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Fußball:DFB-Präsident Grindel tritt zurück

  • DFB-Präsident Reinhard Grindel legt sein Amt nieder - dies bestätigt der Verband in einer Mitteilung.
  • Zuletzt reihte Grindel als Präsident diverse Verfehlungen aneinander.
  • Zum Verhängnis wurde ihm unter anderem eine geschenkte Luxusuhr.

Versteckte Zusatzzahlungen und eine geschenkte Luxusuhr: DFB-Präsident Reinhard Grindel, 57, zieht die Konsequenzen aus den jüngsten Skandalen und tritt mit sofortiger Wirkung von seinem Amt zurück. Das bestätigte der Deutsche Fußball-Bund in einer Mitteilung. Zuvor hatte unter anderem die Süddeutsche Zeitung darüber berichtet.

Im Statement heißt es: "Bis zum Bundestag des DFB im kommenden September werden die beiden 1. Vizepräsidenten Dr. Rainer Koch und Dr. Reinhard Rauball die Führung des Verbandes interimsmäßig übernehmen." Seine internationalen Ämter im Fifa-Council und Uefa-Exekutivkomitee, in die er persönlich gewählt worden sei, werde er "in enger Abstimmung" mit dem DFB aber fortführen.

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"Mit Respekt und Verständnis nehme ich den Rücktritt von Reinhard Grindel zur Kenntnis", wurde Rauball in der Mitteilung des DFB zitiert: "Der Druck auf seine Person ist in den vergangenen Wochen auf unterschiedlichen Ebenen permanent gestiegen. Es ist daher im Sinne des deutschen Fußballs und seiner Handlungsfähigkeit, den Weg für einen personellen, aber auch strukturellen Neuanfang innerhalb des DFB freizumachen."

Eine unverzollte Luxusuhr zum Geburtstag

Am Freitag hatte der Spiegel berichtet, dass Grindel zu Beginn seiner Amtszeit als Aufsichtsrats-Chef einer DFB-Tochterfirma 78.000 Euro zusätzlich kassiert haben soll. Damit hat er offenbar sogar gegen einen Beschluss des eigenen Präsidiums verstoßen. Den Ausschlag gegeben haben dürfte aber letztlich eine Luxus-Uhr, die Grindel von einem ukrainischen Skandalfunktionär zum Geburtstag bekam. Hierüber hatte zuerst die Bild berichtet. Bei dem Geschenk steht die Frage im Raum, ob Grindel sie unverzollt eingeführt hat.

Grindel äußerte sich in einem Statement am Dienstag: "Ich entschuldige mich dafür, dass ich durch mein wenig vorbildliches Handeln in Zusammenhang mit der Annahme einer Uhr Vorurteile gegenüber haupt- oder ehrenamtlich Tätigen im Fußball bestätigt habe." Er wisse erst seit dem Wochenende, dass die Uhr 6000 Euro wert sei. Am Montag habe er sich deshalb an den Compliance-Beauftragten gewandt. Grindel erklärte: "Für mich war dies ein reines Privatgeschenk, ohne jeden Bezug zum ukrainischen Verband oder gar einem Wirtschaftsunternehmen. Es war für mich ein Gebot der Höflichkeit, dieses Geschenk anzunehmen."

Er sei "mit der Annahme des Geschenks offen umgegangen", habe die Marke der Uhr nicht gekannt und "keine Vorstellung von ihrem Wert" gehabt. Er werde sich nun an die Compliance-Beauftragten von Fifa und Uefa wenden und "den Vorgang der Zollverwaltung melden". Weiter hieß es: "Sie können mir glauben, dass ich seit dem Wochenende fassungslos bin über den Fehler, der mir da unterlaufen ist." Die Uhr werde er "so schnell wie möglich" zurückgeben. Abschließend erklärte Grindel: "Dass ich wegen eines solchen Vorgangs öffentlich so dastehe, macht mich fassungslos und traurig, und ich bitte einfach um eine faire Beurteilung meiner am Ende leider nur dreijährigen Amtszeit."

Der ehemalige ZDF-Journalist und spätere CDU-Bundestagsabgeordnete ist seit April 2016 Präsident des Deutschen Fußball-Bundes. Er folgte auf Wolfgang Niersbach, der im Zuge der Affäre um die WM 2006 zurücktreten musste. Voraussichtlich werden bis zu Neuwahlen im September die beiden Vizepräsidenten Rainer Koch, 60, und Reinhard Rauball, 72, den DFB kommissarisch leiten.

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