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Führung im Klub:Beim HSV nörgelt im Hintergrund der Milliardär

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Von nun an getrennt: Peter Knäbel (links) muss gehen, Dietmar Beiersdorfer bleibt beim HSV.

(Foto: imago)
  • Klubchef Dietmar Beiersdorfer steigt beim Hamburger SV zum Alleinherrscher auf.
  • Damit setzt Geldgeber Klaus Kühne ein eindeutiges Signal, nachdem Sportchef Knäbel gehen muss.

Von Jörg Marwedel, Hamburg

Ob es ein Fortschritt für den Hamburger SV ist, erstmals seit drei Jahren ohne Relegationsspiele in der Bundesliga zu bleiben, wird derzeit in Hamburg kontrovers diskutiert. Die Bilanz, die Klubchef Dietmar Beiersdorfer am Dienstag gezogen hat, lautete einerseits "Ja": Man habe, seit er im Sommer 2014 Vorsitzender der neuen "HSV Fußball AG" wurde, die verloren gegangene "Bundesliga-Wettbewerbsfähigkeit" wiederhergestellt, mit dem Bau des Nachwuchsleistungszentrums "Campus" begonnen und trotz Verbindlichkeiten von 90 Millionen Euro eine "vernünftige Finanzierungsstruktur" geschaffen.

Andererseits hatte er die Medien eingeladen, um mitzuteilen, was weniger gut gelaufen ist. Beiersdorfer erklärte, weshalb er am Montagabend den Direktor Profifußball, Peter Knäbel, entlassen hat.

Wer hat den besseren Job als Einkäufer gemacht?

Selten hat man den HSV-Vorsitzenden dabei so energisch erlebt. Gegen die Enttäuschung im Umfeld wehrte er sich, indem er fast die Hand zur Faust ballte und entgegnete: "Das sehe ich nicht so." Die Entscheidung, sich vom Sportmanager zu trennen, habe er "mit Blick auf die Zukunft getroffen". Dinge zu hinterfragen und gegebenenfalls zu korrigieren, sei sein Job.

Es habe sich in den vergangenen Monaten gezeigt, dass die sportliche Entwicklung stagniere und man unterschiedliche Auffassungen darüber habe, mit welchen Spielern man die Mannschaft verbessern könne. Das betreffe nicht nur Kaderplanung, sondern auch Scouting und Teammanagement. Deshalb sei die Personalie vor der beginnenden Transferperiode "konsequent".

Noch überraschender war indes, dass Beiersdorfer sich selbst als Knäbels Nachfolger ausgesucht hat, womit er jetzt also eine Art Alleinherrscher beim HSV ist. Das vom NDR in Umlauf gesetzte Gerücht, Schalkes scheidender Manager Horst Heldt werde das Amt übernehmen, dementierte der HSV-Chef: Er möge Heldt zwar, aber es habe keine Gespräche mit anderen Sportdirektoren gegeben. Und als nachgefragt wurde, ob seine Rückkehr auf den Posten als Sportchef (den er beim HSV schon von 2003 bis 2009 innehatte) und seine Funktion als Vorsitzender eine Dauerlösung sei, antwortete er: "Ja." Vielleicht ist diese Lösung auch Beiersdorfers "letzte Patrone", wie die Morgenpost glaubt.

Im Hintergrund nörgelte Haupt-Geldgeber Klaus-Michael Kühne schon seit Langem über den mühseligen Prozess der Erneuerung. Zwar sagt Beiersdorfer, er habe mit Kühne zuletzt vor einigen Wochen im Zuge des regelmäßigen Austauschs gesprochen und ihn vor dieser Personalie nicht konsultiert. Doch auch der Aufsichtsrat mit dem Kühne-Vertrauten Karl Gernandt an der Spitze hat die Saison und die Kaderplanung trotz des Klassenverbleibs als "nicht zufriedenstellend" empfunden. Das Gremium macht seit Längerem Stimmung gegen Knäbel. Das war ja auch nicht schwierig.

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