Handball-EM:Corona als Faktor X

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Handball-EM: Erst Führender in der EM-Torschützenliste, dann Corona-infiziert: Der Niederländer Kay Smits (oranges Trikot).

Erst Führender in der EM-Torschützenliste, dann Corona-infiziert: Der Niederländer Kay Smits (oranges Trikot).

(Foto: Bernadett Szabo/Reuters)

Dänemark hat mit einem klaren Sieg gegen die Corona-gebeutelte Überraschungsmannschaft der Niederlande als erste Nation das Halbfinale erreicht. Mittlerweile fehlen in der Hauptrunde 51 Profis mit positivem Corona-Befund, die Zahl wird weiter steigen.

Von Ralf Tögel

Dass die niederländische Handball-Nationalmannschaft gegen Weltmeister Dänemark verloren und damit vor dem letzten Hauptrundenspiel das Halbfinale verpasst hat, wird in der Fachwelt niemanden wundern. Überraschend war vielmehr, wie stark sich die Niederländer bis dahin im Feld der europäischen Elite präsentiert haben. Vor allem die Ungarn wissen davon zu berichten, gleich im ersten Turnierspiel düpierte die Niederlande den hoch eingeschätzten Gastgeber. Besonders die Leistungen des nur 1,72 Meter großen Spielmachers Luc Steins, der im November beim französischen Topklub Paris Saint-Germain unterschrieben hatte, sowie des Magdeburger Linkshänders Kay Smits, der mit 1,85 Metern ebenfalls kein Gardemaß auf der rechten Rückraumposition vorweisen kann, trugen die Niederländer als Gruppenzweiten vor Ungarn und den ebenfalls höher eingeschätzten Portugiesen in die Hauptrunde. Dann aber schlug Corona zu, im Match gegen die Dänen musste Oranje auf elf Spieler sowie Cheftrainer Erlingur Richardsson verzichten.

Vor allem Toptorschütze Smits, der bis zu seiner Infektion sogar die EM-Torschützenliste angeführt hatte, war nicht zu ersetzen. Der Weltmeister muss in Rechtsaußen Hans Lindberg bislang nur auf einen Akteur verzichten, der 40-jährige Routinier von den Füchsen Berlin war zudem nur Nachrücker für den verletzten Johan Hansen, der mittlerweile wieder fit ist. Zur Halbzeit war das Spiel entschieden, Dänemark führte 21:12, Trainer Nikolaj Jacobsen konnte in der zweiten Hälfte bereits für das Halbfinale testen. Denn die Dänen stehen nach dem klaren 35:23-Sieg als erste Mannschaft unter den letzten Vier und sind spätestens jetzt als Topfavorit auf den Titel anzusehen.

Frankreich hat sich von dem Ausfall von Trainer Gille und Spielmacher Mahe erholt und deklassiert Montenegro

Auch die Franzosen haben sich von dem Schrecken der Niederlage gegen die Isländer erholt und Montenegro mit 36:27 aus dem Turnier befördert. Das Team hat nun offenbar die Abwesenheit von Trainer Guillaume Gille und Spielmacher Kentin Mahe kompensiert, was gegen die Isländer nicht gelungen war. Auch die Nordeuropäer haben noch eine Chance auf das Halbfinale, wenn die Franzosen ihr letztes Hauptrundenspiel gegen Dänemark am Mittwoch verlieren. Island hat zwar zwei Punkte weniger als der Olympiasieger, gilt aber gegen Montenegro als Favorit und hätte im direkten Vergleich mit Frankreich den Vorteil.

Sofern das Coronavirus nicht wieder die Regie übernimmt, mittlerweile sind allein 51 Spieler der noch im Wettbewerb verbliebenen Mannschaften positiv getestet worden, wie das Fachmagazin Handball World zusammengezählt hat. Es steht zu befürchten, dass diese Zahl weiter steigen wird, zählt man die bereits ausgeschiedenen Teams hinzu, ist schon längst die 100er-Marke übertroffen. In diesem Ranking des Schreckens nimmt die deutsche Auswahl vor ihrem letzten Spiel gegen Russland (bei Redaktionsschluss nicht beendet, d. Red.) mit aktuell 14 infizierten Spielern den ersten Platz ein, es folgen die Niederlande mit elf, Kroatien mit acht und Island mit sieben Fällen. Paul Drux, einer der verbliebenen 14 nicht betroffenen Akteuren im deutschen Kader, hat den Einfluss der Omikron-Variante als "X-Faktor" bezeichnet. Seine erkrankten 14 Teamkollegen sind im Übrigen bereits zu Hause, oder auf dem Weg dahin - mittels speziellem Krankentransport.

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