Süddeutsche Zeitung

Doping in Erfurt:Hondo ist der nächste deutsche Kunde

  • In der Affäre um den deutschen Dopingarzt aus Erfurt gibt es weitere Namen.
  • Der ehemalige Radrennfahrer Danilo Hondo zählte zu den Kunden von Mark Schmidt.
  • Das gesteht der heute 45-Jährige jetzt in einem ARD-Beitrag.

Das Druckgefühl, endlich reinen Tisch zu machen, übermannte Danilo Hondo am Samstag, kurz vor Mitternacht. Er griff zum Hörer und bestätigte der ARD-Dopingredaktion, dass auch er ein Kunde des seit März inhaftierten Erfurter Dopingarztes Mark Schmidt gewesen sei, und er vereinbarte ein Interview gleich für den folgenden Tag. Am Sonntagvormittag beichtete der 45-Jährige, dass er im Jahr 2011 den vielen Lockrufen des Sportmediziners nachgegeben und sich dessen Blutdoping-Behandlungen unterzogen habe.

Hondo erklärte, als damals 37-jähriger Profi habe er gehofft, "vielleicht doch noch länger fahren zu können oder besser fahren zu können, um vielleicht noch mal einen besseren Vertrag zu erhaschen, um einfach noch mal Verluste aus der Vergangenheit wettzumachen". Positive Effekte hätten sich nur leider nicht bei ihm eingestellt. Im Gegenteil: "Ich habe mich immer schlecht gefühlt, und an den Tagen, an denen ich das Blut drin hatte, bin ich sogar schlechter gefahren als sonst", sagte er der ARD. Hinzugekommen seien stete Skrupel über den Betrug, weshalb er Schmidt Anfang 2012 erklärt habe, "nicht mehr weitermachen zu wollen".

Damit dringt die Betrugs-Affäre um den Sportarzt Schmidt tiefer in den deutschen Sport vor. Erst am Freitag hatte die nationale Anti-Doping-Agentur angekündigt, ein Verfahren gegen einen mutmaßlichen anderen Schmidt-Kunden, Ex-Eisschnellläufer Robert Lehmann-Dolle, wegen eines möglichen Verstoßes einzuleiten. Hondo ist nun der deutlich prominentere Fall.

Der Mann aus Cottbus zählte zu den Helden des einst als nationale Erfolgsstory verehrten deutschen Radsports, er fuhr von 1999 bis 2003 für Team Telekom. Hondo gewann zwei Etappen des Giro d'Italia und viele mehr bei anderen Rundfahrten, war Weltmeister mit dem Bahnvierer und deutscher Straßenmeister. Als Edeldomestike fuhr er für Erik Zabel und Alessandro Petacchi die Sprints an, bis er selbst zum Sprint-Star wurde, als Spitzenfahrer des Team Gerolsteiner.

Er war bereits zwei Jahre gesperrt

Dort flog auch seine erste Dopingaffäre auf. 2005 wurde Hondo, zweifacher Etappensieger bei der Murcia-Rundfahrt, wegen zweier Positivtest auf Carphedon für zwei Jahre gesperrt. Der Fall wies indes so starke Hinweise auf einen durch Verunreinigung evozierten Befund auf, dass Hondos Sperre zwischenzeitlich vom Schweizer Bundesgericht aufgehoben wurde. 2014 beendete der Profi die Karriere. Im Jahr darauf heuerte er als Nationaltrainer in der Schweiz an. Dort wurde eigens für ihn die Ausnahme von der Regel gemacht, kein dopingbelastetes Personal zu installieren - mit Verweis auf die unklare Beweislage im damaligen Sündenfall.

Die Blutdoping-Causa ist da eindeutiger, Schmidt soll Hondo in den Vernehmungen benannt haben. Auch in der Schweiz laufen Abklärungen, der Verband stellte Hondo am Sonntagabend fürs Erste frei. Der berichtete der ARD, Schmidt habe ihm 2011 eine Handynummer gegeben: "Slowenisch oder kroatisch oder so." Über diesen Kontakt habe man Termine für Blutentnahmen und Rückführungen koordiniert. Hondo behauptete, nur Schmidt habe ihn betreut, keine Helfer. Entnommen wurde das Blut in einem Haus bei Frankfurt; der Arzt habe ihn auch in der Schweiz aufgesucht.

Rückführungen seien am Renntag oder tags zuvor erfolgt - bei der Tour de France, Mailand - San Remo oder belgischen Klassikern; insgesamt drei bis vier Mal. Bezahlt habe er in bar bei den Behandlungen, mindestens 30 000 Euro für das Jahr. Dass Schmidt seinen Namen genannt haben könnte, führt Hondo darauf zurück, dass "das Ganze nicht wirklich im Guten auseinandergegangen ist". Schmidts Geldforderungen seien ihm überhöht vorgekommen, es habe Debatten gegeben. "Das war 'ne rein finanzielle Motivation. Ich weiß, dass er damals ein Haus gebaut hat und immer davon sprach, es sei als Arzt schwer genug, Geld zu verdienen", sagte Hondo. Der weiß, dass sich auch seine berufliche Karriere im Radsport erledigt haben dürfte.

Kai Gräber, Leiter der Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft Doping, sagte am Sonntag auf SZ-Anfrage zum Sachverhalt: "Kein Kommentar."

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SZ vom 13.05.2019
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