Fußball-WM: Brasilien - Nordkorea:Knapp an der Blamage vorbei

Der fünfmalige Weltmeister Brasilien tut sich zum Auftakt beim Sieg über den Außenseiter Nordkorea überraschend schwer und lässt vor allem Spielintelligenz vermissen.

Die Sensation blieb aus, auch wenn sie eine Halbzeit lang und dann nochmal in den Schlussminuten in der Luft lag: Mit 2:1 (0:0) bezwang Brasilien gestern Abend in Johannesburg das Team der Unbekannten aus Nordkorea. Dabei hatte der Turnier-Mitfavorit deutlich mehr Mühe als erwartet. Erst eine Temposteigerung und deutlich erhöhter Kraftaufwand nach der Pause führte zu den Treffern durch Maicon und Elano, die Koreaner trafen kurz vor Schluss.

North Korea's Ji Yun-nam shoots to score a goal past Brazil's goalkeeper Julio Cesar during their 2010 World Cup Group G soccer match at Ellis Park stadium in Johannesburg

Ji Yun-nam trifft zum 1:2 - und lässt die nordkoreanischen Spieler jubeln, als hätten sie gerade die WM gewonnen.

(Foto: rtr)

In Südkorea hatten sie kurzfristig beschlossen, das TV-Signal doch über die Grenze zu senden, ob sie dem feindlichen Bruder im Norden damit einen echten Gefallen taten, würde sich ja erst rausstellen. Die Kühlschranktemperatur im Ellis Park jedenfalls, die eher an einen Bundesliga-Rückrundenauftakt im Rostocker Ostseestadion gemahnte statt an eine afrikanische Fußballfiesta, sie kam dem Außenseiter aus Nordkorea entgegen.

Das Handicap, so gut wie nichts zu wissen über diesen Gegner, hatte Brasiliens Coach Carlos Dunga mit einer Auge-um-Auge-Strategie gekontert: Die strikte Abschirmung, unter der er seine Selecao trainiert, steht der Geheimnishuberei um Nordkoreas Volksarmee nur in Nuancen nach und sorgt für wachsenden Unmut bei der nationalen Presse. Brasiliens Medienschaffenden geht´s wie den Kollegen in Nordkorea (sofern es welche gibt): Sie kriegen leider gar nichts mit vom fünfmaligen Weltmeister, weshalb sich die Anfeidungen bei den Presseterminen häufen. Am Tag vorm Spiel war Dunga gar der Kragen geplatzt: "Ihr prügelt 24 Stunden auf mich ein, und ich habe nur eine Sekunde Zeit, euch zu antworten", schimpfte er vom Podium.

Innerhalb der Selecao aber ist die Stimmung so gelassen, wie der Coach sie stets beschreibt. Vielleicht sogar ein bisschen zu relaxt. Beim mutmaßlich kältesten Spiel der WM-Geschichte übernahm der hohe Favorit zwar gleich die Initiative, dies aber wohl hauptsächlich, weil eingedenk der Witterungsumstände konsequentes Warmlaufen unumgänglich war.

Robinho verzog aus 18 Metern (7.), da war mehr drin gewesen, und immerhin, bereits nach zehn Minuten schoss auch Jong Tae-Se erstmals aufs brasilianische Tor. Dann wurde es zäh. Brasiliens Helden taten sich schwer mit dem - allerdings erwartbaren - doppelten Vierer-Sicherheitskordon vor dem nordkoreanischen Gehäuse. Zunehmend unbeeindruckt, suchten die Asiaten ihr Glück alsbald in Überfällen und Überraschungsmomenten. In-Guk Mun versuchte es mit einem Weitschuss von der Mittellinie (19.), als er Juli Cesar weit vor dem Tor stehen sah. Jong Tae-Se blieb mit seinen Sololäufen stets gefährlich.

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