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Fußball-WM: Deutsche Chancen:Nach der Euphorie das erste Endspiel

Nach dem Auftaktsieg herrschte eine Euphorie, die nicht gerechtfertigt war - nach der Niederlage gegen Serbien ist nun aber Defätismus nicht angebracht. Die deutsche Elf muss das Endspiel gegen Ghana nicht fürchten.

Jürgen Schmieder

Grandios. Überragend. Formidabel. Das waren die Worte, mit denen die Leistung der deutschen Elf beim ersten Spiel der WM gegen Australien umschrieben wurde. Mesut Özil wurde mit Lionel Messi verglichen, Thomas Müller mit Gerd Müller - und Trainer Joachim Löw hoch gelobt, weil sich die Nibelungentreue zu seinen Offensivkräften Lukas Podolski und Miroslav Klose ausgezahlt hatte.

WM 2010: Deutschland - Serbien

Trost für Lukas Podolski: Bastian Schweinsteiger muntert seinen Mitspieler nach dem vergebenen Elfmeter auf.

(Foto: ag.ddp)

Die Euphorie war groß, im deutschen Lager und bei den Anhängern. Sie kam zu früh.

Nun hat die deutsche Elf das zweite Spiel verloren, mit 0:1 gegen Serbien. Holger Badstuber wurde nach 77 Minuten mit Verdacht auf Schleudertrauma ausgewechselt, so sehr wurde er vom Serben Milos Krasic umspielt. Es böte sich ein Vergleich von Arne Friedrich mit einem australischen Verteidiger an - und ausgerechnet die von Löw protektierten Klose und Podolski waren bei diesem Spiel aufgrund der Hinausstellung und des vergebenen Strafstoßes die tragischen Protagonisten.

Doch, Moment: So sehr die überhöhte Anerkennung für den Erfolg gegen Australien nicht gerechtfertigt war, so wenig sind nach der Niederlage gegen Serbien Bedenken, Defätismus oder gar Panik nicht angebracht. Eine Beurteilung der Qualität dieser deutschen Elf ist nach den ersten beiden Partien nicht möglich, vielleicht muss man feststellen: Diese Elf kann an einem guten Tag gegen jede der 31 anderen teilnehmenden Nationen gewinnen - und bei widrigen Umständen gegen mindestens 20 verlieren.

Der deutschen Elf ist keine schlechte Leistung zu attestieren. Freilich leisteten sich die Verteidiger Schludrigkeiten und Stellungsfehler, freilich agierte Mesut Özil nicht so frisch und agil wie gegen Australien, freilich blieben zahlreiche Gelegenheiten ungenutzt. Doch war die deutsche Elf ihrem Gegner bis zum Platzverweis überlegen und erspielte sich nach dem Rückstand auch in Unterzahl Torchancen. Sie durfte nicht ungestört kombinieren wie gegen Australien, doch waren auch gegen Serbien viele Angriffe durchdacht, die Gelegenheiten wurden erspielt und nicht erkämpft oder erglückt.

Es ist doch einfach so, dass die Partie gegen Serbien den schlechtestmöglichen Verlauf nahm. Nach 37 Minuten musste die deutsche Elf einen Platzverweis hinnehmen, der für den neutralen Beobachter diskutabel, für die Spieler auf dem Platz unverständlich war. Nur kurze Zeit später fiel der Gegentreffer - und anstatt die Drangperiode nach der Halbzeitpause mit einem verwandelten Elfmeter weiter zu befeuern, vergab Podolski nach mehreren Torchancen auch noch diese Gelegenheit.

Dieser Start in ein Turnier hat für die deutsche Nationalelf in der jüngeren Vergangenheit schon Tradition: Bei der EM 2008 folgte dem Sieg gegen Polen eine Niederlage gegen Kroatien und das Gruppen-Endspiel gegen Österreich, bei der WM 2002 gab es nach dem 8:0 gegen Saudi-Arabien ein 1:1 gegen Irland und eine entscheidende Partie gegen Kamerun - und bei der WM 1998 musste die deutsche Elf nach dem 2:0 gegen die USA und dem 2:2 gegen Jugoslawien das Spiel gegen Iran erfolgreich gestalten.

Der Unterschied zu den vergangenen Turnieren war, dass im jeweils zweiten Gruppenspiel die Leistung der Elf kritisch beäugt wurde - die Partie gegen Serbien bei dieser WM dagegen ist nicht so negativ zu bewerten, auch wenn Löw nun zu Umstellungen gezwungen ist.

Es gab Kommentatoren, die den ersten wahren Test für diese junge deutsche Elf auf ein mögliches Viertelfinale gegen Argentinien terminierten. Diese Prüfung steht der Mannschaft nun schon gegen Ghana bevor - und sie muss den Spieltermin nicht fürchten.

© sueddeutsche.de/aum
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