierte das Team auf die deftigen Aussagen des Coaches, der vielen Profis unterstellt hatte, sie könnten allenfalls 15 Spiele durchstehen, weil ihre Berufseinstellung nicht reiche und sie zu lieb miteinander umgingen? Die Bilanz nach 95 Minuten auf der Bielefelder Alm war ein 1:1 gegen eine starke Arminia. Nicht nur Luhukay urteilte, die durch viele verletzte Spieler geschwächte Mannschaft habe sich "an der Leistungsgrenze bewegt". Was indirekt bedeutet, sie habe eine gute Reaktion auf seine Abreibung gezeigt.

Luhukay ist schon dreimal aufgestiegen

Also alles gut zwischen Team und Trainer? Diese Einschätzung ist wohl gewagt, wie die Aussage des Innenverteidigers Marvin Knoll ahnen lässt. Das gehe nicht spurlos an einem vorbei, tat er kund ob der fehlenden Nettigkeit seines Chefs; er liebe diese Mannschaft so wie sie sei, sagte Knoll. Und: "Der Trainer hat eine Meinung, ich habe eine andere." Immerhin sei Luhukay ehrlich, das treffe ja nicht auf alle seine Kollegen zu. Außenverteidiger Daniel Buballa sagte: "Der Trainer ist ein Perfektionist. Der hätte auch noch etwas auszusetzen gehabt, wenn wir 1:0 gewonnen hätten." Auf diese Weise ist Luhukay immerhin schon mit Borussia Mönchengladbach, Hertha BSC und dem FC Augsburg in die Bundesliga aufgestiegen.

Sportdirektor Bornemann, der mit bislang erst vier Zugängen (drei davon sind derzeit verletzt) nur mühsam in die Transferperiode startete, versprach, dass er die noch rund vier Wochen dauernde Wechselfrist nutzen werde, wenn es der Markt hergebe. Gleichwohl steht das Verhältnis zwischen ihm und Luhukay nun unter Beobachtung. Der Trainer beeilte sich mit der Botschaft, Bornemann sei von ihm "keinen Millimeter entfernt". Ob das Verhältnis zum Management in vier Wochen noch so gut ist wie angeblich derzeit?

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2016 beim VfB Stuttgart war es nicht so. Eine deftige Kritik an der Transferpolitik war der Vorläufer für Luhukays Rücktritt nach nur 121 Tagen. Damals war er nicht damit einverstanden, dass der VfB-Manager Jan Schindelmeiser eher Perspektivspieler verpflichten wollte. An ein solches Szenario habe er diesmal "keine Sekunde" gedacht, beteuerte Luhukay. Doch seine Vorstellung, auch den FC St. Pauli bald in Liga eins zu führen, hat Luhukay für diese Saison schon aufgegeben. Momentan sei schon ein neunter Platz wie in der vergangenen Saison ein Erfolg, hatte er am Sonntag auch noch wissen lassen.

"Wir haben verteidigt wie die Löwen", sagt Marvin Knoll

Dabei hatte in Bielefeld nicht viel zum Sieg gefehlt. Erst in der 90. Minute köpfelte Manuel Prietl einen Eckball von Jonathan Clauss zum Ausgleich ein. Davor profitierte St. Pauli von einem fabelhaften Konter in Minute 32 zur 1:0-Führung. Regisseur Mats Möller Daehli spielte genau im richtigen Moment den nach vorn stürmenden Christian Joe Conteh an. Der 19-Jährige umspielte in seinem ersten Zweitligaspiel gleich zwei Bielefelder und spitzelte den Ball ins Netz.

"Da ist ein Traum in Erfüllung gegangen", schwärmte auch der zuvor so grantige Luhukay von dem Außenspieler, der in der vergangenen Saison noch in St. Paulis Regionalliga-Mannschaft spielte.

In der zweiten Halbzeit wurde es dann knapp für die Hamburger. 20:5 Torschüsse und 68 Prozent Ballbesitz standen für Bielefeld zu Buche. In der 48. Minute prallte ein Lattenschuss von Reinhold Yabo kurz vor der Linie auf. In der 72. Minute gab Schiedsrichter Dankert einen Elfmeter für die Arminia, als Buballa der Ball bei einem Klärungsversuch an die Hand sprang. Dankert nahm ihn zurück, als er sich die Szene auf Vorschlag des Videoassistenten noch mal angeschaut hatte. Erst habe der Ball das Bein berührt, so Dankert, dann sei er an die Hand gesprungen. Das sei laut neuer Regel kein Elfmeter mehr.

Die Bielefelder waren trotzdem wütend. Kapitän Fabian Klos, der das Leder schon auf den Elfmeterpunkt gelegt hatte, fand den Pfiff "unbegreiflich". Marvin Knoll war's egal: "Wir haben verteidigt wie die Löwen", fasste er das Resultat zusammen. Er wollte es nicht mit der Trainerschelte in Verbindung setzen.

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