Fußball-WM Auf Klubebene ist der italienische Fußball wieder obenauf

Dem Gruppengegner Spanien hatten die Italiener nichts entgegenzusetzen, aber auch mit Fußballzwergen wie Israel, Albanien und Mazedonien wurden sie nicht so souverän fertig, als dass es zur Direktqualifikation für die besten Gruppenzweiten gereicht hätte. Ständig probierte Ventura neue Spieler aus, immer konfuser wirkte seine Taktik, immer weniger durchsetzungsfähig erschien sein Team. Bis Buffon und die anderen altgedienten Routiniers den Trainer vor dem letzten Gruppenspiel aus der Kabine ausschlossen und selbst das Ruder übernahmen.

In dem Augenblick war das Band endgültig zerschnitten, und das Ergebnis sah man gegen Schweden: Die Azzurri, die im Sommer 2016 noch als Überraschungstruppe der Europameisterschaft galten, versagten jetzt auch gegen die schwächsten Gegner. Zwar stand die Abwehr noch irgendwie, aber sie wurde in keinem Moment wirklich von der Offensive entlastet.

Auf Klubebene hat der italienische Fußball seine Talsohle eigentlich durchschritten. Juventus Turin, der Verein von Buffon, Chiellini und Barzagli, hatte erst im Juni das Champions-League-Finale erreicht, zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren. Zwar unterlag Juve Real Madrid, wie sie sich 2015 Barcelona geschlagen geben musste. Dennoch hat sich Italiens Rekordmeister wieder auf Europas Bühne etabliert. Juventus-Präsident Andrea Agnelli wurde im September zudem zum neuen Vorsitzenden der europäischen Klubvertretung ECA gewählt. Der AS Rom von Daniele De Rossi brillierte international gegen den FC Chelsea, der SSC Neapel beeindruckt mit seinen Angriffstalenten. Eines davon ist Lorenzo Insigne, der in Mailand gegen Schweden nicht spielen durfte.

"Wir brauchen jetzt ein Programm", sagte nach dem Debakel von Mailand Antonio Cabrini, einer der Weltmeister von 1982: "Man muss aufhören, immer auf ein Wunder zu warten, und endlich an einem Projekt arbeiten. Und wir brauchen Leute im Fußball, die etwas von Fußball verstehen." Dieser Cabrini hat bis vor Kurzem die italienische Frauen-Nationalmannschaft trainiert. Für das Männerteam gilt er jetzt nicht als Kandidat. Dabei versteht er unzweifelhaft etwas von Fußball.

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