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Lance Armstrongs Doping-Freispruch:Der Radler und der Fitness-Trainer

Andre Birotte erklärt die Doping-Ermittlungen gegen Lance Armstrong in den USA für beendet ohne je mit den Strafverfolgern gesprochen zu haben - seine Verstrickungen in die Sportwelt sind dubios, auch mit Radfahrern hatte er bereits zu tun. Wer genau ist der kalifornische Bundesanwalt, der Armstrong im Alleingang freispricht?

Es sind harte Zeiten für zwei der Größten des Radsports, die Tour- Gewinner Jan Ullrich und Alberto Contador. Beide wurden binnen einer Woche vom Sportgerichtshof Cas als Dopingsünder verurteilt. Und Lance Armstrong? In den letzten 15 Jahren war er der einzige Rennradler, der diese beiden noch überstrahlte. Auch er, der siebenmalige Tour-Gewinner, erhielt gerade einen juristischen Bescheid.

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Die Vorwürfe gegen Lance Armstrong bestehen weiter - bestraft wird er vorerst nicht.

(Foto: AFP)

Seine Welt ist seither in Ordnung: Die fast zwei Jahre lang gegen ihn geführte Ermittlung des Bundesagenten Jeff Novitzky - wegen Steuerdelikten in Zusammenhang mit Dopingbetrug - mündeten nicht wie erwartet in ein Verfahren vor einer Grand Jury. Sie wurde eingestellt. Per Alleingang und Blitzbeschluss. Was die Frage aufwirft: Wie und von wem eigentlich genau?

Verantwortlich dafür ist Andre Birotte, der US-Bundestaatsanwalt in Los Angeles. Birottes Amt ist ein politisches, er darf solche Verfahren einfach beenden, und er tat es, ohne mit den Ermittlern gesprochen zu haben. Das US-Justizsystem lässt das zu. Nur 15 Minuten, bevor er seinen Entscheid publik machte, hatte Birotte Novitzky und andere Behörden informiert; darunter das FBI, die Lebensmittelbehörde FDA und das US Postal Office. Eine Erklärung gab Birotte ihnen nicht. Seither debattiert Amerika das Thema mit wachsender Schärfe.

Kaum ein Beteiligter kann Birottes Alleingang nachvollziehen. Novitzkys Arbeit war so weit gediehen, dass die Staatsanwaltschaft Klageerhebung in mindestens vier Punkten empfahl: "Überweisungsbetrug, Postbetrug, Zeugenbedrohung und Medikamentenverteilung", sagte eine mit der Untersuchung vertraute Quelle der SZ. Birotte war über jeden Ermittlungsschritt informiert. Die Beweislage sei überwältigend gewesen, heißt es.

Im Hinblick auf die schlichte Dopingfrage ist sie das seit Jahren. Insgesamt vier enge Teamgefährten bezeugen, wie Armstrong gedopt habe, darunter die prominenten Radler (und überführten Doper) Tyler Hamilton und Floyd Landis. Es gibt Betreuer, die einräumen, einschlägiges Material für ihn be- und entsorgt zu haben. Armstrong stand auf der Liste seines langjährigen Arztes Michele Ferrari, der in Italien "Dottore Epo" genannt wird.

Es gibt sechs Epo- Befunde von der Tour 1999, die wissenschaftlich eindeutig sind, sportjuristisch aber nicht verwertet werden konnten. Das alles ist das Karriere-Drehbuch des Lance Armstrong. Nur: Wieso darf das in den USA nun nicht auch amtlich festgestellt werden, nachdem die Ermittlungen längst Millionen gekostet haben?

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