Doping in Erfurt Hondo ist der nächste deutsche Kunde

Danilo Hondo bei der siebten Etappe der Tour de France 2010.

(Foto: Nicolas Bouvy/dpa)
  • In der Affäre um den deutschen Dopingarzt aus Erfurt gibt es weitere Namen.
  • Der ehemalige Radrennfahrer Danilo Hondo zählte zu den Kunden von Mark Schmidt.
  • Das gesteht der heute 45-Jährige jetzt in einem ARD-Beitrag.
Von Thomas Kistner

Das Druckgefühl, endlich reinen Tisch zu machen, übermannte Danilo Hondo am Samstag, kurz vor Mitternacht. Er griff zum Hörer und bestätigte der ARD-Dopingredaktion, dass auch er ein Kunde des seit März inhaftierten Erfurter Dopingarztes Mark Schmidt gewesen sei, und er vereinbarte ein Interview gleich für den folgenden Tag. Am Sonntagvormittag beichtete der 45-Jährige, dass er im Jahr 2011 den vielen Lockrufen des Sportmediziners nachgegeben und sich dessen Blutdoping-Behandlungen unterzogen habe.

Hondo erklärte, als damals 37-jähriger Profi habe er gehofft, "vielleicht doch noch länger fahren zu können oder besser fahren zu können, um vielleicht noch mal einen besseren Vertrag zu erhaschen, um einfach noch mal Verluste aus der Vergangenheit wettzumachen". Positive Effekte hätten sich nur leider nicht bei ihm eingestellt. Im Gegenteil: "Ich habe mich immer schlecht gefühlt, und an den Tagen, an denen ich das Blut drin hatte, bin ich sogar schlechter gefahren als sonst", sagte er der ARD. Hinzugekommen seien stete Skrupel über den Betrug, weshalb er Schmidt Anfang 2012 erklärt habe, "nicht mehr weitermachen zu wollen".

Doping Nebenbei Dopingkurier?
Ehemaliger Trainer von Johannes Dürr

Nebenbei Dopingkurier?

In der Seefelder Doping-Affäre wehrt sich Kronzeuge Johannes Dürr vor Gericht gegen Österreichs Skiverband - und belastet seinen langjährigen Trainer schwer.   Von Thomas Kistner und Johannes Knuth

Damit dringt die Betrugs-Affäre um den Sportarzt Schmidt tiefer in den deutschen Sport vor. Erst am Freitag hatte die nationale Anti-Doping-Agentur angekündigt, ein Verfahren gegen einen mutmaßlichen anderen Schmidt-Kunden, Ex-Eisschnellläufer Robert Lehmann-Dolle, wegen eines möglichen Verstoßes einzuleiten. Hondo ist nun der deutlich prominentere Fall.

Der Mann aus Cottbus zählte zu den Helden des einst als nationale Erfolgsstory verehrten deutschen Radsports, er fuhr von 1999 bis 2003 für Team Telekom. Hondo gewann zwei Etappen des Giro d'Italia und viele mehr bei anderen Rundfahrten, war Weltmeister mit dem Bahnvierer und deutscher Straßenmeister. Als Edeldomestike fuhr er für Erik Zabel und Alessandro Petacchi die Sprints an, bis er selbst zum Sprint-Star wurde, als Spitzenfahrer des Team Gerolsteiner.