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Lewis Hamilton in der Formel 1:Außen gepanzert, innen verletzlich

F1 Grand Prix of Great Britain - Previews

Im Fokus: Lewis Hamilton auf der Rennstrecke in Silverstone

(Foto: Getty Images)
  • Das Formel-1-Rennen in Silverstone hat nur eine Zukunft, wenn Lewis Hamilton weiter konstant gute Leistungen bringt und den nötigen Glamour liefert.
  • Der britische Fahrer zeigt sich zuletzt verletzlich und spricht von Momenten, in denen er unsicher sei.

Helden, nichts als Helden. Es fällt den Machern des Programmheftes zum Großen Preis von Großbritannien nicht schwer, 166 Hochglanz-Seiten zu füllen. Wenn es mal nicht um die zehn Weltmeister von der Insel geht, oder um die 14 Lokalmatadoren, die in Silverstone gewonnen haben, dann um Lewis Hamilton, der in beiden Kategorien fünfmal siegte. Und wenn auch der fürs Erste auserzählt ist, dann wird der Nationalstolz über James Bond und dessen Sportwagen befriedigt.

Auch die Anzeigenkunden geben sich durchgängig very british , beworben wird beispielsweise der Pinsel, mit dem die McLaren-Rennwagen in Orange getaucht werden. Alles mit dem Segen von Prinz Michael von Kent, der als Schirmherr der britischen Motorsportherrlichkeit fungiert und somit nun auch die Verlängerung der Rennen in Silverstone anpreist. Neun Milliarden Pfund spiele der Sport im Jahr ein - dagegen wirken die angeblich 20 Millionen Pfund, die bis 2024 jährlich für das Austragungsrecht zu überweisen sind, doch leicht zu berappen. Doch das täuscht, die Veranstalter bleiben im florierenden Renngeschäft häufig die Verlierer. Immerhin, beim 70. Jubiläum der Königsklasse ist man nun sicher dabei. Und sollte Konkurrent London ein Straßenrennen veranstalten, dann nur in zeitlichem Abstand zum Traditionsrennen in Silverstone.

Tradition, Publikum und ein Magnet

Liberty Media, der Eigentümer der Formel-1-Rechte, kommt aus Hollywood, was das Gegenteil von Silverstone darstellt, einer Strecke, die um einen ehemaligen Weltkriegsflugplatz herumführt. Hier fasziniert ein altes, gewachsenes Milieu. Deutlich wird, warum Liberty sich mit US-amerikanischen Methoden schwertut, Motorsport-Fantasien zu verkaufen. Selbst in Miami ließen sich die Träume nicht verwirklichen, nun soll Hanoi in Vietnam das erste neue Rennen im Kalender sein. Zudem wird die Rückkehr des Großen Preises der Niederlande im Mai 2020 als "Neuanfang" verkauft. Aber auch hier werden die Traditionalisten des Sports bei Laune gehalten, die immer mehr Rennen in die Hände von Despoten fallen sahen, während die echten Fahrerstrecken verschwanden.

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Motorsport

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Zutritt zur Formel 1 hat, wer zahlt. Aber den Traditionsstandort vor der Tür stehen zu lassen, das können sich die Eigner der kriselnden Rennserie nicht leisten.   Kommentar von Philipp Schneider

In Zandvoort wie in Silverstone bestätigt sich die Weisheit, dass erfolgreiche einheimische Piloten die besten Geschichten ergeben, der Glamour der Formel 1 nur den nötigen Rahmen gibt. Der Wirbel um Max Verstappen in den Niederlanden erinnert an den um Michael Schumacher in Deutschland vor 20 Jahren. Oder an den um Hamilton in Silverstone: Die Zahl der Zuschauer übersteigt die sechsstellige Grenze.

Hamilton wird immer beliebter, obwohl er sich im vergangenen Jahr Ärger mit seiner Heimatgemeinde Stevenage im Londoner Norden einhandelte. Die Vorstädter sahen ihren Ort als Slum verunglimpft, weshalb der Rennfahrer zwar weiterhin über seine Herkunft aus einfachsten Verhältnissen spricht, jedoch nicht mehr dramatisiert. Weiterhin bedankt er sich aber nach jedem Rennen auf dem Podium überschwänglich beim Publikum, selbst wenn ihn die Ferraristi auspfeifen. Der Brite bietet derzeit die beste Show, er besitzt zudem schauspielerische Talente - ist also eine Idealbesetzung für die Branche.