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1:3 gegen Gladbach:Kölns traurigstes Derby

1. FC Köln - Borussia Mönchengladbach

Mit dem linken Fuß geklärt: Torwart Timo Horn, hier mit Marcus Thuram, ist der einzige Spieler der Partie Köln gegen Gladbach, der sich profilieren konnte.

(Foto: Marius Becker/Marius Becker/dpa)

Der Fehlstart ist nach drei Niederlagen komplett: Beim 1:3 gegen den Erzrivalen Gladbach spielt der FC wie eine zusammengewürfelte Gruppe - und eine Klasse schlechter.

Von Milan Pavlovic, Köln

Tagelang schufteten, diskutierten und appellierten die Verantwortlichen des 1. FC Köln. Jeder diplomatische Kniff wurde versucht, um wenigstens 9200 Zuschauer zum rheinischen Derby zulassen zu dürfen. Doch die Corona-Zahlen in der Stadt verhinderten dies - mehr als 300 Versprengte auf der Gegentribüne ließ das Gesundheitsamt nicht zu. Am Samstagnachmittag waren dann vermutlich all jene Kölner froh, die nicht ins Stadion gelassen worden waren. Denn das 1:3 (0:2) gegen Borussia Mönchengladbach war in der Höhe noch schmeichelhaft für die Gastgeber, die zum 13. Mal hintereinander ohne Bundesliga-Sieg blieben. Als die Kölner Negativserie begann (im März, kurz vor dem Lockdown), hieß der Gegner beim ersten Geisterspiel übrigens ebenfalls Mönchengladbach, das damals 2:1 gewann. Da war es deutlich knapper zugegangen.

Kölns Trainer Markus Gisdol versuchte dennoch nach Kräften, nichts zu dramatisieren, fast wirkte er dankbar für die starke Leistung des Gegners: "Die haben das sensationell gemacht zu Beginn. Und dann weißt du, warum Gladbach in der Champions League gegen Inter Mailand und Real Madrid spielt - und wir halt gegen den Abstieg... Das ist das einzige Ziel für uns: in der Klasse zu bleiben. Selbst wenn wir eine optimale Leistung bringen, ist es sauschwer, gegen Gladbach überhaupt einen Punkt zu holen." Für jeden FC-Fan war dieser Satz wie ein Leberhaken, und das Schlimmste war, dass er zumindest an diesem Tag stimmte.

Timo Horn pariert glänzend, bleibt aber unbelohnt

Die Partie begann nur für einen Spieler optimal: Timo Horn. Der oft kritisierte Torwart des 1. FC Köln durfte sich innerhalb von 15 Minuten so häufig auszeichnen wie lange nicht mehr. Keine vier Minuten waren gespielt, als der Torwart mit dem rechten Fuß gegen den ziemlich blanken Jonas Hofmann rettete. Nicht einmal 120 Sekunden vergingen, bevor Horn seinen linken Fuß ausfahren musste, um gegen Marcus Thuram zu klären. Köln hatte im ersten Heimspiel gegen Hoffenheim ähnlich miserabel begonnen, dort aber das Glück gehabt, nicht früh mit 0:2 in Rückstand geraten zu sein. Gladbach tat den Kölnern den Gefallen nicht. Im Gegenteil: Die Kölner boten kratergroße Freiräume an, und die Gäste wussten das zu nutzen.

In der 14. Minute schickte Matthias Ginter mit einem langen Pass Jonas Hofmann auf die Reise. Um dessen ungenaue Rückgabe wieder scharf zu machen, musste Alassane Pléa erst einmal zur Strafraumgrenze zurücktrippeln - aber die Kölner Abwehr gewährte ihm alle Zeit, die der Franzose ausnutzte, um mit einem feinen Rechtsschuss die überfällige Gästeführung zu erzielen. 100 Sekunden später musste Timo Horn wieder per Fuß eingreifen, doch kurz danach ließen ihn die Mitspieler unglücklich aussehen, weil sie bei einem Eckball den ersten Pfosten unbesetzt ließen, was den kleinen Stefan Lainer in den raren Genuss eines Kopfballtors kommen ließ (16.). Trainer Markus Gisdol, der eine Fünferkette aufgeboten hatte, die wiederholt gnadenlos mit langen Bällen überspielt wurde, kritisierte das Abwehrverhalten seines Teams: "Da kannst du auch mit Sechser- oder Achterkette spielen - wenn du dich so verhältst in der Defensive, ist das auch egal."

Viel zu spät bäumen sich die Kölner auf

Erst der kurzzeitige Übermut der Gladbacher direkt nach dem 2:0 erinnerte daran, dass auch Kölner Feldspieler auf dem Platz waren: Eine schlunzige Rückgabe von Christoph Kramer brachte Torwart Yann Sommer in Verlegenheit, der neue FC-Torjäger Sebastian Andersson war zur Stelle, doch sein Abschluss landete am Pfosten (17.). Gladbachs Coach Marco Rose hatte wenig zu kritisieren, aber er bemängelte die (wenigen) Konzentrations-Aussetzer seiner Elf, daran müsse man arbeiten: "dass wir so ein Spiel komplett zu Ende spielen und dem Gegner nicht den Strohhalm hinhalten", durch den er vielleicht in die Partie zurückkommen könnte.

Aus eigenem Antrieb allerdings brachte Köln danach über 60 Minuten lang nichts zustande. Gladbach kontrollierte das Geschehen im Stile einer Champions-League-Mannschaft, und erhöhte wenn nötig das Tempo: Kurz nach dem Wiederanpfiff beeindruckte Neuhaus die Gastgeber mit einem Pfostenschuss, und ein Foulelfmeter von Stindl (56.) ließ die Kölner arg früh resignieren. Die 300 Fans schwiegen laut, und das Spiel verdiente sich das Prädikat des atmosphärisch bisher traurigsten rheinischen Derbys.

Was vielleicht möglich gewesen wäre, zeigten die letzten Minuten, nachdem Rexhbecaj (84.) mit einem strammen Flachschuss Sommer klein aussehen ließ und zum 1:3 traf. Plötzlich wirkten die Kölner nicht mehr anämisch und die Gladbacher gar nicht mehr so souverän. Aber es war zu wenig und zu spät. Und deshalb bleibt Gisdol nicht mehr als die Hoffnung, in der Länderspielpause daran arbeiten zu können, eine arg zusammengeschusterte Gruppe in eine homogene Mannschaft zu verwandeln.

© SZ
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