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LeBron James vs. Zlatan Ibrahimovic:"Da hat er sich den Falschen ausgesucht"

"Vote", "Wählt", warb Basketballer LeBron James (wie viele Kollegen) vor der US-Präsidentenwahl, und meinte damit eher nicht Donald Trump.

(Foto: Sam Greenwood/AFP)

Sollten Sportler zu gesellschaftlichen Themen ihre Stimme erheben? Um diese Frage ist ein Gelehrtenstreit zwischen LeBron James und Zlatan Ibrahimovic ausgebrochen.

Von Jonas Beckenkamp

Seinen ersten Treffer Richtung LeBron James leitete Zlatan Ibrahimovic mit einer Prise süßen Gifts ein. Er schätze den größten Basketballer der Gegenwart, und natürlich sei er "phänomenal in dem, was er macht", sagte der schwedische Fußballgroßredner am vergangenen Freitag in einem Interview bei Discovery+ - doch dann ließ er ein dickes Aber folgen: "Ich mag es nicht, wenn sich Leute mit einem gewissen Status gleichzeitig mit Politik beschäftigen." Vielmehr solle sich jeder Athlet auf das konzentrieren, was er am besten könne. "Ich spiele Fußball, weil ich darin am besten bin. Ich beschäftige mich nicht mit Politik."

Mit Fußball beschäftigt sich Ibrahimovic nun in seinem 40. Lebensjahr, zweifelsfrei ist er ziemlich gut darin. 14 Saisontore hat er beim AC Mailand schon wieder erzielt - beachtlich für einen Altmeister, der großen Tönen gerne auch Taten folgen lässt. Auf dem Platz, wohlgemerkt. Denn außerhalb des Platzes, und auch da liegt Zlatan mit seiner Selbstanalyse richtig, hat er - abgesehen von zahlreichen Zeugnissen allumfassender Großspurigkeit - bisher kaum Spuren hinterlassen. Im Gegensatz zu LeBron James, den er nun genau dafür attackierte. Warum nur?

Der Mann von den LA Lakers gilt seit Jahren als einer, der seine Strahlkraft am Ball auch für gesellschaftliches Engagement nutzt. 2018 gründete er eine Schule in seiner Heimat Akron (Ohio), die mittlerweile über 300 sozial benachteiligte Schüler und Schülerinnen besuchen. Dort betreibt er nicht etwa Charity nach amerikanischem Vorbild, also jene PR-weichgespülte Almosengabe. Sondern er gliederte seine Einrichtung in ein Bildungsprogramm der Stadt ein.

Das Angebot umfasst psychologische Betreuung für traumatisierte Heranwachsende sowie Beratung und Unterstützung für Eltern. Wer James zum Zustand der USA oder zu Bildungsthemen fragt, bekommt meist eine hoch fundierte Antwort. Dass Sportler so auch auf Widerstand stoßen, erfuhr er schließlich selbst. 2018 attackierte ihn eine Moderatorin von Fox News mit der ungeheuerlichen Frage: "Why don't you just shut up and dribble?" Klappe halten und spielen - so empfindet es offenbar auch Ibrahimovic, der nun allerdings von James eine deftige Antwort bekam.

Shut up an dribble? Im Gegensatz zu LeBron James findet Zlatan Ibrahimovic, um Politik sollten sich nur Politikerinnen und Politiker kümmern.

(Foto: Titiana Fabi/AFP)

"Wenn ich finde, dass etwas falsch läuft, spreche ich das auch an", erwiderte der. Seine Themen seien nun mal politische Schieflagen, dazu zählt James soziale Ungerechtigkeit oder Rassismus. "Ich nutze meinen Status, um Licht auf alles zu werfen, was in diesem Land und in der Welt passiert", sagte James. "Ich würde niemals nur beim Sport bleiben, weil ich verstehe, wie mächtig diese Plattform und meine Stimme sind."

Und überhaupt konterte James wohlinformiert die Aussagen des Schweden, der es doch eigentlich besser wissen müsste: "Das ist lustig, dass ausgerechnet er das sagt." Ibrahimovic selbst habe doch einst über "Undercover-Rassismus" geklagt. Tatsächlich hatte der Fußballer 2018 bei Canal Plus über unterschwellige Ablehnung in Schweden und mangelnden Respekt wegen seines Nachnamens gesprochen: "Ich bin 100 Prozent sicher, dass es Vorbehalte gibt, weil ich kein Andersson oder Svensson bin", fand Ibrahimovic. Obwohl er in Malmö groß wurde (als Sohn eines bosnischen Vaters und einer kroatischen Mutter), sei er für viele immer noch nicht der beste schwedische Kicker der Geschichte.

Ibrahimovics Verbalangriff lässt also nur zwei Schlüsse zu: Entweder hegt er schlicht politisch andere Ansichten als James - oder er hat sich im Irrgarten seiner eigenen Scheinheiligkeit vergaloppiert. Kurioserweise wurde er selbst erst kürzlich beim Europa-League-Spiel in Belgrad rassistisch beleidigt, weshalb die Uefa ermittelt. Und LeBron James? Der schlussfolgerte: "Da hat er sich den Falschen ausgesucht, denn ich mache meine Hausaufgaben."

© SZ/chge/cca
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