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Max Kruse:Verzockt

Fußball 1 Bundesliga 26 Spieltag Werder Bremen 1 FC Köln am 12 03 2018 im Weser Stadion in Brem

In Bremen arbeitet mit Florian Kohfeldt (li.) einer der profiliertesten jungen Trainer Deutschlands - doch Max Kruse entschied sich gegen Werder und für Fenerbahce Istanbul.

(Foto: imago/Revierfoto)

Nach einer spektakulären Saison, in der viele unbefangene Zuschauer mit Max Kruse und Werder Bremen sympathisierten, wechselt "MK10" nach Istanbul - und manövriert sich vorerst ins sportliche Abseits.

Kommentar von Felix Haselsteiner

Cemil Turan, Diego Lugano, Alex, Dirk Kuyt, Ridvan Dilmen und Can Bartu will Max Kruse also nachfolgen. Die Liste der Spieler, die bei Fenerbahce Istanbul die Nummer Zehn tragen durften, sei "full of legends", voller Legenden, wie Kruse auf Instagram schrieb, unter ein Video, in dem er seinen Wechsel verkündete: MK10, wie sich der 31-Jährige selbst abkürzt, geht also in die Türkei. Zu einem Verein, der als Sechstplatzierter der SüperLig-Saison 2018/19 nicht an der Europa League teilnehmen wird und der sich - nach derzeitigem Stand - nur durch eine Crowd-Funding-Aktion der eigenen Fans vor dem Absturz retten konnte.

Es stellt sich die Frage: Warum, Max Kruse?

Fenerbahce lässt sich nicht als sportlicher Aufstieg verkaufen und auch nicht als Sehnsuchtsort für Traditionsverliebte, Vereinsgeschichte mit 19 Meisterschaften hin oder her. Die Argumente der Türkei als Fußball- und Lebensmittelpunkt sind beschränkt, die SüperLig krankt an internationaler Erfolgslosigkeit und ist in der Fünfjahres-Wertung der Uefa hinter die belgische und die ukrainische Liga abgerutscht und muss sich dem Ansturm Österreichs erwehren. Diese Faktoren schienen allerdings keine allzu große Rolle zu spielen, Fenerbahce entschädigt dem Vernehmen nach mit einem satten Handgeld, 2,5 Millionen Euro Jahresgehalt und der Miete für ein Haus in Istanbul.

Kruse ging darauf nicht näher ein, als er in einer Mitteilung bekanntgab, er wollte "unbedingt einmal im Ausland Erfahrungen sammeln und mithelfen, einen großen Verein zurück ins internationale Geschäft zu führen". Er freue sich zudem auf die "gewaltige Fanbasis".

Der gewaltigen Fanbasis, die Kruse in den vergangenen drei Jahren zu ihrem Liebling gemacht hat, muss sich spätestens bei diesen Worten der Magen umgedreht haben. Auslandserfahrung konnten Sie Kruse bei Werder Bremen nicht bieten, aber ansonsten? Großer Verein? Ziel: Rückkehr ins internationale Geschäft? Gewaltige Fanbasis? Alles vorhanden zwischen Osterdeich und Weser, wo in Florian Kohfeldt einer der profiliertesten jungen Trainer Deutschlands arbeitet, wo man sich finanziell konsolidiert hat und wo man in nicht allzu ferner Zukunft Max Kruse zu den Legenden gezählt hätte, verdientermaßen.

Gerade in Bremen kann man zur umschwärmten Legende werden - siehe Claudio Pizarro

Als Kruse zu Werder kam, war er ein ehemaliger Nationalspieler, der sich von Skandal zu Skandal hangelte. Er ließ 75.000 Euro in einem Berliner Taxi liegen, hatte auf seiner Geburtstagsparty Ärger mit einer Reporterin der Bild-Zeitung und galt als hervorragender Pokerspieler, was für eine hervorragende Nummer Zehn im Fußball nicht gerade ein Qualitätsmerkmal ist. Im Gegenteil: Kruse hat sich gehörig verzockt, als er ein verbesserte Angebot des SV Werder ausschlug und auf tolle Avancen großer europäischer Klubs wartete. Und dann wollte ihn auch Kohfeldt nicht mehr zurück haben.

Bevor Kruse zu Werder Bremen wechselte, wurde er von Kevin Großkreutz öffentlich in Schutz genommen, drei Jahre später hatte er als Fanliebling beinahe einen großen Verein zurück ins internationale Geschäft geführt. Es wäre ein Leichtes gewesen, den Weg in Bremen weiterzugehen, wo man seine Legenden ohnehin noch ein wenig mehr anhimmelt als anderswo, das zeigt das Beispiel Claudio Pizarro.

Max Kruse hat sich abgewendet. Er hat sich stattdessen für einen Weg entschieden, der ihn in eine ungewisse Zukunft führt und, fürs Erste, ins fußballerische Abseits.

© SZ vom 30.06.2019/schm
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