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Fußball:Der DFB unternimmt nichts

Damit böten sich den Nationalverbänden nun Angriffsflächen. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) will darauf aber nicht eingehen. Auf Anfrage teilt er mit, sein Präsident Reinhard Grindel habe am Mittwochabend in Manama am Rande des "Legenden-Turniers" Fifa-Chef Infantino direkt darauf angesprochen und die Antwort bekommen, dass alles geprüft worden sei. Für konkrete Nachfragen solle man sich an die Fifa wenden.

Grindel hatte vor der Wahl stets beteuert, wie wichtig es ihm sei, dass Borbély und Eckert im Amt blieben. Auf der Sitzung des Fifa-Rates sagte er das auch noch mal; bei der Abstimmung über das neue Ethikkammer-Duo votierte er jedoch mit Ja; alles andere hätte er "unfair" und "nicht respektvoll". Bei der Abstimmung des Kongresses über die neue Ethik-Spitze am Donnerstag enthielt sich der DFB nach eigenen Angaben. Nach der Sitzung sagte Grindel dann wieder, er hätte sich gewünscht, dass der Prozess "transparenter gewesen wäre". Die Vorschlagslisten hätten früher bekannt gegeben werden müssen, er habe sie erst bei der Entscheidung im Rat gesehen. "Das ist sicherlich nicht das, wie wir in Zukunft solche sensiblen Entscheidungen durchführen sollten." Fifa-Chef Infantino sagte, er sei "überrascht" über Grindels Aussagen.

Mehr als 100 offene Fälle

Der Präsident würdigte die neugewählten Ethik-Chefs Rojas (eine Anwältin und frühere Richterin) und Skouris (bis 2015 Präsident des Europäischen Gerichtshofes) als "die besten Spezialisten". Zudem argumentiert die Fifa, es sei um eine größere regionale und geschlechterspezifische Vielfalt bei den Führungsposten der Kommissionen gegangen. Das klingt zumindest in Teilen amüsant, weil an der Spitze der Recht sprechenden Kammer der männliche Europäer Skouris den männlichen Europäer Eckert ersetzt. Offenkundig war es die Uefa, bei der Theodore Theodoridis aus Griechenland als Generalsekretär wirkt, die Skouris vorschlug.

Doch unabhängig von der Qualität der neuen Ethik-Chefs ist absehbar, dass es zu gewaltigen Verzögerungen kommt. Die abgesetzten Borbély und Eckert, die nach der Nichtverlängerung ihres Mandats Infantino heftig kritisierten, sprechen von mehr als 100 offenen Fällen. Es wird mehrere Monate dauern, bis sich die Verantwortlichen eingearbeitet haben. Den Aufarbeitungsprozess wirft das rapide zurück. Doch Infantino will das als Argument gar nicht gelten lassen, sondern attackierte seinerseits die abservierten Ethik-Chefs: "Ich finde es etwas traurig, dass es noch Hunderte offene Fälle geben soll", sagte er: "Ich hoffe, dass sie jetzt behandelt werden."

Am Kongress-Ende brachte auf der Pressekonferenz ein Journalist noch einen pragmatischen Gedanken auf: Wenn Borbély und Eckert schon weichen müssten, warum gebe es keine Übergangsphase, um die Nachfolger einzuarbeiten in die vielen Verfahren? Nun, Übergangsphase, sagte Infantino - "wir haben unsere Statuten".

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