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IOC:Diese Sportwelt will keine unabhängige Dopingkontrolle

23 positive doping re-tests from 2012 London Games

London 2012: Massiv gedopt wird bekanntlich nicht bei Olympia, sondern in den Monaten zuvor.

(Foto: dpa)

55 Betrüger in Peking und London sind nur die Spitze des Eisbergs: Massiv gedopt wird bekanntlich in den Monaten vor Olympischen Spielen. Das IOC nimmt den Anti-Doping-Kampf nicht ernst.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat eingefrorene Dopingproben von den Sommerspielen 2008 in Peking und 2012 in London nachtesten lassen - und da kommt jetzt ganz schön was zusammen. Aktuell sind es 55 Sündenfälle. Dabei wurden vor allem Athleten in den Blick genommen, die damals dabei waren - und es 2016 in Rio noch mal wissen wollen. Ein vergleichsweise enger Kreis also. Und Nachkontrollen gibt es naturgemäß nur für Substanzen, die über die letzten Jahren besser nachweisbar wurden. Das hilft die abfallende Kurve erklären: 32 Fälle in Peking, 23 in London. Nicht, weil die Spiele sauberer werden. Sondern weil Stoffe, die vor acht Jahren in Gebrauch waren, heute eben leichter aufspürbar sind als die moderneren Hämmer von 2012.

Aber ruhig Blut, Spitzensport. Für den Dopingbetrieb lautet die gute Nachricht: Alles, was jetzt aufgetaut und weggetestet wurde, ist nicht mehr verfügbar für spätere Tests. Wer diesmal durchkam, dem kann künftig nichts mehr passieren.

55 Sünder. Nach Spielen, bei denen offiziell nur neun (inklusive vier Turnierpferden in Peking) beziehungsweise acht (London) Fälle gemeldet wurden. Das zeigt, dass die paar Betrüger, die unmittelbar bei den Spielen geschnappt werden, nur die Spitze eines Eisberges sind, der sich unter Olympias Hochglanzbühne gewaltig in die Breite ausdehnt. Schon vor den London-Spielen hatte die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) 107 Sünder gestellt. Wenn man das alles hochrechnet, landet man flott im Tausenderbereich. Denn massiv gedopt wird ja bekanntlich nicht bei Olympia, sondern in den Monaten zuvor. Damit man topfit im Wettkampf ist - und blitzsauber.

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Im 100-Meter-Sprint haben nur zwei der zehn Weltbesten eine saubere Vita

Gendoping und die Fülle gar nicht nachweisbarer Dopingvarianten einmal außen vorgelassen: Wer das wahre Betrugsausmaß auch nur erahnen will, muss mehr Sachverhalte berücksichtigen. Unter den nun fast 50 Dopingfällen von Peking, das darf gewettet werden, werden die größten Namen fehlen. Insbesondere der wird unbefleckt bleiben, der Peking mit einem Fabelweltrekord vergoldet hat.

Mit einem Quantensprung, den nur Monate zuvor ein Wissenschaftler-gremium für (unter sauberen Bedingungen) frühestens Ende des Jahrhunderts machbar hielt: Usain Bolt schoss mit offenem Schuh in 9,69 Sekunden über 100 Meter davon; bei der WM 2009 in Berlin lief der Jamaikaner gar 9,58. Erstaunlich für den König einer Disziplin, in der nur zwei der zehn Weltbesten keine klare Dopingvita haben. Phänomenal für einen, der von einer Insel ohne Testsystem kommt, die hauptsächlich zweierlei produziert: Supersprinter und reihenweise Sünder.

Aber nicht Bolt. Dessen Heldentaten übrigens ein sehr ansteckender Virus innewohnt: Seit er der Konkurrenz davonjagt, eilt ihm diese fast ebenso schnell hinterher. Wunder des Spitzensports.