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Gladbach vor dem Bayern-Spiel:Demut auf der Baustelle

Die Renaissance des Traditionsklubs Borussia Mönchengladbach hängt vor allem mit ihm zusammen: Trainer Lucien Favre mit seinem Spieler Patrick Herrmann.

(Foto: AP)

Favre, Eberl, Schippers: Ein Trio prägt Mönchengladbachs Aufschwung in der Bundesliga. Die Fans fühlen sich an die legendäre Fohlen-Elf erinnert, doch vor dem Spiel beim FC Bayern bremsen die Verantwortlichen die Euphorie.

Von Ulrich Hartmann, Mönchengladbach

Die Renaissance des Traditionsklubs Borussia Mönchengladbach hat damit begonnen, dass im hinteren Teil des Mannschaftsbusses die Heizung kaputt war. Rainer Bonhof wurde Ende 1998 Trainer beim überschuldeten Abstiegskandidaten, und bei Auswärtsfahrten hatten sich die Spieler im Bus mit Decken wärmen müssen, weil kein Geld für die Reparatur da war. Bonhof schickte den Bus über Nacht eigenmächtig in die Werkstatt. "Das waren Umstände damals - halleluja!", sagt Bonhof heute.

Der 62-Jährige ist inzwischen Vize- Präsident und erzählt Anekdoten aus der depressiven Ära mit subtiler Ironie. Wenn man bei Bonhof erforscht, wie sich dieser Verein heute fühlt, 16 Jahre nach den kalten Busfahrten, den existenzgefährdenden Schulden und dem erstmaligen Abstieg im Mai 1999, dann zeigt er mit dem Finger aus dem Erdgeschoss des Stadions hinaus in den Nordpark, in dem viel gebaut wird: "Man braucht bloß rauszuschauen - hier entsteht gerade etwas."

Auch Stephan Schippers hat emotionale Erinnerungen an 1999. "Die Stunde null" nennt er das Frühjahr, in dem Gladbach abstieg und in dem er am 11. März Geschäftsführer wurde. Gleich am ersten Arbeitstag erfuhr er ein schreckliches Geheimnis: Die Borussia war bei einem Jahresumsatz von umgerechnet 18 Millionen Euro mit 22 Millionen Euro verschuldet.

Lucien Favre entpuppte sich als Meilenstein für Gladbach

Schippers, nahe dem Bökelberg-Stadion aufgewachsen und seit Kindertagen Fan, verlor schlagartig den Glanz aus den Augen. Mit buchhalterischer Räson und ohne Rücksicht auf nostalgische Gefühle führte er die Borussia zurück in die schwarzen Zahlen.

Der Umzug in den Borussia-Park 2004 und die Verpflichtung des Trainers Lucien Favre 2011 entpuppten sich später als jene Meilensteine, die den Klub zu dem machten, was er vor dem Spiel an diesem Sonntag beim FC Bayern ist: Tabellendritter mit einer Mannschaft, über die wehmütige Fans sagen, sie erinnere in ihrer Spielanlage an die erfolgreiche Fohlen-Elf der Siebzigerjahre.

Tradition kann einen Klub erdrücken - für die Borussia war sie im neuen Jahrtausend womöglich lebensrettend. In den Neunzigern waren mit überhöhten Transferausgaben und Gehältern Schulden angehäuft worden, die die neue Klubführung mit Unterstützung des heutigen Präsidenten Rolf Königs wieder abbaute. Dabei half natürlich, dass sich auch weit über die Stadt am Niederrhein hinaus viele Menschen mit diesem Klub identifizieren.

Im neuen Stadion stieg die Zuschauerzahl um 60 Prozent auf 52 000. Die Sponsoring- und Fanartikel-Erlöse wurden verdreifacht. Der Gesamtumsatz hat sich seit 1999 auf 122 Millionen Euro fast versiebenfacht. Die Fußball-GmbH, eine 100-prozentige Tochter des Vereins, verfügt über das Stadion ebenso autark wie über Namens-, Vermarktungs-, Catering- und sonstige Rechte. Ende 2017 soll neben dem Stadion ein Neubau mit Hotel, Museum, Fanshop und Reha-Zentrum eröffnet werden.

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