Rücktritt des DFB-Präsidenten Der Skandal ist Grindels Maßlosigkeit

Peinlich war der DFB-Präsident schon lange. Die neuesten Vorwürfe gegen ihn wiegen aber schwerer - deshalb muss er zurücktreten.

Kommentar von Claudio Catuogno

Wenn es wirklich eine Luxusuhr war, die Reinhard Grindel jetzt sein Amt als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes gekostet hat, dann war das in jedem Fall die teuerste Uhr seines Lebens. Die Uhr hat dann nämlich verhindert, dass Grindel im Ehrenamt zum Multimillionär werden konnte, wie es eigentlich sein Plan war. Das ist ja das Bizarre an dem Chefposten im deutschen Fußball: Relativ schnell rückt man als DFB-Präsident auch in die Führungsgremien des Europa-Verbandes Uefa und des Weltverbandes Fifa ein.

Und da wird eine überschaubare Anzahl von Sitzungen, in denen man eh am besten den Mund hält, mit zusammengerechnet einer halben Million Euro vergütet. Plus die rund 170 000 Euro Jahresgage vom DFB, zur Hälfte "Aufwandsentschädigung", zur Hälfte "Verdienstausfall".

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DFB-Präsident Grindel tritt zurück

Der Druck wurde zu groß, jetzt ist es offiziell: Reinhard Grindel legt sein Amt als DFB-Präsident nieder - in einem Statement äußert er sich zur geschenkten Luxusuhr.   Von Claudio Catuogno und Thomas Kistner

Muss man sich da auch noch von einem schlecht beleumundeten ukrainischen Uefa-Kollegen eine Uhr schenken lassen?

Ein DFB-Präsident repräsentiert auch Hunderttausende Ehrenamtliche

Es gab längst eine Menge gute Gründe, warum der ehemalige ZDF-Journalist und CDU-Bundestagsabgeordnete Reinhard Grindel als DFB-Präsident nicht mehr tragbar war. In der DFB-Zentrale beklagten sie seinen cholerischen Führungsstil und seine Geltungssucht, die Vorstandskollegen hatten die Nase voll von seinen Alleingängen - und seine Moderation der Mesut-Özil-Affäre im vergangenen Sommer war sowieso ein Fiasko. Zuletzt schaffte es Grindel fast mit jeder öffentlichen Klarstellung, so viele neue Fragen aufzuwerfen, dass es einer neuerlichen Klarstellung bedurfte, die dann wiederum zu Unklarheiten führte. Peinlich war das schon lange. Aber es traf den DFB nicht im Kern.

Nun ging es darum, ob Grindel sogar einen Beschluss des eigenen Präsidiums ignorierte, als er sich - zusätzlich zu den oben genannten Summen - zu Beginn seiner Amtszeit weitere 6000 Euro monatlich für ein Aufsichtsratsamt bei einer DFB-Tochter auszahlen ließ. Der Spiegel hatte darüber am Wochenende berichtet. Und es geht um eine Uhr, offenbar ebenfalls 6000 Euro wert, die Grindel von Grigori Surkis geschenkt bekam, einem Oligarchen und Skandalfunktionär aus der Ukraine.

Peinlich darf ein DFB-Präsident zur Not sein. Maßlosigkeit ist dagegen schon ein Problem. Grindel repräsentierte auch die Hunderttausenden Ehrenamtlichen, die - wirklich ohne jede Aufwandsentschädigung - Woche für Woche ihren Dienst in den Fußballklubs tun. Das war der Kern des Skandals.

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DFB-Präsident Reinhard Grindel ist zurückgetreten. Er stand wegen intransparenter Zahlungen in der Kritik. Hinzu kam eine Vergütungs-Aufstockung um 6000 Euro, die gegen einen Beschluss des eigenen DFB-Präsidiums verstoßen haben soll.