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Henrikh Mkhitaryan zum BVB:Der verwegenste Transfer

Borussia Dortmund in talks to sign Shakhtar's Henrikh Mkhitaryan

Erst Gegner, jetzt Mitspieler: Henrikh Mkhitaryan wechselt zum BVB und wird wohl mit Robert Lewandowski von nun an zusammenspielen.

(Foto: dpa)

Drei Oligarchen, ein rabiater Berater und eine Mutter mit Einfluss: Um den Armenier Henrikh Mkhitaryan für etwa 25 Millionen Euro zu Borussia Dortmund zu holen, müssen die Vertreter des Vereins mit zwielichtigen Figuren verhandeln. Für den Spieler könnte der Wechsel ein Akt der Befreiung sein.

Als am Freitagabend um Viertel nach zehn Borussia Dortmunds Manager Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc am Flughafen in Paderborn landeten, war in der Heimat bereits Vollzug gemeldet: Dortmunds Chefs, so waren sich mehrere Zeitungen und die Nachrichtenagentur dpa einig, hätten von ihrem spontanen Trip nach Donezk/Ukraine eine Vereinbarung mitgebracht: Henrikh Mkhitaryan, umworbener armenischer Mittelfeld- Regisseur von Schachtjor Donezk, wechsle für 25 Millionen Euro Ablösesumme zum BVB. Seither aber schweigen Watzke und Zorc, denn bei einem der verwegensten Transfers der Bundesliga-Geschichte spielen mindestens drei milliardenschwere Oligarchen mit, zudem der nach herrschender Meinung rabiateste Spielerberater der Welt - und die Mutter des Spielers.

Immerhin soll die nackte Meldung stimmen, Watzke und Zorc hätten sich mit Donezk auf eine Transfersumme von 25 Millionen Euro geeinigt. Schachtjor-Geschäftsführer Sergej Palkin soll allerdings schon am Samstag einem russischen Onlinedienst gesagt haben, es sei noch nichts vereinbart. Überraschend ist das nicht angesichts der letzten Tage vor dem Donezk-Trip der beiden Dortmunder.

Palkin, der die Geschäfte für den mächtigen Schachtjor-Eigentümer Rinat Achmetow führt, hatte in der vergangenen Woche merkwürdige Details ausgebreitet: Dortmund habe 23 Millionen Euro oder auch 30 Millionen US-Dollar geboten, Donezk fordere aber 30 Millionen - und zwar Euro. Allerdings, ließ Palkin kryptisch wissen, habe Mkhitaryan zwar keine reguläre Ausstiegsklausel aus seinem bis 2015 laufenden Kontrakt, er könne aber seinen "Vertrag einseitig brechen", gegen eine Konventionalstrafe in Höhe von 30 Millionen US-Dollar.

Wem das alles seltsam vorkommt, der muss ein paar Hintergründe mehr kennen. Schon Ende Juni hatte Ruben Hayrapetyan, Multi-Milliardär und Lenker eines Firmen-Imperiums, bis letztes Jahr Parlamentsabgeordneter und nebenbei Präsident des armenischen Fußballverbands, in einem Interview mit dem armenischen Dienst Armsport erklärt, dass die Transferrechte an Mkhitaryan nur zur Hälfte bei Schachtjor Donezk lägen, zu je einem Viertel jedoch bei dessen vorherigen Klubs, Metalurg Donezk und Pyunik Eriwan. Eigentümer des FC Pyunik ist: Hayrapetyan selbst. In Armenien ist Hayrapetyan im vorigen Jahr übrigens unter anderem dadurch in die Schlagzeilen gekommen, weil einer seiner Leibwächter einen bekannten Oppositionellen in einem öffentlichen Restaurant totgeschlagen hat und deshalb demnächst vor Gericht steht.

Im Hintergrund hatte sich in Armenien das Gezerre um die lockenden Ablöse-Millionen aus dem sich anbahnenden Transfer Mkhitaryans schon länger aufgebaut. Der 24-Jährige hatte sich deshalb im Juni nach Wien abgesetzt und seinem Klub Schachtjor bereits angekündigt, dass er nicht mehr zurückkehren werde und in jedem Fall in den "Westen" wechseln werde. Offenbar hatten Schachtjor-Chef Rinat Achmetow (dessen Privatvermögen von Forbes auf 16,5 Milliarden Euro geschätzt wird), Metalurg-Chef Sergej Taruta (ebenfalls Eigentümer eines post-sowjetischen Industrie-Konglomerats) und der Armenier Hayrapetyan einen Wechsel zum ebenfalls Oligarchen-geführten russischen Klub Anschi Machatschkala bevorzugt. Anschi soll bereits im Mai 35 Millionen Euro für Mkhitaryan geboten haben.

Doch um sich den teils mafiaähnlichen Strukturen der ukrainischen, russischen und armenischen Klubs zu entziehen, soll sich Mkhitaryan - sozusagen als schärfste Waffe - im Mai 2013 die Dienste des schillernden italienischen Spielerberaters Mino Raiola gesichert haben. Wenn einem in der Beraterbranche nachgesagt wird, dass er mit allen Wassern gewaschen ist, dann ist das Raiola. Derzeit betreut Raiola, der in Holland aufwuchs und jetzt in Monte Carlo residiert, unter anderem Zlatan Ibrahimovic und Mario Balotelli.

Mkhitaryans Mutter schaltet sich ein

Reich geworden ist Raiola unter anderem mit seinem Klienten Pavel Nedved. Raiola war eine zentrale Figur im großen italienischen Fußball-Skandal von 2006, bei dem der langjährige Pate von Juventus Turin, Luciano Moggi, aufflog. Abgehörte Telefonate zwischen Raiola und Moggi offenbarten damals die Abgründe der Methoden des Beraters. In italienischen Zeitungen wie Republicca wird Raiola als "eine der gefährlichsten Figuren des Fußballs" bezeichnet.

Seither ist Raiola bei Juventus Turin zur unerwünschten Person erklärt. Das könnte der Grund sein, warum Juventus, das in den letzten Tagen angeblich bei Donezk ins Wettbieten um Mkhitaryan eingestiegen war, keine Chance hatte. Der wichtigste Grund, warum Dortmund wohl dennoch an Konkurrenten wie Liverpool und Tottenham vorbeiziehen kann, ist die mit dem Standort Deutschland und dem BVB verbundene Seriosität und Sicherheit. Der Wechsel in den Westen dürfte ein Akt der Befreiung sein.

Mkhitaryans Mutter, Marina Tashchyan, ist pikanterweise in Armeniens Fußball-Verband die verantwortliche Direktorin für die Nationalmannschaft. Sie soll ihren Einfluss auf den Verbandschef Hayrapetyan geltend gemacht haben, dem Transfer ihres Sohnes keine weiteren Steine in den Weg zu legen. Henrikhs jüngere Schwester Monika ist zudem Assistentin des Uefa-Chefs Michel Platini und dafür in die Schweiz ausgewandert. Sowohl Henrikh (gerufen "Heno") als auch Monika sind rund sieben Jahre lang in Frankreich aufgewachsen, weil Mkhitaryans Vater Hamlet dort Profi beim Zweitligisten AS Valence war. Hamlet Mkhitaryan starb dort mit nur 33 Jahren an einem Hirntumor.

Angesichts der verworrenen Lage, mit Oligarchen und Gaunern im Spiel, dürften Borussia Dortmunds Chefs Watzke und Zorc stolz sein, wenn sie den nicht minder verworrenen Transfer tatsächlich gedeichselt bekämen. Es wäre der vermutlich schwierigste Transfer, den je ein deutscher Klub gewagt hat. Mehrere Medien vermuten, dass Raiola und Mkhitaryan spätestens am Montag zu Verhandlungen mit dem BVB aufkreuzen. Ende offen.

© SZ vom 08.07.2013
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