Klopp gegen Tuchel in der Champions League "Ich mag ihn wirklich sehr"

Beide begannen in Mainz, beide trainierten Dortmund - nun sind Thomas Tuchel (Paris; links) und Jürgen Klopp (Liverpool) Gegner auf großer Bühne.

(Foto: Reuters/dpa)
  • FC Liverpool gegen Paris Saint-Germain lautet das brisanteste Duell des ersten Champions-League-Spieltags.
  • Es ist auch das Aufeinandertreffen der deutschen Trainer Jürgen Klopp und Thomas Tuchel.
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Von Javier Cáceres, Liverpool

Vor The Kop, der legendären Tribüne des Stadions an der Liverpooler Anfield Road, kehrt am Montagmittag ein unangenehmer Wind den Boden. Der dramatisch graue Himmel, der in fast schon absurder Aufdringlichkeit dem Klischee des Nordwesten Englands entspricht, kündigt einen Regenschauer an, der sich bald danach träge ergießt - Launen der Natur, die nichts mit der fußballerischen Realität in der Stadt zu tun haben. Und schon gar nicht mit der Laune von Jürgen Klopp.

"Pas mal!", auf gut Deutsch: "nicht schlecht", ruft der sprachbegabte deutsche Trainer des FC Liverpool auf Französisch, als er um 14 Uhr Ortszeit durch die Tür des Presseraums im Stadion tritt, einen Pappbecher mit dem "L. F. C."-Logo auf dem Pult deponiert und auf die Frage des Übersetzers nach dem Befinden antwortet.

Beide überhäufen sich vorab mit Komplimenten

Er tut dies kurz vor dem brisantesten Duell des ersten Champions-League-Spieltags: Vorjahresfinalist Liverpool trifft an diesem Dienstag auf das in Frankreichs Liga ungeschlagene Milliardenprojekt Paris Saint-Germain. "Wenn ich nicht eh als Trainer dabei wäre, würde ich das Spiel anschauen. Definitiv", sagt Klopp.

Dass er so prächtig gelaunt ist, liegt auch daran, dass auch sein Team bisher mit maximaler Punktausbeute gestartet ist. Die ersten fünf Premier-League-Spiele hat Liverpool gewonnen; zuletzt gegen Tottenham, einen Rivalen um die Champions-League-Plätze, wenn nicht sogar um die Meisterschaft, von der sie am Mersey seit 1990 träumen. Liverpool gegen PSG, das ist aber auch das Duell Klopp gegen Thomas Tuchel, das Duell der beiden aufregendsten deutschen Trainer, die auf nicht-deutscher Bühne tätig sind. Die beiden sind fast identische Karrierewege gegangen - und überhäufen sich vor dem Spiel mit Komplimenten: "Ich mag ihn wirklich sehr", sagt Tuchel (L'Équipe).

Klopp begann seine Profitrainer-Laufbahn 2001 in Mainz, nur eine Woche nach seinem letzten Spiel als Zweitligaprofi. Er stieg als Trainer ein, rettete den FSV vor dem Abstieg und blieb als Klubheld bis 2008. Dann ging er nach Dortmund, holte dort zwei Meisterschaften, einen DFB-Pokal und verlor 2013 das Champions-League-Finale in Wembley gegen die Bayern. Seit 2015 ist er nun, wie die Zeitschrift World Soccer schrieb, zum "charismatischsten Liverpool-Trainer seit Bill Shankly geworden" - Shankly, die Legende, steht vor The Kop in Bronze gegossen.

Tuchel folgte Klopp gleich zwei Mal nach, in Mainz und in Dortmund. Er hatte als Jugendtrainer beim VfB Stuttgart begonnen und war über Augsburg nach Mainz gekommen, wo er 2009 Cheftrainer wurde. 2015 unterschrieb er in Dortmund, als Klopp ging, und gewann dort seinen bisher einzigen Titel als Profitrainer: den DFB-Pokal 2017. Der Erfolg jedoch konnte nicht die tiefen Gräben füllen, die sich zwischen ihm und der Vereinsführung von Borussia Dortmund aufgetan hatten. Tuchel musste gehen, ließ ein Sabbatical folgen und stieg in diesem Sommer bei PSG ein, das seit 2017 über den vielleicht besten Sturm Europas verfügt: Neymar Jr. und Kylian Mbappé stießen im Vorjahr zu Edinson Cavani.