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Interview: Felix Magath:"Es wird schwer, Ausreden zu finden"

Felix Magath über seinen Ruf als Diktator, seine Ziele auf Schalke und die steilen Treppen des Parkstadions.

SZ: Herr Magath, vom Trainingsplatz bis zum Hotel sind es zwar nur 50 Meter, trotzdem haben Sie eine knappe halbe Stunde benötigt - weil sich Hunderte Fans im Trainingslager Ihres neuen Vereins aufhalten und besonders Ihnen dort nachstellen. Wissen Sie nun, worauf Sie sich in Schalke eingelassen haben?

"Blau und Weiß, wie lieb' ich dich": Trainer Felix Magath beherrscht inzwischen schon das Schalker Lied - auswendig.

(Foto: Foto: Getty)

Felix Magath: Ich war damals bei vollem Bewusstsein, als ich zusagte, und ich bin mir auch jetzt klar darüber, was ich getan habe. Diese Fangemeinde, die in ihren Emotionen nicht zu überbieten ist, wartet seit mehr als 50 Jahren auf die Meisterschaft. Das ist das Thema in Schalke. Ich habe die Herausforderung angenommen, einen großen Traditionsverein - vielleicht den größten, den es in Deutschland gibt - wieder nach oben zu führen. Es war natürlich auch für die Wolfsburger Fans sehr schön, deutscher Meister zu werden, aber ich glaube, dass die Bedeutung einer Meisterschaft für Schalke ein ganzes Stück größer ist - und dass ich damit noch mehr Fans Freude machen kann.

SZ: Sie streben in Schalke nach Unsterblichkeit?

Magath: Davon kann man sich nicht ganz lösen, dass so ein Aspekt mitspielt, aber dennoch ist das nicht meine Triebfeder. In meinem Alter kommen solche Anwandlungen, dass ich sage: Es geht mir gut - wo kann ich jetzt den Leuten etwas zurückgeben? Ich werde für meine Arbeit gut bezahlt, und wenn ich durch diese Arbeit vielen Leuten eine Freude machen kann, dann gibt es doch gar nichts Besseres auf der Welt. Die Aufgabe ist es jetzt, den Schalker Fans die Meisterschaft zu geben.

SZ: Schalkes Aufsichtsratschef Clemens Tönnies hat gesagt, er habe Sie "emotional aufgeladen", um Sie aus Wolfsburg nach Schalke zu locken. Wirkt dieser emotionale Antrieb noch?

Magath: Das ist heute nicht anders als vor einem halben Jahr. Vor kurzem war ich bei Schalkes Jahreshauptversammlung, da war ich wirklich sehr positiv überrascht über das Niveau der Beiträge der Mitglieder. Diese Leute sind mit vollem Herzen dabei und machen sich Sorgen um ihren Klub. Das hat mich in meiner Entscheidung bestätigt - ohne dass ich vorher daran gezweifelt hätte.

SZ: Bei der Mitgliederversammlung wurden Sie auch genötigt, das Vereinslied zu singen - so wie ein SPD-Delegierter beim Parteitag die Internationale schmettern muss.

Magath: Danach habe ich ja auch gesucht nach zwei Jahren in Wolfsburg. Der Traditionsklub Schalke bietet zum VfL als Tochtergesellschaft von VW den größten Kontrast, der innerhalb der Liga möglich ist. Dazu gehört dann auch, bei der Mitgliederversammlung das Vereinslied zu singen. Und ich finde, ich habe das gar nicht schlecht gemacht.

SZ: Sie haben es auswendig gelernt? "Blau und Weiß, wie lieb' ich dich"?

Magath: Musste ich ja.

SZ: Sie haben schon eine ganze Reihe von Vereinen trainiert. Schalke ist der erste Klub im Westen. Erfüllen Sie sich so Ihren Wunsch nach einem Auslandsjob?

Magath: Das Ruhrgebiet ist für mich Neuland, insofern könnte ich zu mir guten Gewissens sagen: Du hast alles gesehen und kannst demnächst abtreten. Nein, ich freue mich, dass ich jetzt im Ruhrpott arbeite, und ich bin neugierig, wie das Zusammenleben funktioniert.

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