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IOC-Präsident Bach in Sotschi:Manche Themen lächelt Bach weg

Zudem ist es so, dass das Naturschnee-ferne russische Wintersportzentrum, dem das IOC aus dem Boden half, nach den Spielen großzügig umgebaut werden soll: In Einkaufszentren, Tagungshallen und anderes. Das könnte eine gewisse Nachhaltigkeit sichern - wo aber bleibt der Sport, um den es ja gehen soll? Überdies ist auch eine Nachnutzung nicht automatisch gesichert, weil man Tagungsstätten baut. Die Frage wird vor allem sein, ob so ein Angebot ausreichend angenommen wird.

Manche Fallstricke in Sotschis sportpolitischen Parcours hängen auch tiefer. So bemängeln erste Tausendschaften der Medien nicht nur unfertige Hotels, sie vermissen den olympischen Geist am waffenstarrenden Ort. Manche Teams verhängen Ausgehverbote. Solche Themen lächelt Bach weg; verweist auf die Zuständigkeit seines olympischen Quartiermeisters bzw. auf die Salt-Lake-City-Winterspiele - auch die seien 2002 ja unter "schweren Sicherheitsvorkehrungen" abgelaufen. Sind erst die Sicherheitschleusen zum olympischen Park überwunden, erklärt er, "dann kann dort die olympische Atmosphäre erglühen".

Und die Menschenrechte? Alles sauber geregelt, findet Bach; er verweist auf eine angebliche Lösung zum Themenkreis Ausbeutung von Fremdarbeitern. "Wir wurden darüber informiert, schauten uns die Belege an und erörterten die Dinge dann mit dem OK." Daraus sei ein Treffen des Vize-Premierministers mit dem zuständigen Ombudsmann erwachsen und bald "277 Millionen Rubel an Arbeiter in 13 Ländern" bezahlt worden. Im Schnitt käme da jeder auf rund 1000 Euro Nachzahlung.

Olympia "Um wen geht es bei Olympia eigentlich?"
Neureuther kritisiert IOC

"Um wen geht es bei Olympia eigentlich?"

Die Athleten teilen sich in Sotschi ein 15-Quadratmeter-Zimmer, die IOC-Verantwortlichen wohnen im 5-Sterne-Hotel: Skirennfahrer Felix Neureuther wirft den Funktionären Protz vor. Auch den Olympia-Boykott von Bundespräsident Gauck sieht er kritisch.

Nur: Haben die russischen Auftraggeber Adressen und Bankdaten von 6000 Arbeitern aus Zentralasien aufbewahrt? Für Human Rights Watch (HRW) ist das Ganze ohnehin nur "ein Tropfen auf den heißen Stein". Mehr als 100 000 Menschen sollen all die Stadien, Straßen und Hotels gebaut haben, viele sollen längst zwangsausgewiesen worden sein. Laut Jane Buchanan, HRW-Vizedirektor für Europa/Zentralasien, ist ihrer Organisation nicht bekannt, an wen die Nachzahlungen geflossen seien.

So gab am Montag Amnesty International Präsident Bach einen heißen Tipp mit auf den Weg in die große Gesellschafts- debatte. "Es muss dringend mehr als bisher auf die Einhaltung der Menschenrechte geachtet werden", sagte Sprecher Emile Affolter dem sid. AI erwartet, dass vor künftigen Bewerbungen die Einhaltung der Grundrechte fixiert wird. Affolter: "Das halten wir für eine der wichtigsten Aufgaben, die Bach zu lösen hat. Wir erleben hier täglich, wie die Meinungsfreiheit eingeschränkt wird." So unterschiedlich können die Wahrnehmungen bei Olympia sein.

Sotschi 2014
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© SZ vom 04.02.2014
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