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Geschädigte des Bundesliga-Spieltags:Verhängnisvolle Küsschen

Stuttgarts Torschütze Timo Werner ist eben doch "nur ein Toptalent". Wolfsburgs Trainer Dieter Hecking muss Häme ertragen - und Thomas Tuchel seinen Kollegen loben.

Die Geschädigten des Bundesliga-Spieltags

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Timo Werner

1899 Hoffenheim - VfB Stuttgart

Quelle: Uwe Anspach/dpa

Christian Gentner? Achillessehnenprobleme. Filip Kostic? Muskelfaserriss. Daniel Ginczek? Fällt mit Bandscheibenvorfall lange aus. Da kommt es dem VfB Stuttgart ganz gelegen, dass sich Timo Werner aufrafft, wieder das große Talent zu werden, das er vor einigen Monaten noch war. Erzielte in Hoffenheim den lebenswichtigen Ausgleich in der 90. Minute. Verteilte anschließend Handküsse ans Publikum. Hätte der Held sein können. Dumm nur, dass es noch die 92. Minute gab - und er zum Geschädigten mutierte.

Da stand er völlig frei 13 Meter vor dem Tor, traf allerdings den Ball schlecht und der flog weit am Tor vorbei. Kommentar seines Trainers Alexander Zorniger: "Den konnte er nicht reinmachen. Er war noch so mit Küsschen-Küsschen-Verteilen beschäftigt vom 2:2, dass der Fokus halt nicht auf dem 3:2 war. Wenn er den macht, ist er ein Großer. So ist er nur ein Toptalent."

(hum)

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Dieter Hecking

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Quelle: AFP

Der Trainer des VfL Wolfsburg hat der Welt in diesem Sommer ein Bild geschenkt, das sich vorher niemand hätte ausdenken können: Beim Gewinn des DFB-Pokals präsentierte er sein stolzes Mützengesicht, er stülpte eine schwarze Basecap mit dem Aufdruck "KING" auf seinen Kopf. So groß, dass sie auch bei einem Ladendiebstahl nützlich gewesen wäre.

Beim 0:2 seines Teams in Gladbach entstand nun wieder ein Bild der Marke "einmalig", wieder mit Hecking im Zentrum. Beide Gegentore erlebte der Gäste-Trainer von der Tribüne aus, er hatte sich allzu sehr in der Coaching Zone ausgetobt. Um ihn herum saßen nun: jede Menge Gladbach-Fans, die ihm frech entgegenjubelten, hinter ihm ein besonders dreistes Exemplar. Hätte Hecking dabei noch die "KING"-Mütze aufgehabt, es wäre das Bild des Jahres gewesen.

(ska)

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Bernd Leno

Bayer 04  Leverkusen - FC Augsburg

Quelle: dpa

Wer war hier nun der Geschädigte? Der Rasen? Schließlich hoppelte der Ball ordentlich über das Leverkusener Grün, ehe Bernd Leno Maß nahm und ein wundervolles Luftloch zauberte. Der Nationalkeeper säbelte über den Ball, der kullerte zur Augsburger Führung ins Tor. Und so war am Ende natürlich Leno der Geschädigte, Rasen hin oder her. "Es war ein verrücktes Spiel mit einem verrückten Gegentor", bemerkte sein Trainer Roger Schmitt anschließend süffisant.

Und Leno? Der fasste seine Emotionen in spezielle Worte: "Das sind die Augenblicke, in denen du am liebsten im Boden versinken willst, weil du weißt, dass du als Torwart die Arschkarte hast."

(ebc)

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Thomas Tuchel

FC Bayern Muenchen v Borussia Dortmund - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

Sie haben an einem Tisch in einer Münchner Bar Salz- und Pfefferstreuer hin- und hergeschoben, als sie über Taktik sprachen. Diese Geschichte über Pep Guardiola und Thomas Tuchel ist wohlbekannt. Wer aus dem 1:5 als Geschädigter in Sachen Taktik hervorging, lässt sich leicht beantworten: Tuchel, der Dortmunder Coach, dessen Ideen an diesem Tag nicht funktioniert hatten.

Mit drei Sechsern hatte der Taktiktüftler Tuchel begonnen, Guardiola überraschte ihn mit weiten 60-Meter-Pässen über dieses Bollwerk hinweg, die das ein oder andere Tor einleiteten - ausgerechnet ein Stilmittel aus der Ära von Jürgen Klopp beim BVB, von der sich Tuchel ja zu emanzipieren versucht. Nach dem Spiel wurde er gefragt, ob die Bayern denn noch zu stoppen seien. "Was soll ich sagen, Pep?", fragte Tuchel höflich. Der Blick ging rüber zu Guardiola. Der antwortete: "Sie haben dich gefragt." Also rief Tuchel mutig: "Nein, natürlich nicht!" An diesem Tag hatte einfach zu wenig funktioniert in seinem System.

(ebc)

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Ron-Robert Zieler

Hannover 96 - SV Werder Bremen

Quelle: dpa

Für den Torwart von Hannover 96 waren die vergangenen Tage wie ein Zahnarzt-Besuch. Unangenehm und ein bisschen schmerzhaft. Am Freitag musste er zunächst eine enttäuschende Botschaft verkraften. Joachim Löw teilte ihm mit, dass Bernd Leno zu den Länderspielen in Dublin und Leipzig reisen werde, anstelle von Zieler. Freilich nur zum Testen.

Am Samstag im Spiel gegen Werder Bremen die nächste Herausforderung für Zieler: In der 27. Minute hätte 96 beinahe einen Elfmeterpfiff kassiert, Leon Andreasen stand kurzzeitig im Verdacht, im Strafraum die Hand zur Abwehr benutzt zu haben - doch Schiedsrichter Peter Sippel wiegelte noch ab und entschied auf Schiedsrichter-Ball. Und pfiff. Und zwar kräftig. 50 Zentimeter neben ihm: Ron-Robert Zieler, der sich erschrocken die Ohren zuhielt. Beim Fußball wie beim Zahnarzt ein probates Mittel: Zähne zusammenbeißen. Zieler lieferte danach eine starke Partie. Das dürfte auch Löw gefallen.

(ska)

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Sandro Wagner

SV Darmstadt 98 - 1. FSV Mainz 05

Quelle: Fredrik Von Erichsen/dpa

Wer in der 96. Spielminute zu einem entscheidenden Elfmeter antritt, noch dazu in einem Nachbarschafts-Derby, der gehört schon mal nicht zu den Hasenfüßen des Geschäfts. Wenn der Schuss dann allerdings Richtung Sternbild des Orions geht anstatt zum Ausgleich ins Tornetz, ist die Schmähung nicht fern. Mainzer Spieler bedachten den Darmstädter Fehlschützen Sandro Wagner schon auf dem Spielfeld mit recht unfreundlichen Worten. Später wurde der Mainzer Torwart Loris Karius so zitiert: "Der dachte wohl, er kann mir einen reindrücken. Aber wahrscheinlich hat er sich vor dem Schuss schon in die Hose gemacht."

Die Aufsteiger verloren das Spiel jedenfalls 2:3. Wagner verschwand wortlos, Kollegen berichteten von schlechter Laune. Ob er sich das mit Karius und der vollen Hose gemerkt hat, kann der Stürmer im kommenden Jahr beim Rückspiel zeigen.

(hum)

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Lukas Hradecky

FC Ingolstadt 04 - Eintracht Frankfurt 2:0

Quelle: Armin Weigel/dpa

Geht in die Geschichte ein als der Bundesliga-Torwart, der als erster in Ingolstadt ein Tor kassierte. Der Frankfurter kann immerhin für sich in Anspruch nehmen, dass der Schuss von Pascal Gross genau ins Eck flog - und dass seine Vorderleute recht schlafmützig unterwegs waren. Nach dem Motto: Die Ingolstädter treffen doch sowieso nicht.

Sein Trainer Armin Veh sollte nach dem Spiel erklären: "Wir hatten den Willen nicht. Nur immer reden bringt nichts." Dabei hätte eine kleine Unterhaltung zwischen Hradecky und Abwehrmann Marco Russ vielleicht verhindert, dass beim 0:2 beide dem Ball ausweichen und ihn Stefan Lex ins leere Tor schieben durfte. Es war der erste Unglücks-Auftritt des Finnen mit dem slowakischen Namen. Und das beim Null-Tore-Klub in Ingolstadt.

(hum)

© SZ.de/hum/ska/ebc/fued/dd
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