Hummels zum BVB? Drei Fragezeichen in der Bayern-Abwehr

Es scheint, als käme den Münchnern ein Verkauf von Mats Hummels sogar gelegen. Doch dieser Schritt wäre mit Risiken verbunden.

Kommentar von Benedikt Warmbrunn

Das Überraschende ist, dass niemand beim FC Bayern überrascht oder entsetzt aufschreit. Der Verein ist dabei, einen der besten Spieler seiner Rückrunde zu verlieren, und die Entscheider? Sie schweigen. Als käme das, was sich gerade anbahnt, gar nicht so ungelegen. Doch so wenig vernünftig der wahrscheinliche Abschied von Mats Hummels zu Dortmund sportlich auf den ersten Blick wäre, so wenig wäre er auf den zweiten Blick überraschend. Es ist ein Abschied, der sich ein Jahr lang gezogen hat.

Dass die Zusammenarbeit zwischen Hummels und Niko Kovac eher eine kurze werden dürfte, hatte sich bereits vor dem ersten gemeinsamen Pflichtspiel angedeutet. Kovac war 2018 kaum als neuer Trainer vorgestellt worden, da kursierte schon die Geschichte, mit welcher Taktik er wenige Wochen zuvor mit Frankfurt den Pokal gewonnen hatte: mit langen Bällen - auf Hummels. Bald dürfte die Geschichte auch die Bayern-Kabine erreicht haben und damit auch den stolzen Hummels, der nie vergisst. Und so disharmonisch ging es auch weiter: Kovac überging Hummels zunächst oft; in der Krise im Herbst galt Hummels als interner Kritiker. Erst im Winter wurde er Stammspieler, äußerte aber weiter Skepsis, nie namentlich über den Trainer, aber gerne über dessen Kernbereich: die Taktik.

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Dass Hummels wohl zum BVB zurückkehren wird, erklärt sich also auch an seinem Verhältnis zu Kovac. Zwischen den beiden ist nie gegenseitiges Vertrauen gewachsen, das ist das eine. Das andere ist, dass der FC Bayern gerade an einem Kader bastelt, der dem Trainer die alltägliche Arbeit erleichtern soll. Es ist ein Plan, der nicht ohne ein gewisses Risiko ist.

Der FC Bayern muss viel Spielintelligenz ersetzen

Hummels war einer der besten Bayern-Spieler der Rückrunde, mit seiner Routine, seinem Ehrgeiz, seinem Siegeswillen. Mit diesen Fähigkeiten wäre er für Dortmund jener Stabilisator, der dem Team im Titelkampf hinten gefehlt hatte - und zugleich wäre nicht klar, wer die Lücke schließt, die er in München hinterlassen würde.

Ohne Hummels hätte der FC Bayern als Innenverteidigung drei Fragezeichen: Kann Niklas Süle ohne erfahrenen Nebenmann eine Abwehr anleiten? Wird der 80-Millionen-Euro-Mann Lucas Hernández rechtzeitig fit und formstark? Und wird der 35-Millionen-Euro-Mann Benjamin Pavard seine bescheidene Saison bei Absteiger Stuttgart vergessen?

Die Mannschaft, die der FC Bayern gerade baut, ist eine, wie sie sich Kovac vorstellt: jünger, schneller, körperlicher. Es ist aber auch ein Team, das viel Spielintelligenz ersetzen muss, durch die Weggänge von Ribéry, Robben, James und wohl Hummels (sowie Jérôme Boateng, dem Präsident Uli Hoeneß unwiderruflich einen Wechsel nahegelegt hat). Es ist eine Mannschaft, die sich für Kovac leichter steuern lässt, viele der Weggänge nehmen auch ihre Zweifel am aktuellen Münchner Weg mit in die Fremde. Die Gefahr könnte nur sein, dass beim Umbau ein Kader entsteht, der zu viel an innerer Haltung und Spannung verloren hat.

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