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Leichtathletik - Magdeburg:Hürden im Sport und im Leben: Zum Tod von Karin Balzer

Balzer
Karin Balzer. Foto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild (Foto: dpa)

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Berlin (dpa) - Es war ein Leben ganz im Zeichen des Sports. Bis zuletzt war Karin Balzer aktiv, auch wenn es spätestens nach dem Karriereende ihres Sohns Falk und dessen Lebensgefährtin Anja Rücker ruhiger um sie geworden war.

Nun ist die Hürden-Olympiasiegerin von Tokio 1964 im Alter von 81 Jahren gestorben, "nach kurzer, intensiver Krankheit", wie Rücker der Deutschen Presse-Agentur sagte. Die gebürtige Magdeburgerin Balzer nahm zwischen 1960 und 1972 an vier Olympischen Spielen teil, gewann fünf EM-Titel in der Halle und drei Mal EM-Gold im Freien. Zudem stellte sie sieben Weltrekorde auf und errang elf DDR-Meistertitel - auch über 200 Meter und im Weitsprung.

"Mit Bedauern habe ich die Nachricht vom Tod der bekannten Hürdenläuferin Karin Balzer, Olympiasiegerin und dreimalige Europameisterin, vernommen", twitterte Svein Arne Hansen, der norwegische Präsident des Europäischen Leichtathletik-Verbandes.

Karin Balzer gilt als einzige Hürdensprinterin, die nach Verlängerung der Distanz von 80 auf 100 Meter erfolgreich blieb. Als erste Frau sprintete sie über die längere Strecke unter 13 Sekunden. 1972 konnte sie in München im Alter von 34 Jahren noch die Bronzemedaille gewinnen - einen Tag nach dem Tod ihres ersten Sohns. Die schreckliche Nachricht erreichte sie - auf Bitten ihres Mannes und Trainers Karl-Heinz - erst nach dem Finale. Kurz danach beendete Balzer ihre Karriere, ein Jahr später wurde ihr Sohn Falk geboren, der später ebenfalls zu einem Weltklasse-Hürdensprinter wurde und 2011 seine Karriere beendete.

Als Karin Richert begann Balzer in ihrer Geburtsstadt Magdeburg mit der Leichtathletik und wechselte dann nach Halle. In der Saalestadt kam die gelernte Chemielaborantin in die Trainingsgruppe von Karl-Heinz Balzer. Später wurden die zwei ein Paar. 1958 verließ das Duo über Westberlin die DDR, kehrte nach zwei Monaten in Ludwigshafen allerdings wieder zurück - "reumütig" hieß es im DDR-Jargon, dabei belegten Stasiakten später, dass es eine eingefädelte "Rückholaktion" gab, in die Balzers Vater eingespannt wurde.

Es folgte ein Jahr Wettkampfsperre, in dem Karin Balzer allein trainierte. 1961 heiratete sie Karl-Heinz Balzer, der sie einige Jahre nicht zu internationalen Wettkämpfen begleiten durfte und auch den Olympiasieg 1964 nur zu Hause erlebte. "Für meine Ehe hätte ich jederzeit den Sport geopfert", sagte Karin Balzer einmal.

Nach der erfolgreichen Karriere studierte die "DDR-Sportlerin des Jahres" von 1971 an der DHfK in Leipzig und arbeitete als Sportlehrerin und Trainerin. Als sie sich 1976 weigerte, ihre Athleten zu dopen, wurde ihr Berufsverbot erteilt und ihre Trainingsgruppe in Leipzig aufgelöst. Balzer wurde nach Dresden versetzt und arbeitete wieder als Sportlehrerin an Schulen.

Nach der Wende bildete Karin Balzer sich zur Sozialpädagogin fort, erst Ende der 1990er Jahre arbeitete sie in Chemnitz wieder als Trainerin - auch von Anja Rücker und ihres heute 46 Jahre alten Sohns Falk.

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