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Hamit Altintop im Gespräch:Hamit Altintop über Mesut Özil

SZ: Weil es Ihrer Ansicht nach kein Beitrag zur Integration ist, wenn man eine reine Business-Entscheidung trifft?

Bundestrainer Löw mit Mesut Özil

Mesut Özil und Joachim Löw: Anders als Altintop entschied sich Özil, für die deutsche Elf zu spielen.

(Foto: dpa)

Altintop: Es heißt doch "Länder"-Spiel, man hört die Hymne, und da spielt man doch für das Land, dem man sich zugehörig fühlt. Ich bin Deutschland sehr, sehr dankbar, ich habe hier sehr viel gelernt und sehr viele Chancen bekommen. Aber meine Mama kommt aus der Türkei, mein Vater kommt aus der Türkei, ich bin Türke.

SZ: Können Sie sagen, was an Ihnen türkisch ist und was deutsch?

Altintop: Zunächst mal glaube ich, dass wir heutzutage alle Europäer sind, und unsere gemeinsame Sprache ist - in Anführungszeichen - europäisch. Und innerhalb dieses Gesamteuropas hat dann jeder seine eigene Welt - die ist bei mir eben türkisch. Wenn ich bei meiner Mama bin, dann bin ich drin in dieser Kultur: wie man empfangen wird, wie man verabschiedet wird, wie man isst und trinkt. Meine Mama hat 24 Stunden am Tag Tee aufgesetzt. Und ich glaube, dass ich auch emotional ein Südländer bin: Ich kann mich noch erinnern, wie ich bei Schalke unter Herrn Rangnick das erste Mal nicht von Anfang an gespielt habe. Ich konnte das nicht einfach einordnen. Ich hatte ein Problem damit, weil ich es persönlich genommen habe. Irgendwann habe ich dann begriffen: Hey, es gibt hier mehrere Spieler, es gibt hier auch Taktik, das hat alles nichts mit dir zu tun.

SZ: Für Sie ist Ihr Land also weniger mit Politik oder Geographie verbunden, sondern mehr mit Familie und einem bestimmten Lebensgefühl.

Altintop: Genau so ist es. Ich bin so aufgewachsen, so erzogen worden, ich kann nicht einfach wechseln. Da unterscheiden sich das Private und das Business.

SZ: Kennt Mesut Özil Ihre Meinung?

Altintop: Ja, aber das ändert nichts zwischen uns. Ich mag Mesut immer noch sehr gerne. Ich werde nie vergessen, wie er als 16-Jähriger zum ersten Mal bei uns auf Schalke mittrainiert hat, seitdem mögen wir uns, er ist immer noch sehr angenehm, immer noch lustig. Er ist nicht nur ein Freund, er ist wie ein Bruder.

SZ: Schon eine seltsame Situation: Sie sind beide Schalker Jungs...

Altintop: ... ich kenne übrigens auch den "Affenkäfig", diesen Bolzplatz, auf dem Mesut als Junge immer gekickt hat. Der wurde ja während der WM immer gezeigt. Ich hab' da auch schon gebolzt.

SZ: Und jetzt spielen die beiden türkischen Jungs aus dem Affenkäfig für unterschiedliche Länder.

Altintop: Ich bin ein toleranter Mensch und respektiere Mesuts Weg, aber unterstützen kann ich ihn nicht.

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