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Bundesland Bremen vs. DFL:So teuer ist der Polizeieinsatz bei einem Bundesligaspiel

Polizei - Reiterstaffel bei einem Bundesliga-Spiel in Hamburg

Polizeikräfte der Reiterstaffel stehen vor dem Millerntor-Stadion in Hamburg.

(Foto: dpa)
  • Das Land Bremen und die Deutsche Fußball Liga (DFL) streiten um die Frage, ob Fußballvereine für Polizeikosten bei Hochrisikospielen zahlen müssen.
  • Schon bei "normalen" Spielen müssen 200-250 Beamte für die Sicherheit da sein.
  • Neun Prozent der Partien der 1. und 2. Bundesliga werden mittlerweile als Hochrisikospiel deklariert.

Wie viel ein Polizeieinsatz rund um ein Spiel in der Fußball-Bundesliga kostet, lässt sich pauschal nicht beantworten. Die jeweilige Ansetzung ist ausschlaggebend. Es gibt unkomplizierte Partien, Bremen gegen Freiburg etwa: Zwischen beiden Vereine sind keine größeren Rivalitäten bekannt, die Gastmannschaft hat einen langen Anfahrtsweg - da ist es sehr wahrscheinlich, dass größere Zwischenfälle ausbleiben.

Trotzdem muss die Polizei vor und im Stadion präsent sein, sich auch in der Stadt oder am Hauptbahnhof blicken lassen. Manchmal müssen Beamte betrunkene Fans aufgreifen, bei Spielen am Wochenende häufiger als am Dienstag- oder Mittwochabend. Manchmal reisen auch sehr wenige Gästefans mit. Meist genügen für solche "normalen" Spiele 200 bis 250 Polizisten.

Deutlich teurer wird es bei Hochrisikospielen, wenn nicht der SC Freiburg nach Bremen kommt, sondern beispielsweise der Hamburger SV. Dann handelt es sich um ein Derby mit jahrzehntelang gewachsener Rivalität zwischen den Fangruppen. 250 Polizisten wären an einem solchen Tag heillos überfordert. Beim Derby am 19. April 2015, um das es im konkreten Gerichtsurteil geht, setzte die Bremer Polizei exakt 969 Beamte ein.

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Das macht 9537 Arbeitsstunden. Dafür stellte das Bundesland Bremen der Deutschen Fußball-Liga (DFL) eine Rechnung über 425 718,11 Euro, die im Berufungsverfahren auf 415 000 Euro ermäßigt wurde - und wies darauf hin, dass die Kosten für ein "normales Bundesligaspiel" bereits abgezogen worden seien.

Beamte aus anderen Bundesländern kosten extra

Die Kosten sind unter anderem so hoch, weil das Land Bremen nicht über genügend eigene Polizeikräfte für einen solchen Einsatz verfügt. Aus drei weiteren Bundesländern wurden Beamte angefordert, nach eigenen Angaben musste Bremen etwa 200 000 Euro als Entschädigung an die beteiligten Länder zahlen.

Bei anderen Hochrisikospielen - dies sind neun Prozent der Spiele in der 1. und 2. Bundesliga sowie jede siebte Partie in der 3. Liga - kamen in der Vergangenheit noch mehr Polizisten zum Einsatz. Etwa beim Zweitligaspiel zwischen Hannover 96 und Eintracht Braunschweig in der Saison 2016/17, damals waren rund 2500 Beamte im Einsatz. Die Gesamtkosten sollen bei mindestens 1,2 Millionen Euro gelegen haben, die das Land Niedersachsen übernahm. Hinzu kamen die Kosten für die Hilfe der Bundespolizei.

Es geht jedenfalls um sehr viel Geld. Der Rechnungshof in Baden-Württemberg schätzte im Jahr 2015 die Kosten für Polizeieinsätze bei Fußballspielen in den ersten fünf Ligen deutschlandweit auf 119 Millionen Euro pro Jahr. Der Betrag dürfte sich seitdem noch erhöht haben. Auch die öffentliche Meinung ist längst klar: Nach einer Umfrage von Infratest Dimap vom März 2019 für den WDR würden 90 Prozent der Bevölkerung die Weiterleitung der Mehrkosten an die Klubs prinzipiell befürworten.

Anmerkung der Redaktion: Dieser Artikel erschien in ähnlicher Form bereits im Februar 2018.

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