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Bundestrainer:Jogi muss wieder Joachim werden

Ist Löw noch der richtige für den DFB? Vielleicht, denn in seiner Bundestrainer-Karriere war er immer dann am überzeugendsten, wenn er etwas zu beweisen hatte.

Beim Deutschen Fußball-Bund arbeiten offenbar sehr vorbildliche Menschen, die sich professionell auf alle denkbaren Szenarien vorbereiten. Vor ein paar Monaten hat sich das ja noch niemand vorstellen können: dass der deutsche Fußball mal in Abstiegsgefahr geraten oder gar absteigen könnte. Okay, dass sich das niemand vorstellen konnte, lag auch daran, dass vor der WM zum Beispiel niemand so genau wusste, wie der Modus dieser Nations League überhaupt funktioniert.

Nun aber, da der überraschende Abstieg in die Nations-League-Gruppe B besiegelt ist, ist es dem DFB tatsächlich gelungen, seine Nationalelf einem erfahrenen Zweitligatrainer anzuvertrauen. Joachim Löw, in der Saison 1999/2000 beim Karlsruher SC in der zweiten Liga tätig, soll jetzt mit Deutschland den Wiederaufstieg schaffen. Und zwar mit Spielern, die praktischerweise viel zu jung sind, um zu wissen, dass das mit Löw und dem KSC damals nicht so richtig gut ausging. Unter Löw gewann der KSC eines von 18 Spielen.

Nations League Löw öffnet das Fenster zur Zukunft
Fußball-Nationalmannschaft

Löw öffnet das Fenster zur Zukunft

Der Bundestrainer will eine neue Achse aus den Jahrgängen 1995 und 1996 bauen. Die Generation um Joshua Kimmich erhebt zunehmend lauter ihre Stimme und zeigt den Willen zu führen.   Von Christof Kneer

Ob Löw nach dem Vorrunden-Aus bei der WM und dem Abstieg in der Nations League noch der richtige Trainer für die Nationalmannschaft ist? Das klingt wie eine gute Frage, aber wer Löws Trainerkarriere bisher verfolgt hat, darf diese Frage dennoch für falsch gestellt halten.

Es geht nicht darum, ob Joachim Löw diese Mannschaft trainiert. Die Frage ist, welcher Löw das tut.

Es gibt diesen Bundestrainer in unterschiedlichen Aggregatszuständen, und inzwischen weiß man, dass "unter Spannung" Löws bester Aggregatszustand ist. Zumindest in seiner Bundestrainer-Karriere war Löw immer dann am überzeugendsten, wenn er etwas zu beweisen hatte, sich selbst, den Menschen da draußen, dem Verband da drinnen oder im Idealfall allen miteinander. Im Sommer 2010 hat er seine damals sehr junge Nationalelf trotzig eine leidenschaftliche WM spielen lassen, obwohl der Verband ihn mit einem auslaufenden Vertrag zum Turnier nach Südafrika geschickt hatte.

2014 hat er sein Team nach dem Achtelfinale straff zum Titel gecoacht und damit all jene widerlegt, die ihm nach dem vercoachten EM-Halbfinale 2012 die Wettbewerbshärte für die große Bühne abgesprochen hatten. Und als nach der etwas gemütlichen Qualifikation für die EM 2016 und einem etwas gemütlich hingenommenen Halbfinal-Aus erneut die Kritiker laut wurden, erfand sich Löw als Nachwuchscoach neu - und gewann im Sommer 2017, inspiriert von sich selbst, mit einer jungen Elf den Confed Cup. Bevor er es sich dann wieder gemütlich machte.

Das ist der Effekt, auf den sie im Verband jetzt wieder hoffen: Sie hoffen auf einen Trainer, der sich von der missglückten WM, von den ursprünglichen Plänen, ihn im Abstiegsfall abzulösen, und vom jüngsten 0:3 in den Niederlanden (und den späten Gegentoren jetzt auf Schalke) so produktiv unter Druck gesetzt fühlt, dass er den Jogi wieder zum Joachim macht.

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