Kommentar:Im Golf wird der Machtkampf jetzt persönlich

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Kommentar: Einer der Kläger: Talor Gooch, der für seinen Wechsel zur LIV-Tour 18 Millionen Dollar bekam - aber das reichte ihm nicht.

Einer der Kläger: Talor Gooch, der für seinen Wechsel zur LIV-Tour 18 Millionen Dollar bekam - aber das reichte ihm nicht.

(Foto: Warren Little/AFP)

Elf zur saudi-arabischen LIV-Tour gewechselte Golfer klagen gegen ihren Ausschluss von der PGA Tour. Drei Kläger werden zwar zunächst abgewiesen - doch der Schaden der Auseinandersetzung wird nachhaltig sein.

Kommentar von Felix Haselsteiner

Im Golf ist direkter, körperlicher Kontakt zwischen zwei Gegenspielern unerwünscht, doch so wie sich die US-amerikanische Golftour und die saudi-arabische LIV-Tour in den vergangenen Wochen und Monaten gegenseitig beäugt und bekämpft hatten, erinnerte so manches an das Vorgeplänkel zu einem Boxkampf. Die reichen Saudi-Emporkömmlinge provozierten das Schwergewicht aus den USA damit, der Reihe nach Spieler für viel Geld abzuwerben; die Amerikaner antworteten bürokratisch und schlossen die Spieler, die auf die LIV-Tour wechselten, von ihren Turnieren aus. Die erste Runde gewannen sie nun, aber der Kampf ist längst nicht vorbei.

Elf abtrünnige Saudi-Spieler hatten zuletzt auf 106 Seiten eine Klage eingereicht, mit dem Ziel, auch wieder auf der US-Tour spielen zu können. Einfach erklärt: Sie wollten nicht mehr nur den neuen, großen Kuchen, den die Saudis ihnen spendiert hatten, sondern auch noch den verbliebenen PGA-Tour-Spielern die besten Stücke von dem alten Kuchen wegessen. Im Hauptprozess ist mit einem monatelangen Rechtsstreit und einem Urteil nicht vor September 2023 zu rechnen, drei Spieler waren aber besonders hungrig: Talor Gooch, Hudson Swafford und Matt Jones klagten auf eine einstweilige Verfügung, um bereits in dieser Woche am lukrativen ersten Playoff-Turnier teilnehmen zu dürfen.

Das Gericht in Kalifornien entschied jedoch gegen die Kläger, mit der Begründung, dass der Ausschluss für die drei Spieler keinen "irreparablen Schaden" mit sich bringen würde, wie sie etwas dreist argumentiert hatten. Sie hätten genau gewusst, worauf sie sich einlassen, und überhaupt sei der "Schaden" ausreichend kompensiert, so Richterin Beth Freeman: Gooch etwa bekam mehr 18 Millionen US-Dollar für seinen Wechsel, so viel wie der Sieger der gesamten Playoffs, wohlgemerkt ohne dass er seinen Schläger dafür angerührt hätte.

Der Ton zwischen den Spielern wird rauer

Es sind absurde Zeiten, wenn Richterinnen für Sportarten einen größeren Stellenwert haben als die Sportler selber. Freeman steht nun in einer Reihe mit jemandem wie Tiger Woods als Person, die den Sport geprägt hat - und irgendwo in dieser Reihe stehen auch die LIV 11, die Gruppe der elf abtrünnigen Kläger.

Sie prägen den Golfsport auch nicht (mehr) auf dem Platz, sondern im Gerichtssaal, wo sie gegen das System ankämpfen, das die Karrieren von Hunderten professionellen Golfspielern finanziert. Es sind diese elf Spieler, die mit ihrem 106-seitigen Pamphlet aus dem Kampf zwischen zwei Touren einen Kampf zwischen den Spielern selbst entfachen, der nachhaltigen Schaden anrichten wird. Der Ton jedenfalls wird von Woche zu Woche rauer. Rory McIlroy, das golfspielende Gefühlsbarometer der loyalen PGA-Tour-Spieler, sagte, mit der Klage sei die Sache "persönlich" geworden: "Ich habe ein wenig mehr Respekt vor denen, die diese Klage nicht unterschrieben haben." Aber auch nur ein wenig.

Mit der abgewiesenen Klage hat die PGA Tour erst einmal den Knock-out in der Frühphase des Kampfes vermieden, die große Entscheidung über die Zukunft des Sports wird ohnehin erst im kommenden Jahr folgen. Bis dahin dürfte es weitere Tiefschläge setzen. Die Saudis haben den Vorteil scheinbar unendlicher Ressourcen und wirken daher unbesiegbar wie Ivan Drago in den Rocky-Filmen. Und sie zielen dahin, wo es besonders weh tut: Der Weltranglistenzweite und British-Open-Sieger Cameron Smith hat offenbar ein Angebot über mehr als 140 Millionen US-Dollar Handgeld vorliegen und dürfte demnächst seinen Wechsel auf die LIV-Tour verkünden.

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