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DFB-Kader:Kein Grund, radikal zu werden

Joachim Löw und Lukas Podolski

Keine Experimente im Jahr 2015: Joachim Löw beruft den schwächelnden Lukas Podolski ins DFB-Aufgebot.

(Foto: dpa)
  • Bundestrainer Joachim Löw verzichtet in seinem Länderspiel-Kader auf Experimente.
  • Für die A-Mannschaft ist 2015 eine Zwischenstation, dafür soll die U21 einen Titel gewinnen.
  • Deshalb verzichtet Löw demonstrativ auf neue 18-Jährige, dafür beruft er 16 Weltmeister sowie erwartungsgemäß Holger Badstuber und Ilkay Gündogan.

Von Christof Kneer

Im deutschen Fußball gibt es die populäre Theorie, dass der WM-Titel 2014 nicht nur in Rio de Janeiro gewonnen wurde, sondern auch in der schwedischen Stadt Malmö. Folgt man dieser Theorie, dann gab es neben dem richtigen Finale noch ein weiteres Finale. Das richtige Finale kam am 13. Juli 2014 im legendären Maracanã-Stadion zur Aufführung, die ganze Welt schaute zu und erinnert sich mit Ausnahme von Christoph Kramer immer noch daran.

Das andere Finale wurde am 29. Juni 2009 im nicht legendären Svedbank-Stadion ausgetragen, es schauten ein paar Schweden zu sowie Unmengen internationaler Scouts. Im Endspiel dieser U21-Europameisterschaft besiegte die deutsche Elf die Auswahl aus England 4:0, es war ein Ergebnis, das um kein Tor zu hoch ausfiel.

Löw ist "beeindruckt" von Gündogan und Badstuber

Das Tor dieser deutschen Elf hütete ein Talent namens Manuel Neuer, vor ihm wachten Jérôme Boateng, Benedikt Höwedes und Mats Hummels, junge Verteidiger, die unmöglich wissen konnten, dass sie fünf Jahre später unter dem Fachbegriff "Ochsen-Abwehr" eine Erwachsenen-WM prägen würden. Vor den Jungochsen schuftete Sami Khedira, vor Sami Khedira tänzelte Mesut Özil.

Vor Özil stürmte übrigens Sandro Wagner, aber der spielt in der populären Theorie keine Rolle. Sandro Wagner im Nationaltrikot, das blieb ein Versehen.

Man muss diese fünfeinhalb Jahre alte Geschichte kennen, um jenes Aufgebot wirklich zu verstehen, das Bundestrainer Löw gerade herausgebracht hat. Vor einer Woche erst hat Joachim Löw seinen Vertrag bis 2018 verlängert, das war ein mächtiges Signal in Richtung Zukunft, aber wer nun den Kader für die beiden Länderspiele gegen Australien (25.3., Test) und Georgien (29.3., EM-Qualifikation) auf ähnliche Signale absuchte, der suchte vergebens.

Löw hat demonstrativ keine neuen 18-Jährigen eingeladen, dafür 16 Weltmeister sowie erwartungsgemäß die Nicht-Weltmeister Holger Badstuber und Ilkay Gündogan, die das Turnier in Brasilien wegen eines schadhaften Knies bzw. Rückens verpasst hatten. Es habe ihn "bewegt, Holger und Ilkay wieder am Ball zu sehen", ließ Löw via DFB-Mail gerührt ausrichten, und er sei "beeindruckt davon, wie schnell sie wieder hohes Niveau erreicht haben".

Letzteres sagte er aus guten Gründen nicht über Lukas Podolski, den er aber ebenfalls in sein Aufgebot holte, trotz eines Reservistendaseins bei Inter Mailand, das ein Reservistendasein beim FC Arsenal abgelöst hat.

"Ich denke, dass Lukas auch mal unsere Unterstützung benötigt, die hat er sich verdient", sagt Löw. Möglich ist aber auch, dass Podolski inzwischen einfach zur Reise-Delegation gehört, wie Präsident Niersbach oder der Busfahrer Hochfellner.

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