bedeckt München 24°

Ghana vor dem WM-Aus:Zu klein fürs Achtelfinale

491922365

Größenvorteil: Benedikt Höwedes gewinnt das Kopfballduell vor dem 2:2 für Deutschland.

(Foto: AFP)

Enorm zweikampfstark, flink im Kontern, dazu gut organisiert: Ghana präsentiert sich bei dieser WM als stärkste afrikanische Mannschaft. Trotzdem ist das Achtelfinale in weite Ferne gerückt. Trainer Appiah sieht seine Spieler körperlich im Nachteil.

Von Benjamin Romberg

Einer freute sich ganz besonders über das Unentschieden der Deutschen gegen Ghana: Jürgen Klinsmann. Der US-Trainer hatte die Afrikaner mit seiner Mannschaft im ersten Spiel geschlagen und befand nun, es wäre der richtige Zeitpunkt, daran noch einmal zu erinnern. "Das rückt unser Ergebnis gegen Ghana in die richtige Perspektive", sagte Klinsmann nach dem mühsamen 2:2 der DFB-Elf. Joachim Löw drehte den Spieß gewissermaßen um: "Dass sie das erste Spiel gegen die USA verloren haben, kann ich gar nicht so richtig verstehen", wunderte sich der Bundestrainer.

In ihrer Bewertung waren sich Klinsmann und Löw letztlich einig: Die Ghanaer, die können was. Und tatsächlich haben die "Black Stars" bewiesen, dass sie die stärkste afrikanische Mannschaft bei dieser WM sind. Eine Mannschaft, die gut geordnet auftritt, taktisch diszipliniert, eine Mannschaft, in der ein Haufen starker Individualisten auch als Kollektiv funktioniert. Und nicht im Chaos versinkt, wie etwa Volker Finkes Kameruner.

Zu den starken Individualisten zählten gegen Deutschland etwa der flinke Stürmer Asamoah Gyan, der nach einem Fehlpass von Philipp Lahm der deutschen Abwehr entwischte und das 2:1 für Ghana erzielte. Mittelfeldwirbler André Ayew von Olympique Marseille, Torschütze zum 1:1, in der Jugend mal bei 1860 München aktiv.

Oder der 22 Jahre alte Christian Atsu, über dessen rechte Seite fast die Hälfte der Angriffe von Ghana liefen; so auch der zum Ausgleich für die Afrikaner, als Atsu perfekt auf den Kopf von Gyan flankte. Der Flügelflitzer ist derzeit vom FC Chelsea an Vitesse Arnheim ausgeliehen, dürfte aber schon bald nach London zurückkehren - sollte José Mourinho während der WM nicht gerade Fernsehverbot haben.

Nicht zu den starken Individualisten zählten gegen Deutschland Michael Essien, ebenfalls bei Chelsea unter Vertrag, und Kevin-Prince Boateng. Essien saß 90 Minuten auf der Bank, Boateng wurde kurz nach der Pause beim Stand von 0:1 ausgewechselt. Nur wenige Minuten später drehte Ghana die Partie.

"Er ist ein toller Spieler", erklärte Trainer Kwesi Appiah, "aber manchmal muss man aus taktischen Gründen etwas ändern". Kevin-Prince stand damit nur unwesentlich länger auf dem Platz als sein Bruder Jérôme auf der anderen Seite, der nach der Halbzeit wegen einer Verletzung in der Kabine geblieben war. Der Kommentar des Schalkers: "Da hat er wenigstens eine Ausrede. Ich habe keine."

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB