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Corona im Fußball:Bitte geht auf den Balkon!

Pal Dardai

"Ich habe schon gedacht, das Virus gibt's nicht mehr": Kleiner Scherz von Hertha-Trainer Pal Dardai.

(Foto: Soeren Stache/dpa)

Trainer Pal Dardai meldet sich aus der Quarantäne - und hofft, dass die Hertha-Spieler sich fit halten für den schwierigen Liga-Endspurt.

Von Javier Cáceres, Berlin

Pal Dardai, Trainer bei Hertha BSC, ist nicht nur in Quarantäne. Sondern auch, zum wiederholten Mal in diesem Jahr, in einer selbst auferlegten Fastenzeit. Zu Jahresbeginn hatte Dardai seine traditionellen Wochen der Enthaltsamkeit gestartet und bis zu seinem Geburtstag am 16. März auf den Konsum von Alkohol verzichtet. So wie er es jedes Jahr tun. Nun meidet er schon wieder Rebsäfte. Diesmal geht es aber nicht darum, zu entschlacken. "Man muss das Virus ernst nehmen!", sagte Dardai am Montag bei einer virtuellen Medienrunde.

Am Donnerstag war bekannt geworden, dass Dardai sich mit dem Coronavirus infiziert hatte - so wie sein Assistent Admir Hamzagic und Stürmer Dodi Lukébakio. Als Linksverteidiger Marvin Plattenhardt ebenfalls positiv getestet worden war, schickten die Berliner Behörden das gesamte Hertha-Team nebst enger Mitarbeiter bis zum 29. April in die häusliche Quarantäne. Damit waren sie, wie sich am Wochenende herausstellte, noch ganz gut dran. Torwart Rune Jarstein war für ein paar Tage gar im Spital. Und Dardai berichtete am Montag, dass es seine ebenfalls infizierte Ehefrau Monika schwerer erwischt habe als ihn selbst. Er musste Gliederschmerzen überwinden. Und auch die Verblüffung darüber, dass es ihn überhaupt erwischt habe. Im vergangenen Jahr, als er noch Jugendtrainer bei der Hertha war, kam er um eine Infizierung herum, obschon eine Reihe von Spielern aus der Hertha-Nachwuchsakademie positiv getestet worden waren. "Ich habe schon gedacht: Das Virus gibt's nicht mehr", scherzte er.

"Es gibt keine Alibis und keine Ausreden", sagt Dardai

Dardai war überhaupt recht gut gelaunt, vor allem vor dem Hintergrund der Umstände, die für Hertha nicht die angenehmsten sind. Am Wochenende - das Spiel in Mainz war abgesagt - rutschte sie auf den 16. Tabellenplatz ab. Dardai rechnet nun nach eigenen Angaben damit, dass sein Team auch vom 1. FC Köln noch überholt werden wird, ehe es wieder eingreifen darf. Köln liegt am Vorabend der Partie gegen RB Leipzig an diesem Dienstag (18.30 Uhr) nur drei Punkte hinter den Berlinern; am Freitag spielt der "Eff-zeh" in Augsburg. Selbst wenn die Kölner es schaffen sollten, die Hertha zu überrunden - man kann es auch positiv sehen. "Es ist viel besser, von hinten nach vorn zu schwimmen", sagte Dardai. Seine Mannschaft müsse diese zwei Wochen gut überstehen, und dann habe sie "den Schlüssel in unserer Hand". Unter anderem, weil die Abstiegsrivalen aus Bielefeld und Köln noch nach Berlin reisen müssen.

Auf diese Spiele - und die anderen vier Partien des Saisonendspurts - bereitet sich das Team auf Laufbändern und Spinning-Rädern sowie vor Bildschirmen vor. Das sei alles "richtig anstrengend", seine Mannschaft absolviere das Ferntraining überaus professionell und mit Hingabe. Aber: Es ist alles andere als ein geregeltes Fußballtraining. Der eine oder andere Fußballer könne immerhin im Garten gegen den Ball treten, eine Reihe von Profis bewohnen aber Etagenwohnungen, wo sie allenfalls auf den Balkon dürfen. Und sollen, wie Dardai sagte, gern auch für eine Stunde mit einem Buch, um an der frischen Luft Intellekt und Abwehrkräfte zu stärken. Er selbst vermisst das Joggen und Fahrradfahren, den Besuch im nahen Blumen- und Pflanzenladen. Dafür freute er sich über fürsorgliche Nachbarn, die ihn logistisch unterstützen. Und vielleicht auch darüber hinwegtrösten, dass er sich vom Gedanken an eine eingespielte Stammelf verabschieden muss. Allein schon um Verletzungen vorzubeugen, müsse er viel rotieren. "Wir müssen schlau sein", sagte Dardai, betonte aber vor allem dies: "Es gibt keine Alibis und keine Ausreden."

© SZ/cca
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