Uli Hoeneß:"Kroos hat in diesem Fußball nichts mehr verloren"

Uli Hoeneß

Hatte wieder etwas zu sagen: Uli Hoeneß (Archivbild).

(Foto: Sven Hoppe/dpa)

Der frühere Präsident des FC Bayern holt verbal aus: Er zerlegt die EM-Taktik von Joachim Löw, stichelt gegen Hansi Flick und kritisiert vor allem den Auftritt von Toni Kroos - der antwortet prompt.

Eigentlich war Uli Hoeneß ins Studio gekommen, um den Moderator und ehemaligen FC-Bayern-Spieler Thomas Helmer zu würdigen, der im "Doppelpass" auf Sport1 am Sonntag zum letzten Mal als Gastgeber amtierte. Aber weil Hoeneß schon mal da war, sagte er, was es aus seiner Sicht zu sagen gab, und das war nicht gerade wenig. Der frühere Bayern-Präsident startete einen knackigen Rundflug über die aktuelle Themenlandschaft und begann gleich mal mit einem ehemaligen Weggefährten.

Er schätze Toni Kroos, sagte Hoeneß, aber bei dieser aus deutscher Sicht verkorksten EM sei Kroos Teil des "Hauptproblems" gewesen. "Seine Art zu spielen, ist total vorbei", sagte Hoeneß , "Toni Kroos hat in diesem Fußball nichts mehr verloren." Er, Hoeneß, habe im ganzen Turnier keinen Spieler gesehen, der noch so spiele wie Kroos. Beim 0:2 gegen England habe Deutschland "Angsthasenfußball" gespielt, und Kroos sei nur durch Querpässe aufgefallen. "Bei anderen Teams geht es mit Zug nach vorne, und bei uns wurde quer gespielt, quer gespielt, quer gespielt", sagte Hoeneß.

Kroos, der seine DFB-Karriere nach der EM beendet hatte, reagierte noch während der Sendung bei Twitter und setzte einen Konter mit viel Zug nach vorne: "Uli Hoeneß ist ein Mann mit großem Fußballsachverstand (auch wenn es für RTL nicht gereicht hat), wenig Interesse für Polemik und mit sich komplett im Reinen. Ähnlich wie sein Greenkeeper (gemeint ist Lothar Matthäus, der Kroos zuvor ebenfalls kritisiert hatte/Anm.d.Red.)." Die Reaktion von Hoeneß, ebenfalls live auf Sendung: "Wir leben in einer Demokratie. Jeder kann sagen, was er will." Und: "Wer austeilt, muss auch einstecken."

In seine Kritik bezog Hoeneß auch Bundestrainer Joachim Löw ein, der - so Hoeneß' Interpretation - vor allem wegen Kroos von der Viererkette in der Abwehr abgerückt sei. Löw habe auch deswegen auf eine Dreierkette gesetzt, damit Kroos davor als Mittelfeldchef auflaufen könne. "Völlig unnötig" sei dieser Systemwandel gewesen, sagte Hoeneß: "Es soll nicht heißen, der Hoeneß haut den Löw in die Pfanne. Aber wenn man das Thema analysiert, ist es relativ einfach." Löw habe nicht einfach das System von Hansi Flick beim FC Bayern kopieren, sondern etwas "besonderes Neues" finden wollen.

"Wenn man der Messias ist, muss man auch Erfolg haben", sagt Hoeneß über Flick

Das sei "total in die Hose gegangen". Hoeneß sagte, er hätte - wie Flick - auf eine Viererkette und ein Mittelfeld mit den drei Bayern-Profis Joshua Kimmich, Leon Goretzka und Thomas Müller sowie auf die bayerischen Außenstürmer Serge Gnabry und Leroy Sané gesetzt. Wäre das Team so aufgelaufen, sei er "zu 100 Prozent sicher, dass wir jetzt anders dastehen würden".

Er wisse, sagte Hoeneß, dass die Mannschaft mit Löws Dreierkette nicht zufrieden gewesen sei. Allerdings hätte kein Spieler intern Kritik geäußert, daher sei die "Schuld nicht nur bei Jogi Löw zu sehen, sondern auch bei den Spielern". Er habe viele Spieler "selbstbewusst erlebt unter Hansi Flick", aber nun sei niemand bereit gewesen, die Konfrontation zu suchen: "Das verstehe ich nicht."

Unter Flick erwarte er beim DFB wieder mehr Harmonie und Miteinander. "Aber wenn man der Messias ist, muss man auch Erfolg haben", sagte Hoeneß, der Druck auf Flick sei "ungeheuer groß". Ein kleiner, spitzer Gruß an den Ex-Trainer war Hoeneß offenkundig wichtig, und so erinnerte er auch nochmal an Konflikt zwischen Flick und Bayern-Sportchef Hasan Salihamidzic, der die erfolgreichste Zeit der Vereinshistorie überlagert habe. "Das hat Hansi mitverursacht, da war ich ihm auch ziemlich böse", grantelte Hoeneß. Flick schrieb dazu auf Twitter nichts.

© SZ/sid/ebc
Zur SZ-Startseite

SZ PlusZum Abschied von Jogi Löw
:Ära, wem Ära gebührt

Man hätte Joachim Löw einen besseren Abgang als Bundestrainer gewünscht. Aber das 0:2 gegen England war eine Desillusionierung für Zuschauer und Beteiligte. Zum Abschied eines Großen, der am Ende zum Scheinriesen wurde.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB