Polizeikosten im Fußball:Wer kickt, der zahlt

Fußballklubs müssen sich an den Kosten für Polizeieinsätze bei Risikospielen beteiligen - das ist richtig. Schließlich ist der Fußball nur erfolgreich, wenn die Spiele friedlich bleiben.

Kommentar von Johannes Aumüller

Als der Richter Wolfgang Bier im Bundesverwaltungsgericht in Leipzig seine Ausführungen zum Urteil im Polizeikosten-Streit begann, konnten sich die Verantwortlichen der Deutschen Fußball-Liga (DFL) und der Profiklubs noch freuen. "Das Urteil des Oberverwaltungsgerichtes Bremen wird aufgehoben", hieß es da nämlich - und das war genau das, was der deutsche Profifußball wollte. Doch danach kam nicht mehr allzu viel, was ihm gefallen konnte.

Denn die entscheidende Botschaft, die von dem Urteil in Leipzig ausgeht, heißt: Ja, es ist absolut in Ordnung, wenn der Staat die deutschen Profiklubs an Polizeikosten von sogenannten Risikospielen beteiligen möchte.

Den konkreten Rechtsstreit - eine Forderung des Landes Bremen an die DFL in Höhe von zirka 400 000 Euro für zusätzliche Polizeikosten beim Bundesliga-Spiel zwischen Bremen und Hamburg im April 2015 - wies das Gericht zwar an die vorherige Instanz zurück. Aber da geht es lediglich um einzelne Präzisierungen. Im Grundsatz ist die Haltung des Bundesverwaltungsgerichtes klar - und das ist nur zu begrüßen.

Eine Idee wäre eine Art Fonds, den die Profiklubs gemeinsam befüllen

Der Fußball ist längst ein eigenes Geschäftswesen mit einer aberwitzigen Geldflut. Schon in Deutschland gibt es gigantische wirtschaftliche Daten: 80 Millionen Euro Ablöse für einen einzigen Spieler wie den künftigen Münchner Innenverteidiger Lucas Hernández; Einnahmen von durchschnittlich 1,16 Milliarden Euro jährlich für die Profiklubs allein aus der Vermarktung der Fernsehrechte; mehr als vier Milliarden Euro Umsatz pro Jahr.

Aber neben vielem anderen ist eben ein Faktor dieses wirtschaftlichen Erfolges, dass die Bundesliga-Spiele in einem sicheren und ruhigen Umfeld stattfinden können. Und wenn das - wie im April 2015 bei Bremen gegen Hamburg oder bei den zirka 50 anderen Risikospielen pro Saison - nur mit einem massiv erhöhten Polizeiaufgebot möglich ist, dann soll der Fußball auch seinen Teil dazu beitragen, dass er sein wirtschaftliches Geschäftsmodell fortsetzen kann. Es geht in diesem Rechtsstreit ja nicht um alle Polizeikosten für alle Spiele, sondern nur um die zusätzlich anfallenden Kosten bei einigen Dutzend besonders brisanter Partien.

Bisher war außer in Bremen und in Rheinland-Pfalz in keiner politischen Landesregierung der Wille zu erkennen, die Kosten dem Profifußball in Rechnung zu stellen. Doch nach dem Leipziger Urteil dürfte es in vielen, insbesondere finanzschwächeren, Ländern Debatten geben.

Dabei ist aber die Frage, ob die einzelne Abrechnung von Spielen der sinnvollste Weg ist, um die Mehrkosten einzutreiben. Oder ob es nicht besser eine Art Fonds täte, den die Profiklubs gemeinsam befüllen. Die DFL bräuchte nur rund zwei Prozent seiner jährlichen Fernseh-Einnahmen abzuzwacken, und schon wäre genügend Geld beisammen, um die Zusatzkosten für Polizeieinsätze bei den Risikospielen in erster und zweiter Liga zu bezahlen.

© SZ.de/ebc
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Polizeieinsatz beim  Spiel Werder Bremen - Hamburger SV

Leserdiskussion
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415 000 Euro für die Kosten eines Polizeieinsatzes fordert die Stadt Bremen von der Deutschen Fußball-Liga (DFL), dem Veranstalter der Bundesliga. Zu Recht?

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