Fußball bei Olympia:Real Madrid schaut vergnügt zu

Fußball bei Olympia 2021: Japans Wataru Endo im Spiel gegen Frankreich

In Japans Olympia-Mittelfeld so seriös am Ball wie im Mittelfeld des VfB Stuttgart: Wataru Endō (links) beim 4:0-Sieg gegen Frankreich.

(Foto: Yohei Osada /Aflosport/Imago)

Fast wie eine Heim-WM: Beim olympischen Fußball-Turnier glänzt Gastgeber Japan mit Spielern wie Takefusa Kubo - auch auf dem Bundesliga-Markt feiern die Fußballer aus Fernost ein Comeback.

Von Christof Kneer

Das 1:0 erzielte der Spieler, der weder beim FC Bayern noch bei Borussia Dortmund spielt. Nach 27 Minuten traf Takefusa Kubo, den sie auch in München und Dortmund mal hätten haben können, aber immer sprach irgendwas dagegen. Zu klein, nicht durchsetzungsstark genug, im Moment kein Bedarf. Kubo ging dann zu Real Madrid, wurde ein bisschen hin und her verliehen, und nun, mit gerade mal 20, hofft er dort auf eine echte Chance.

Ob Reals Trainer, der nicht sehr jugendbewegte Carlo Ancelotti, auch auf ihn hofft, ist nicht so sicher, aber eines steht fest: dass sie in Madrid mit erheblichem Behagen zusehen, was ihr junger Offensivspieler da gerade macht. Drei Tore hat Kubo in der Vorrunde des olympischen Fußballturniers bereits erzielt, unter anderem jenes 1:0 beim 4:0 gegen den Mitfavoriten Frankreich, der damit ebenso ausgeschieden ist wie die deutsche Auswahl.

Gäbe es nach der Vorrunde ein olympisches Allstar-Team, würde sich höchstens die Frage stellen, wer außer Kubo noch mitspielen darf. Bei Real müssen sie nun überlegen, welche Schlüsse sie aus dem Turnier ziehen: ob sie den jungen Mann seinen olympischen Schwung in Madrid ausleben lassen - oder ob sie den im Zeichen der Ringe gesteigerten Marktwert nutzen, um Kubo meistbietend zu verkaufen? Wer weiß, vielleicht haben sie demnächst ja einen Olympiasieger im Angebot.

Mit drei Siegen in drei Spielen haben die Japaner die olympische Gruppenphase beendet, und niemand erwartet, dass sie sich vom Viertelfinal-Gegner Neuseeland von ihrer Mission abbringen lassen. Japans Fußballer besäßen "eine unglaubliche Verbundenheit ihrem Land gegenüber", sagt der Spielerberater Thomas Kroth, 61, der in Deutschland eine Art Copyright auf den Import japanischer Fußballer besitzt. "Wie eine Heim-WM" sei Olympia für die Spieler, sagt er.

Wie zu beweisen war, besitzt der olympische Fußball in Deutschland nicht den höchsten Stellenwert, aber den zuständigen Spionagebehörden entgeht natürlich nicht, was da gerade in Japan passiert. Fußballmärkte sind volatil, manche Nischen sind heute en vogue und morgen schon wieder old-fashioned, und in diesem Sinne ist das olympische Turnier auch für die Bundesliga eine relevante Größe.

Manchmal braucht es ein paar Bilder, um eine Entwicklung besser greifbar zu machen, und so unterstreicht das bisherige Auftreten der Japaner das, was der Experte Kroth so umschreibt: Der japanische Markt sei in der Bundesliga "wieder stärker in den Fokus gerückt", japanische Spieler seien wieder "deutlich mehr im Rampenlicht" - exemplarisch ablesbar am Stuttgarter Wataru Endō, der Japans Mittelfeld bei Olympia ebenso seriös anleitet wie im Alltag das Mittelfeld des VfB. In Stuttgart haben sie Endō in Abwesenheit bereits zum neuen Kapitän ernannt, Endō hat sich mit einer Videobotschaft aus Tokio bedankt.

In der Bundesliga überzeugen Endō, Kamada, Dōan - und natürlich der ewige Hasebe

Olympia steht für das Comeback eines Marktes, der in Deutschland in den Nullerjahren mit Spielern wie Takahara, Inamoto, Ono, Inui und Hasebe zu florieren begann und nach dem Abschied des großen Dortmunders Shinji Kagawa ein wenig verblühte (abgesehen davon, dass der 37-jährige Hasebe immer noch in der Bundesliga spielt und wahrscheinlich für immer spielen wird).

Deutsche Klubs, die gut integrierbare und noch bezahlbare Spieler suchten, haben sich auf die Märkte in Österreich und der Schweiz konzentriert, auch, weil die Japaner eine Weile nur mit ein paar mittelguten Jahrgängen dienen konnten. Nun aber sieht man wieder Spieler wie den Frankfurter Daichi Kamada, 24, durch die Liga sausen, der - würde man ihn permanent an seinen Höhen messen - vielleicht sogar eine Niveau-Ebene höher spielen könnte. Oder wie der 23-jährige Leihspieler Ritsu Dōan, der Arminia Bielefeld maßgeblich dabei half, in der Bundesliga zu bleiben - bevor er nach Eindhoven zurückkehrte.

Am Samstag spielen die Japaner also erst mal gegen Neuseeland, und danach könnte es spannend werden im olympischen Turnier, vor allem für das Real-Talent Takefusa Kubo. Im Halbfinale warten wahrscheinlich die Spanier.

© SZ/mok
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