Werder Bremen Einer geht, einer bleibt

Bald wird getrennt gejubelt: Max Kurse (r.) verlässt Bremen, Claudio Pizarro bleibt noch.

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Am letzten Spieltag der Bundesliga kommt auch die Zeit der Abschiede.
  • In Bremen hat man lange gedacht, dass Claudio Pizarro sein letztes Spiel für Werder macht.
  • Doch nun verlässt Max Kruse den Verein und macht gegen Leipzig sein letztes Spiel.
Von Ralf Wiegand, Bremen

Es ist schon alles beschlossen. Fünfzehn Minuten vor dem Anpfiff am Samstag, es ist das letzte Spiel der Saison im Weserstadion, werden die Anzugträger des Vereins auf den Rasen kommen, nein, schreiten werden sie: der Präsident Hubertus Hess-Grunewald, der Aufsichtsratsvorsitzende Marco Bode, der Sportchef Frank Baumann. Einer wird einen Blumenstrauß mitbringen, die Stadionsprecher werden hymnische Lobpreisungen auf den Spieler singen, der so viele Jahre im Verein war, der einst von so weit her nach Bremen kam und der das ein oder andere Tor geschossen hat - warum auch nicht, er ist ja Stürmer von Beruf. Danach wird sich das Publikum erheben, es wird gerührt applaudieren, der Spieler wird nicht weniger gerührt mit seinen Blumen zurückwinken und eine Träne wegblinzeln, was natürlich aussehen wird, als blende ihn die Sonne.

Dann war's das, mit Werder Bremen und Aron Johansson. Der Isländer, der auch ein Amerikaner ist, sollte zumindest bis Freitag noch der einzige Spieler sein, der am Samstag nach althergebrachter Sitte aus Bremen verabschiedet wird. Johansson hatte vier eher unglückliche Jahre, in denen er definitiv mehr Zeit in Rehazentren und Krankenhäusern verbracht hat als auf dem Platz. Die Wehmut des Augenblicks und Johanssons persönliches Verletzungspech einmal beiseitegeschoben, hätte das aber zumindest bedeutet, dass der Abschied von Claudio Pizarro weiter auf sich warten lässt. Und der von Max Kruse noch verhandelbar ist.

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Im Herbst sah der BVB noch wie der kommende Meister aus - am letzten Spieltag sind die Bayern Favorit. Ein Rückblick, wie es dazu kommen konnte.

Doch dann setzten sich am Freitagnachmittag die Homepage-Chefs von Werder Bremen an ihre Rechner und programmierten ihre Seite um. "Danke Max!" erschien nun auf dieser Seite und daneben die Botschaft: Kapitän Max Kruse verlässt Werder Bremen, nach drei Jahren, 84 Bundesligaspielen und 32 Toren.

Der moderne Berufsfußball ist ein personeller Durchlauferhitzer. Er produziert immer neue Namen, die Namen produzieren schnelle Schlagzeilen, die Schlagzeilen verblassen, und noch ehe man sie zu Ende gelesen hat, sind auch die Namen dazu schon wieder vergessen. Die Spieler ziehen weiter, neue Spieler kommen. Ein ewiger Kreislauf. Das Wort Schnelllebigkeit muss mit all seinen l's eigens für den Fußball erfunden worden sein.

Kruse war, gemessen an diesem Raum-Zeit-Kontinuum des Fußballs, eine große Nummer für Bremen, "ein herausragender Spieler", wie Trainer Florian Kohfeldt ihm am Freitag noch einmal nachrief. Wohin er gehen wird, warum - man weiß es noch nicht, nur gehen wird er, Codewort: neue Herausforderung. Auch deshalb hat der Name Claudio Pizarro eine solche Bedeutung in Bremen. Mit seinen 40 Lebensjahren, mit seinen zwei Dekaden im Berufsfußball, mit seinen fast 200 Toren und dieser verstörend guten Laune ist er, wenn nicht das ewige Licht der Bundesliga, so doch mindestens ihr Kachelofen. Das klingt wie irgendetwas von gestern, aber jeder freut sich, wenn es warm wird im Raum, denn es ist eine besondere, verlässliche, natürliche Wärme. Pizarro strahlt sie aus, jedes Mal, wenn er den Fußballplatz betritt. Egal wo.

Abschied von Kruse und Pizarro - wer könnte das auch verkraften?

Seit Wochen wird darüber spekuliert, ob der Peruaner, der auch ein Italiener ist, weiterhin Spieler von Werder Bremen sein wird, besser: sein darf, denn dass er es sein will, hat er hinterlegt. Noch ein Jahr wolle er spielen, für Werder. Nun hatten die Anzugträger das Problem, dass sie nicht wie romantische Nostalgiker aussehen wollten, sie wissen ja, wie schick das Wort "Kaderplanung" ist. Muss alles gut überlegt sein. Jetzt ist es gut überlegt.

Abschied von Kruse und Pizarro - wer könnte das auch verkraften?

Seit dieser Woche ist Carlos Delgado in Bremen, das ist schon immer Pizarros Berater, Freund, Geschäftspartner. Verhandlungen zwischen Spieler und Verein, heißt es aus dem Umfeld des Spielers, stünden kurz vor dem Abschluss. Die Botschaft: Pizarro bleibt. Zuletzt gab es Gerüchte, der Bombardero de los Andes könne das Feuer seiner einzigartigen Karriere bei Alianza Lima verglimmen lassen, jenem Verein, von dem er im vergangenen Jahrhundert aufbrach, Europa zu erobern. Am Freitag, nachdem sich verdichtete, schon Samstag könnten Werder und Pizarro die Vertragsverlängerung verkünden, twitterte ein peruanischer Fußball-Blog: "Anscheinend sind die Alianza-Pizarro-Gerüchte tot."

Claudio Pizarro ist einer der ganz wenigen Spieler der Liga, an denen sich alle freuen, egal, mit wem sie es halten. Das darf noch so bleiben - alles schon beschlossen.

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