bedeckt München 15°

Halbfinale der Champions League:Mit der Aussicht auf Schrammen und Geschrei

Beim jüngsten Duell von Madrid und München gelangen Cristiano Ronaldo (re.) drei Tore - hier im ungleichen Zweikampf mit Philipp Lahm.

(Foto: Curto de la Torre/AFP)
  • Die Bayern haben eine Rechnung mit Real Madrid offen, seit dem Viertelfinale der Saison 2016/17 - nun treffen sie im Halbfinale der Champions League wieder aufeinander.
  • Die Duelle zwischen Real Madrid und dem FC Bayern sind längst zum europäischen Clásico mutiert, in der Geschichte der europäischen Wettbewerbe hat es keine Begegnung häufiger gegeben (inklusive Gruppenphase 24 Mal).
  • Für Gesprächsstoff dürfte unter anderem Robert Lewandowski sorgen, um ihn ranken sich immer wieder Gerüchte, er könnte in Madrid anheuern.

Von Javier Cáceres

Der Protagonist der letzten Schlacht war einer der ersten, der reagierte, als der einstige Weltklasse-Stürmer Andrij Schewtschenko das Los für ein neues Champions-League-Duell zwischen dem FC Bayern und Real Madrid zog. "Diesmal aber, carajo!", zwitscherte Bayerns chilenischer Mittelfeldspieler Arturo Vidal, und garnierte seinen Tweet mit Fäusten und angespannten Oberarmen.

Es war die Erinnerung daran, dass die Bayern eine Rechnung mit Real offen haben, seit dem Viertelfinale der Saison 2016/17. Damals verlor der FC Bayern das Rückspiel mit 2:4, nachdem man nach der 1:2-Niederlage aus dem Hinspiel eine Verlängerung erzwungen hatte. Es war ein Spiel, das bei den Bayern die Zornader schwellen ließ: Vidal war im Rückspiel vom Platz geflogen, obwohl er ausnahmsweise den Ball gespielt hatte, zwei Treffern der Madrilenen waren Abseitssituationen vorausgegangen. Stunden später verlor Bayerns Boss Karlheinz Rummenigge die Contenance. "Ich habe heute erstmals so etwas wie wahnsinnige Wut in mir. Wut, weil wir beschissen wurden", sprach Rummenigge ins Mikrofon.

Es sind solche Geschichten, die in den kommenden zehn Tagen noch einmal aufgewärmt werden. Unweigerlich. Die Duelle zwischen Real Madrid und dem FC Bayern sind längst zum europäischen Clásico mutiert, in der Geschichte der europäischen Wettbewerbe hat es keine Begegnung häufiger gegeben (inklusive Gruppenphase 24 Mal) als das Aufeinandertreffen zwischen Spaniens und Deutschlands Rekordmeister. Nicht ohne Grund sagte Real Madrids Präsident Florentino Pérez am Dienstag in einem Interview mit der italienischen Gazzetta dello Sport voraus, sein Verein werde im Halbfinale auf die Bayern treffen. "Wie immer."

Salihamidzic schaffte es einst auf die Titelseiten

Und immer gab es Schrammen und Geschrei. Auch Bayerns Sportdirektor Hasan Salihamidzic, der Real nach der Auslosung als "Topgegner mit ganz großer Qualität" umschmeichelte, trug einst dazu bei. 2002 diktierte er den Reportern in die Blöcke, dass die Madrilenen sich in die Hosen machen würden. Er schaffte es damit auf die Titelseiten der Sportzeitungen, die sich in den anderen Tagen auch mit anderen Erinnerungen füllen werden. Mit den vier Duellen, die Madrids Champions-League-Siegen von 2000, 2002, 2014 und 2017 vorausgingen. Aber auch mit den Hörnern, die Klaus Augenthaler dem Publikum im Estadio Santiago Bernabéu zeigte, mit der F...k-you-Geste von Mark van Bommel, mit dem Tritt des (inzwischen verstorbenen) Juanito auf den Kopf von Lothar Matthäus im Olympiastadion, mit der höchsten Niederlage der Real- Geschichte (1:9 in einem Testspiel von 1980) oder dem 4:0-Sieg Madrids gegen den FC Bayern von Pep Guardiola.

Champions League, Auslosung des Halbfinals

Dienstag, 24. April (Rückspiel: 2. Mai) FC Liverpool - AS Rom 20.45

Mittwoch, 25. April (Rückspiel: 1. Mai) Bayern München - Real Madrid 20.45

Finale am 26. Mai in Kiew.

Bayern-Trainer Heynckes wiederum, der Real Madrid zum Championes-League-Titel von 1998 führte und damit die moderne Ära des Klubs begründete, erinnerte sich an das Halbfinale von 2012, als die Bayern Real Madrid auf dem Weg ins - dann gegen den FC Chelsea verlorene - Finale dahoam besiegten. Damals kamen die Bayern im Elfmeterschießen weiter - weil Sergio Ramos seinen Strafstoß in den Madrider Nachthimmel jagte.

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite