FC Barcelona:Elogen auf Lewandowski

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FC Barcelona: Zwei Tore gegen Real Sociedad, das erste nach 44 Sekunden: Robert Lewandowski.

Zwei Tore gegen Real Sociedad, das erste nach 44 Sekunden: Robert Lewandowski.

(Foto: Ricardo Larreina Amador/Imago)

Der frühere Bayern-Stürmer trifft an seinem 34. Geburtstag zwei Mal für Barcelona und bekommt viel Lob von Trainer Xavi und seinen Mannschaftskollegen. Doch den spektakulärsten Auftritt liefert bei Barça ein anderer.

Von Javier Cáceres, Berlin

Robert Lewandowski wurde am Sonntag 34 Jahre alt, zur Feier des Tages erzielte er seine ersten beiden Ligatore für den FC Barcelona, beim 4:1 in San Sebastián gegen die dort ansässige Real Sociedad. Dass der Sonntagabend von Ausgelassenheit geprägt war, lag aber weniger am früheren FC-Bayern-Stürmer, sondern an einem Partycrasher: Ansu Fati, noch immer erst 19, zuletzt lange verletzt gewesen - und dennoch so faszinierend gut wie am Tag seines Debüts, das nun auch schon zwei Jahre zurückliegt.

Barça hatte sich in San Sebastian wahnsinnig abgemüht, trotz des ersten Treffers von Lewandowski, der nach gerade mal 44 Sekunden fiel. Doch keine fünf Minuten später glichen die Gastgeber durch Alexander Isak aus, nach einem haarsträubenden Fehler im Aufbauspiel von Frenkie de Jong. Barça-Torwart Marc-André ter Stegen, der als Dienstältester die Kapitänsbinde trug, war machtlos: Isaks Schuss wurde abgefälscht, der Ball landete in hohem Bogen über dem deutschen Nationalkeeper im Netz - 1:1.

"Und pass auf Deine Uhr auf!", sagt der Referee zu Lewandowski

Danach war es ter Stegen, der Barça im Spiel hielt, mit zwei Weltklasseparaden, die unterstrichen, dass er die richtige Entscheidung getroffen hatte, als er im Sommer Bundestrainer Hansi Flick darum bat, ein paar Nationalmannschaftstreffen auszulassen und die Zeit zur Erholung und Vorbereitung zu nutzen. Ter Stegens famose Leistung geriet nach der Partie jedoch fast in Vergessenheit, denn in den Fokus drängte sich Barcelonas Eigengewächs Fati. Als er nach gut einer Stunde aufs Feld kam, veränderte er das Spiel binnen 15 Minuten. Und er zeigte, dass ihm das Trikot mit der Rückennummer 10, das einst Leo Messi trug, nicht zu groß ist.

Fatis erste Intervention - ein Absatzkick zum früheren Dortmunder Ousmane Dembélé - führte zum 2:1 (65.), danach bereitete er Lewandowskis zweiten Treffer vor (69.). Und das Tor zum 4:1-Endstand (79.) steuerte Fati selbst bei - wiederum nach einem spektakulären Absatzkick von Lewandowski. Der Schiedsrichter wünschte Lewandowski nach dem Abpfiff "alles Gute", vor allem aber rief er dem Polen ein scherzhaft gemeintes "Und pass auf Deine Uhr auf!" zu - eine Anspielung darauf, dass dem neuen Barça-Stürmer vorige Woche eine 70 000-Euro-Uhr vom Handgelenk geklaut worden war, als er nach einem Training bei heruntergelassenem Autofenster Autogramme schrieb.

"Dieser Sieg war Balsam", sagte Barcelonas Trainer Xavi Hernández, denn nach dem 0:0 gegen Vallecano am Auftaktspieltag hatte es in der katalanischen Hauptstadt viele Falten auf den Stirnpartien der Barça-Fans gegeben. Fati bügelte sie wieder glatt, weil genau das eintraf, was Xavi erhofft hatte: dass Lewandowski Druck vom jungen spanischen Nationalstürmer nimmt.

Xavi überhäufte Lewandowski nicht nur deshalb mit Elogen: "Jenseits der Dinge, die alle sehen, gibt er uns sehr viel", dozierte der Coach, "er hat Führungsqualitäten. Er sagt uns die Dinge, die er sieht, er ist ein Vorbild, ein spektakulärer Fußballer, ein natürlicher Leader - und nicht nur ein Spieler der Gegenwart, sondern auch einer, der Zukunft hat." Dembélé und Pedri stimmten in den Geburtstagschor für Lewandowski ein: "Als er noch bei den Bayern spielte, traf er immer gegen uns. Ich habe ihn lieber in meiner Mannschaft", sagte Dembélé. "Er mag 34 Jahre alt sein, aber es ist, als wäre er 20", ergänzte Pedri: "Es ist irre, was er an Toren schießt und vor allem, wie er für die Mannschaft arbeitet. Er hilft uns sehr."

Nicht mehr an Lewandowskis Hilfe erfreuen können sich wohl ein halbes Dutzend Barcelona-Profis. Neben De Jong sollen auch Martin Braithwaite, Samuel Umtiti, Sergiño Dest, Pierre-Emerick Aubameyang und Memphis Depay den Klub noch vor dem 1. September verlassen. Mit Gehaltseinsparungen hofft das zwar durch Klubanteil-Verkäufe in frischem Geld schwimmende, aber noch immer milliardenschwer verschuldete Barça, vom Ligaverband LFP endlich die Spielberechtigung für Zugang Jules Koundé (vom FC Sevilla) zu bekommen - und weitere Transfers tätigen zu können. Bernardo Silva (Manchester City) wird noch umworben, für die rechte Verteidigerposition gilt Marcos Alonso (FC Chelsea) als Wunschlösung, Hector Bellerin (Betis Sevilla) und Thomas Meunier (Borussia Dortmund) wurden auch schon gehandelt. Xavi ist vor allem wegen der Lage von Koundé "genervt". Er hoffe, dass sich alles bis zum Wochenende löse, denn er würde den Franzosen gern für gute Trainingsleistungen belohnen. Mit einem Einsatz gegen Valladolid.

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