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Bundesliga gegen Mainz:Schwolow ist Herthas Mutmacher

1. FSV Mainz 05 v Hertha BSC - Bundesliga

Alexander Schwolow steht wieder im Hertha-Tor - und es läuft etwas besser.

(Foto: Alex Grimm/Getty)

Der Berliner Torhüter wurde von Trainer Dardai erst degradiert, jetzt sichert er dem Klub Punkte. Nach der zweiwöchigen Quarantäne wächst bei der Hertha mit dem 1:1 gegen Mainz die Hoffnung.

Von Frank Hellmann

Wer an Fußballer im Homeoffice denkt, dem offenbaren sich meist schräge Bilder. Profis, die mit einer Rolle Klopapier jonglieren, zum Beispiel. Diese albernen Szenen gehörten zu den ersten Wochen des Pandemie-Lockdowns wie die leergekauften Toilettenpapier-Regale in deutschen Supermärkten. Insofern kann es nur gut sein, wenn aus der Bundeshauptstadt mehr als ein Jahr später nun andere Assoziationen erschaffen werden.

Alexander Schwolow, Torhüter von Hertha BSC, hat nach seiner tadellosen Vorstellung im Nachholspiel beim FSV Mainz 05 (1:1) verraten, wie er seine zweiwöchige Quarantäne ohne erkennbare Leistungsdelle überbrückt hat. "Ich habe zum Glück einen Riesenbalkon. Ich habe mir eine Koordinationsleiter mit Tape abgeklebt. Ich habe die ganze Zeit Richtungswechsel geübt und Bälle gegen die Wände gespielt. Ich musste nur aufpassen, dass die dann nicht weg sind."

Schwolow ist ein sicherer Rückhalt der Hertha

Ins Gemüsebeet des Nachbarn gebolzte Fußbälle hätte er nämlich gar nicht wieder hinauf holen dürfen, selbst wenn die isolierte Person berufliche Gründe der Körperertüchtigung vorbringt, darf sie nicht raus aus der Wohnung. Doch nun lässt sich sagen: Dank der Trockenübungen ihres Torwarts hat die Hertha unter erschwerten Begleitumständen einen ersten Mutmacher verbucht. Schwolows Vorderleuten war gegen Mainz bis zum glücklichen Führungstor von Lucas Tousart (36.) - Phillipp Mwene glich kurz darauf mit einem Kunstschuss aus (40.) - sehr wohl anzumerken, dass ihnen die Koordination fehlte.

"In der Anfangsphase war Mainz klar besser, aber das haben wir dank Alex überlebt", sagte Trainer Pal Dardai. Das entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie: Der Ungar Dardai hatte bei seinem Comeback auf der Hertha-Trainerbank im Januar als eine der ersten Amtshandlungen eben jenen Schwolow degradiert. Bei Eintracht Frankfurt (1:3) stand damals plötzlich wieder Rune Jarstein, 36, zwischen den Pfosten beim Hauptstadtklub.

Dardai erklärte damals, dass der mit vielen Vorschusslorbeeren vom SC Freiburg gelockte Schwolow, 28, an der Spree kein Spielglück habe. An der neuen Hierarchie unter der Latte änderte sich lange nichts, bis der Norweger Jarstein schwer am Coronavirus erkrankte. Seit dem Derby gegen Union Berlin (1:1) Anfang April spielt Schwolow wieder. Und pünktlich vor dem Gastspiel seines Ex-Vereins (Donnerstag 18.30 Uhr) in Berlin bot er eine Vorstellung wie früher regelmäßig für den Sportclub: sicher mit dem Fuß, stark auf der Linie, überragend im Eins-gegen-Eins. Klar, dass der Rückhalt zum Re-Start zufrieden war.

"Für die Umstände war das aller Ehren wert. Das war ein guter Auftritt, der Selbstvertrauen gibt für die nächsten Spiele", urteilte der in Wiesbaden geborene Ballfänger, der nur mit der verstolperten Großchance des eingewechselte Krzysztof Piatek (82.) haderte. "Mit ein bisschen Glück fahren wir mit drei Punkten nach Hause. Aus meiner Sicht sah es brutal aus, weil ich genau in der Flucht stand." Doch den verhinderten Torjäger trafen weder vom Torwart noch vom Trainer irgendwelche Vorwürfe.

Der mentale Effekt eines "hart erarbeiteten" (Dardai) Zählers ist bei dem straffen Programm nicht zu unterschätzen. "Die Jungs haben alles reingeschmissen. Ein weiterer Punkt für unser gemeinsames Ziel", twitterte Sportdirektor Arne Friedrich, der gleich nach Spielende auf dem Platz eine feurige Ansprache im großen Kreis hielt. Man hat sich schließlich 14 Tage lange genug voneinander distanziert, nachdem das Gesundheitsamt wegen mehrerer Corona-Fälle im Team Quarantäne angeordnet - und den Bundesligaspielplan so ordentlich durcheinandergewürfelt hatte.

Der Schulterschluss soll ruhig als Zeichen an die Konkurrenz in Bielefeld, Köln, Bremen oder Augsburg verstanden werden: Wir Berliner halten zusammen. "Unsere Leistung hat gezeigt, dass noch nicht alles richtig rund läuft, aber dass wir als Team kämpfen", sagte Weltmeister Sami Khedira.

Der Pragmatiker Dardai hat eine Mathematik-Rechnung wie aus der Grundschule für den Klassenerhalt aufgemacht. Der Dreierblock an Nachholspielen - Mainz, Freiburg, Schalke - ist mit einer Vier-Punkte-Vorgabe versehen. Das erste Lernziel kann also morgen bereits erreicht werden. Mit einem Sieg wären die Berliner bereits punktgleich mit Bremen und Bielefeld - und hätte dann noch das Bonusspiel auf Schalke (12. Mai) in der Hinterhand. Dazu kommen noch Bielefeld und Köln ins Olympiastadion, ehe es am letzten Spieltag nach Hoffenheim geht.

Das alles sind keine unlösbaren Aufgaben, wenn die Belastung auf den Kader sorgsam verteilt wird. Die Perspektiven wirken also durchaus positiv - es sollten nur alle Corona-Tests bitteschön negativ ausfallen. Denn so gut die Überbrückung im Heimtraining gelang, "nach sieben, acht Tagen war es echt mühsam", verriet Schwolow.

© SZ/bek/cca
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