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Urteil gegen die DFL:Müssen alle Profi-Klubs die Polizeikosten übernehmen?

Werder Bremen - Polizeieinsatz im Fußball

Auch in Bremen im Einsatz: Polizeikräfte sichern den Eingang zum Gästeblock am Weserstadion.

(Foto: dpa)
  • Was bedeutet das Polizeikosten-Urteil für die einzelnen Klubs im deutschen Profifußball?
  • Die SZ stellt die wichtigsten Fragen und Antworten zusammen.

Am Freitag hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig ein grundsätzliches Urteil zur Auseinandersetzung um die Polizeikosten bei Fußballspielen verkündet. Den konkreten Rechtsstreit - eine Forderung des Landes Bremen an die Deutsche Fußball Liga (DFL) in Höhe von zirka 425 000 Euro für zusätzliche Polizeikosten beim Liga-Spiel zwischen Bremen und Hamburg im April 2015 - wies das Gericht zwar an die vorherige Instanz zurück. Es kam aber zu dem Schluss, dass eine Beteiligung der Profiklubs an den Kosten grundsätzlich rechtens ist. Die Antworten auf die wichtigsten Fragen, die sich daraus ergeben.

Geht es um alle Kosten bei allen Bundesliga-Spielen?

Nein, es geht nur um die Kosten, die bei sogenannten Risikospielen zusätzlich zu den normalen Polizeikosten anfallen.

Wie viele Risikospiele gibt es pro Saison?

Das variiert von Jahr zu Jahr etwas. In der vergangenen Saison gab es in den beiden höchsten deutschen Spielklassen 54 Risikospiele, 26 in der ersten Liga und 28 in der zweiten. In den drei Spielzeiten davor gab es in den beiden Top-Ligen 58, 43 und 42 Risikopartien.

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Was ist das überhaupt, ein Risikospiel?

Risikospiel ist kein gesetzlich definierter Begriff. Er geht zurück auf die Regularien des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Paragraph 32 definiert als "Spiele mit erhöhtem Risiko" solche Spiele, "bei denen aufgrund allgemeiner Erfahrung oder aktueller Erkenntnisse die hinreichende Wahrscheinlichkeit besteht, dass eine besondere Gefahrenlage eintreten wird".

Wer entscheidet, welches Spiel ein Risikospiel ist?

Letztlich der Deutsche Fußball-Bund - nach Absprache mit den Sicherheitsbehörden und den Vereinen. Der DFB weist aber darauf hin, dass "die vereins-/verbandsseitig finalisierte Risikobewertung nicht zwangsläufig deckungsgleich mit der der Polizei sein (muss)".

Das ist sehr unterschiedlich. Im konkreten Fall stellte das Land Bremen der DFL zunächst die Summe von 425 718,11 Euro in Rechnung, weil statt der üblichen 200 bis 250 Beamten fast 1000 Polizisten im Einsatz gewesen seien. Von anderen Risikospielen ist bekannt, dass sie noch teurer waren: So betrugen 2016 die Gesamtkosten beim Zweitliga-Spiel Braunschweig gegen Hannover für die Landespolizei 1,2 Millionen Euro; 2500 Beamte waren damals im Einsatz gewesen. Andere Risikospiele waren allerdings auch günstiger.

Müssen jetzt alle Profiklubs die Polizeikosten bei Risikospielen übernehmen?

Nein. Konkret bezieht sich das Urteil ausschließlich auf das entsprechende Gesetz des Bundeslandes Bremen. Klubs in anderen Bundesländern können nur zur Kasse gebeten werden, wenn dort ähnliche Gebührenordnungen eingeführt werden. DFL-Präsident Reinhard Rauball befürchtet daher einen "Flickenteppich" und dass es zu unterschiedlichen Belastungen für die verschiedenen Profiklubs kommt.

Wie positionieren sich die Länder?

Diverse Landesregierungen teilen mit, dass eine Kostenbeteiligung der Vereine für sie nicht infrage kommt: Dazu zählen Bayern, Baden-Württemberg, Hamburg, Hessen, Niedersachsen und Sachsen. Manche Länder kündigten Prüfungen an; konkrete Sympathien für den Bremer Weg, die Vereine zu beteiligen, äußerte bisher nur Rheinland-Pfalz. Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Mecklenburg-Vorpommerns Ressortchef Lorenz Caffier (CDU), sagt: "Ziel der Innenminister sollte ein einheitliches Vorgehen aller Länder sein, wie es das in der Vergangenheit gab."

Was hat es mit der Fonds-Lösung auf sich?

Diesen Vorschlag brachten die Innenminister von Bremen und Rheinland-Pfalz im Vorjahr ins Spiel. Er sieht vor, dass die DFL beziehungsweise die Klubs gemeinsam einen zweistelligen Millionen-Betrag aufbringen. Dann bräuchten die Länder nicht die Spiele einzeln abzurechnen, was ihnen den konkreten Ärger mit den Vereinen aus ihrem Bundesland sowie deren Anhängerschaft ersparen würde.

Was ist mit der dritten Liga?

In der dritten Liga gibt es prozentual sogar mehr Risikospiele als in den Top-Ligen. In den beiden letzten Saisons waren es 51 bzw. 54. Vom Bremer Gesetz waren keine Drittligisten betroffen. Klar ist, dass es einzelnen Dritt- oder gar Viertligisten aufgrund ihres Etats nicht möglich wäre, die Polizeimehrkosten eines Risikospiels zu tragen.

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