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Italiens Mario Balotelli im EM-Finale:Als der Widerspenstige gezähmt wurde

Nicht einmal der gefürchtete Mario Balotelli kann etwas gegen Spaniens Defensive ausrichten. Der umstrittene Stürmer kämpft, rackert, agiert dennoch fair. Doch am Ende müssen die Italiener eingestehen, dass selbst eine muskelbepackte Statue gegen diese spanische Sieger-Generation nichts ausrichten kann.

Mario Balotelli spielte gegen Ende der ersten Halbzeit einen fürchterlichen Pass. Der Ball flog quer über das Feld und landete genau vor den Füßen eines Spaniers, der zum Gegenangriff auszog. Balotelli fuchtelte wild mit den Armen und schimpfte so laut, dass man es fast bis zur Haupttribüne hinauf hörte. Lauft doch dorthin, wohin ich spiele!, schien er seinen Mitspielern zuzubrüllen.

EURO 2012 - Spanien - Italien

Traurig, allein: Mario Balotelli auf dem Rasen von Kiew.

(Foto: dpa)

Es ist ein altes Stilmittel von sehr selbstbewussten Fußballern, bei eigenen Fehlern einen anderen dafür verantwortlich zu machen. War das der alte Mario Balotelli? Das Enfant terrible? Ein begnadeter Kicker zwar, aber auch einer, der sich gerne mit allen und jedem anlegt?

Das Ansehen des 21 Jahre alten Stürmers hatte sich vor diesem EM-Finale spektakulär verändert. Als Rowdy war er ins Turnier gegangen, als unkontrollierbares Heißblut, das sicher für einen Skandal sorgen werde. Rassisten begrüßten ihn mit Affenlauten, auch für viele Italiener war es ein Tabubruch, dass ein Schwarzer das Trikot der Squadra Azzurra trug. Selbst wenn er in Palermo geboren wurde als Sohn ghanaischer Einwanderer. Nun war er plötzlich der Stolz des Landes.

Die Italiener jubelten über seine zwei Tore im Halbfinale gegen Deutschland samt egozentrischer Geste, als er nach dem 2:0 sein Trikot auszog und sich in eine muskelbepackte Statue verwandelte. Wer soll diesen Balotelli aufhalten? Nicht einmal eine Hundertschaft der durchaus grimmig dreinblickenden ukrainischen Polizei würde das schaffen.

Doch Balotelli merkte bald, dass er an diesem Finalabend weder gegen Ukrainer noch gegen Deutsche spielte. Diesmal wartete die spanische Nationalmannschaft mit einer Defensive, die ihr letztes Gegentor in einem K.-o.-Spiel bei einer Welt- oder Europameisterschaft im Jahr 2006 hingenommen hatte: Zinédine Zidane schoss damals in Hannover das 3:1 im WM-Viertelfinale für Frankreich. Ob Mario Balotelli das wusste, als er sichtlich missmutig in die Kabine zum Halbzeitgespräch ging? Da hätte er schon mindestens dreimal treffen müssen, um seinem Land noch den EM-Pokal mitzubringen.