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Gerhard Mey im Interview:"Der Himmel ist das Limit für 1860"

TSV 1860 München - Wacker Burghausen

„Das hätte eine einende Kraft. Da haben wir wieder was Gemeinsames. Dann fallen ja Vorwürfe wie Ruinenanbeter und Bruchbude weg.“ – Robert Reisinger hofft auf eine positive Machbarkeitsstudie zum zweitligatauglichen Umbau des Städtischen Stadions an der Grünwalder Straße.

(Foto: Tobias Hase/dpa)

Der Unternehmer Gerhard Mey spricht im SZ-Interview über seine Ambitionen mit 1860 München, ein neues Stadion - und was sich seiner Meinung nach im Verein ändern muss.

Von Philipp Schneider

Der Münchner Unternehmer Gerhard Mey, 61, hat im Interview mit der Süddeutschen Zeitung seine Entschlossenheit bekräftigt, den in die Fußball-Regionalliga abgestürzten TSV 1860 München wieder nach oben zu führen. Mey, Gesellschafter beim Automobilzulieferer Webasto, hatte diese Idee vor einem Monat öffentlich gemacht. Der genaue Weg ist angesichts der komplizierten Situation beim TSV noch offen, zu den Plänen gehöre aber in jedem Fall auch ein neues, eigenes Stadion: "Der Stadionbau überwölbt alles und ist für den funktionierenden Business-Case 1860 unvermeidbar", meinte Mey. "Ich sage es in aller Deutlichkeit: Wir bauen ein Stadion für den TSV 1860 München." Er habe "zwei motivierte Investoren an der Seite, die mit den Füßen scharren und sagen: Wenn du das so hinbekommst, wie du dir alles vorstellst, und wenn du persönlich vorne dran stehst bei dem Projekt 1860, dann ist es für uns hochgradig spannend, ein Stadion zu bauen". Er sei "der Meinung, dass 40000 Zuschauer langfristig realistisch sind".

Zunächst will Mey mit Investor Hasan Ismaik sprechen. "Ich glaube, dass das notwendig ist. Wir bereiten das gerade vor. Dass es mal zu so einem richtigen Männergespräch kommt" ,sagte Mey. "Ich reihe mich nicht in die Gruppe der Ismaik-Basher ein. Der ehrenwerte Mann hat viel in den Verein investiert, dafür verdient er Respekt. Geld ist Geld. Jetzt ist allerdings die Frage, wie werthaltig das Investment ist. Es ist ja nun mal nicht die erste Liga geworden, sondern die vierte." Ismaik hatte bereits zum Ausdruck gebracht, dass er seine 60 Prozent Anteile an der 1860-KGaA nicht verkaufen wolle. "Es wird sich im Verlauf der Gespräche zeigen, ob das überhaupt möglich ist", sagte Mey. Ismaik soll laut Meys Plänen Besserungsscheine erhalten, wenn gewisse Meilensteine erreicht sind, beispielsweise der Aufstieg in die dritte Liga, der in die zweite oder in die Bundesliga. "Die Meilensteine müssen wir natürlich präzise definieren", sagte Mey. "Besserungsscheine sind übrigens absolut üblich bei Firmenübernahmen."

"In der Regionalliga braucht man viel Fantasie, um überhaupt über Ziele zu reden"

Mey forderte auch gravierende Änderungen in den Vereinsstrukturen: "Vollkommen unabhängig von meiner Person: Um einen Investor zu finden, sind Reformen für 1860 unvermeidbar. Das erste Rad ist der gegenwärtige Investor, der werte Herr Ismaik. Aber das Problem darf man nicht isoliert betrachten. Wenn man das tut, wird man keinen anderen Investor finden. Denn die Strukturen, in die er da hinein investiert hat, bedürfen natürlich auch noch der Diskussion. Unser Team ist im August damit beschäftigt, einen vernünftigen und konkreten Vorschlag zu erarbeiten." Er denke dabei "unter anderem an die konkrete Ausgestaltung von 50+1. Wenn gewisse Übereinkommen getroffen sind, ist diese Regel kein Problem. Aber bei den geplanten Änderungen jetzt schon ins Detail zu gehen, wäre verfrüht. Das würde bedeuten, in ein Hornissennest zu pieksen."

Auf der von Ultras und der Gruppierung Pro1860 dominierten Mitgliederversammlung waren zuletzt weitere Fanvertreter in den Verwaltungsrat, das Kontrollgremium des e.V., gewählt worden. Außerdem war beschlossen worden, dass dem Einstieg eines weiteren Investors eine Dreiviertelmehrheit der Mitglieder zustimmen muss. "In gewisser Weise erschreckt mich das schon", erklärte Mey. "Weil der Lernprozess im Verein offenbar noch nicht so weit fortgeschritten ist. Aber ich möchte mir da keinerlei Urteil erlauben. Deshalb ist es ja so wichtig, dass wir mit allen Beteiligten im September mal reden. Um zu erfahren, wie sie sich die Zukunft von 1860 vorstellen. Ich jedenfalls habe bis dahin ein geschlossenes Konzept. Das sollen sich alle einfach mal durchlesen. Und dann kann man sagen: Nein, das gefällt uns nicht, wir wollen weiterwurschteln wie bisher. Oder man sagt: Es gefällt uns partiell, wir müssen aber noch über Details diskutieren. Nur so, wie es jetzt ist, ist es nicht sehr investorenfreundlich. Und dann gibt es halt kein Geld."

Sollte sein Einstieg gewünscht sein, sei vieles möglich, erklärte Mey. "In der Regionalliga braucht man viel Fantasie, um überhaupt über Ziele zu reden. Ich halte es aber nicht für ausgeschlossen, dass wir die Meisterschaft von 1966 wiederholen können", meinte er. "Wir sollten uns erreichbare Ziele setzen. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass mittelfristig das mittlere Drittel der ersten Liga unser Ziel ist. Vielleicht geht es sogar hoch ins erste Drittel. In Manchester gibt es zwei erfolgreiche Klubs, in Madrid auch, in London noch mehr. Die Stadt München verträgt auch zwei hochklassige Klubs. Und zwei moderne Stadien. Und wenn wir erst ein bisschen Geld verdient haben, dann können wir auch das Spielerpotenzial erhöhen. Der Himmel ist das Limit für 1860."

© SZ.de/tbr

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