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Kampf Blatter vs. Bin Hammam:Die Fifa-Farce

Es ist ein Drama ohne Gleichen in der Geschichte des Weltfußballs. Sepp Blatters Rivale Mohamed bin Hammam zieht nicht nur plötzlich seine aussichtsreiche Kandidatur um die Fifa-Präsidentschaft zurück, sondern wird wenige Stunden später auch noch suspendiert - endet so der extrem schmutzige Machtkampf um den Amtsinhaber?

Thomas Kistner, Zürich

Die Ausführungen von Petrus Damaseb währten 20 umständliche Minuten, dann brachte der stellvertretende Chef der Fifa-Ethikkommission die Mitteilung des Abends unter die im Fifa-Quartier versammelte Presse: Die Fifa-Vorständler Mohamed bin Hammam (Katar) und Jack Warner (Trinidad und Tobago) wurden suspendiert, beim Schweizer Präsidenten Sepp Blatter hätten sich keine Anhaltspunkte für ein Fehlverhalten ergeben in der Bestechungs-Causa um die Karibische Fußballunion (CFU).

Suspendierter Fifa-Funktionär Bin Hammam (in Zürich): Erst Kandidatur zurückgezogen, dann suspendiert

(Foto: AFP)

Bei einem Treffen der CFU am 10./11. Mai, so lautet der Vorwurf, sollen die zwei Suspendierten den Fifa-Ethikcode verletzt haben, indem sie versuchten, Stimmen für Bin Hammams Wahl zum Fifa-Präsidenten zu kaufen. Damasebs Erklärung fügte Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke aufgeregt an, gerade habe ihm der Verband Puerto Ricos per Mail angezeigt, dass dieser beim fraglichen CFU-Treff "Geschenke und 40.000 Dollar erhalten habe ".

In Fifa-Kreisen waren Suspendierungen und Freispruch zu dem Zeitpunkt keine Überraschung mehr. Bereits in der Nacht zuvor hatte Bin Hammam seinen Rückzug von der Kandidatur auf der Website verkündet. Dieser Schritt hatte selbst die Mitarbeiter und Vertrauten im Lager des Chefs der Asien-Konföderation AFC überrumpelt.

Noch am Abend hatte nichts darauf hingedeutet, Bin Hammam sogar seine Rede an die Delegierten des Wahlkongresses am 1. Juni fertiggestellt. Offenbar, so wurde am Sonntag spekuliert, hatte ihn in der Nacht ein Hinweis erreicht, in welche Richtung die Fifa-Ethikkommission anderntags verfahren wolle.

Fifa-Chefethiker Damaseb war bemüht, die Vorläufigkeit dieser Maßnahmen gegen Bin Hammam und Warner herauszustreichen: Die Suspendierung von allen Fußball-Aktivitäten betrage nur 30 Tage, beide seien nicht schuldig gesprochen, betonte der Mann aus Namibia. Es hätten Aussagen gegen Aussagen gestanden, auch sei es nicht Aufgabe der Kommission gewesen, "Schuld oder Unschuld festzustellen".

Damaseb berief sich auf Artikel 129 des Fifa-Disziplinarreglements, nach dem der Vorsitzende "in dringenden Fällen provisorische Entscheidungen treffen kann", sowie auf Artikel 130, "der besagt, dass der Vorsitzende auf Grundlage der unmittelbar vorliegenden Beweismittel entscheiden kann".

Blatter wiederum war von Bin Hammam beschuldigt worden, den Korruptionsvorwurf lange gekannt, aber nicht an zuständiger Stelle angezeigt zu haben. Dazu sagte Damaseb, zwar habe Blatter eingeräumt, Jack Warner habe ihn "schon zu einem frühen Termin von dem geplanten Treffen mit der CFU" informiert. Auch habe er erfahren, "dass gewisse Zahlungen an die Verbände fließen sollten". Doch habe Blatter daraufhin Warner gesagt, "dass weder die Sitzung noch die Zahlungen stattfinden sollten".

Wie der Fifa-Chefethiker ausführte, sei Blatter nichts vorzuwerfen, weil es ja zu der Zeit noch keine konkreten Vorgänge gab, die er hätte unterbinden können. Warner, so Damaseb weiter, habe Blatters Aussagen strikt in Abrede gestellt: Er habe den Fifa-Chef keineswegs über das CFU-Treffen informiert.

Pressenachfragen, warum er in diesem Punkt Blatter glaube und nicht Warner, konterte der Kommissionschef: "Warum nicht? Es steht Ihnen frei, dies zu bewerten." Einen Hinweis auf die Meinungsbildung in seinem Gremium gab Damaseb, als er Blatters Zögern, die Bestechungshinweise im Karibik-Verband frühzeitig untersuchen zulassen, verteidigte: "Blatter ist Kandidat für die Fifa-Präsidentschaftswahl. Er hat auch deshalb nicht informiert, weil man sonst hätte schließen können, dass er versucht, seinen Rivalen auszuschalten."

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