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Fußball-EM:Ohne Pathoas geht es nicht

Nein, sagten Verteidiger Martin Hinteregger und Offensivspieler Alessandro Schöpf, sie hätten keine psychologische Hilfe von Thomas Graw in Anspruch genommen, der mit Koller einst schon beim VfL Bochum zusammenarbeitete, "wir regeln das mit uns selbst". Hinteregger sagte auch: "Wir sind Manns genug, um uns zu steigern." Ganz ohne Pathos geht es natürlich nicht bei den Österreichern.

Koller erklärte dagegen nüchtern, er habe die Psyche der Spieler in vielen Einzelgesprächen zu stärken versucht. Er wirkt derzeit nicht annähernd so inspirierend wie noch vor ein paar Wochen. Andererseits: Mit etwas Fantasie lässt sich aus seinem Gestus auch Konzentration auf das Wesentliche herauslesen, jetzt, wo es gilt. Der Schweizer will verhindern, dass diese mit Hoffnung überfrachtete EM so verläuft, wie es für Österreich typisch wäre: Himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt.

Koller hat auch etliche rein sportliche Probleme zu lösen. Der Bremer Zlatko Junuzovic fällt mit einem Teilabriss des Außenbandes im rechten Sprunggelenk mindestens für die weiteren Gruppenspiele aus, Abwehrchef Aleksandar Dragovic ist nach seiner gelb-roten Karte gegen Ungarn gesperrt. Die wahrscheinlichste Lösung Kollers ist, den früheren Bremer Sebastian Prödl als Innenverteidiger neben Hinteregger aufzubieten und den jungen Schalker Schöpf, 22, auf der Spielmacherposition in die Startelf zu rotieren.

Koller mahnt: mehr Ruhe in eigenen Aktionen, defensiv kompakter stehen

"Die Entscheidung kann ich nicht beeinflussen, aber ich wäre bereit", sagt Schöpf. Eine Alternative wäre Marcel Sabitzer von RB Leipzig, dann würde Schöpf womöglich den formschwachen Martin Harnik auf dem Flügel ersetzen. Oder David Alaba, der im Nationalteam für gewöhnlich im defensiven Mittelfeld agiert, könnte eine offensivere Rolle einnehmen.

Alaba, 23, muss in seinem Heimatland gerade als Symbolfigur für das bislang enttäuschende Abschneiden in diesem Sommer herhalten. Beim FC Bayern ein scheinbar bis zur Unfehlbarkeit konstanter Verteidiger, wird er bei Länderspielen vom Pech verfolgt: Gegen die Ungarn traf Alaba nach wenigen Sekunden nur den Pfosten.

Mehr Ruhe in die eigenen Aktionen zu bringen, in der Defensive kompakter und in engeren Linien zu stehen - das fordert Marcel Koller. Gegen Ungarn "wollten wir zu viel", sagt der Schweizer - und es klingt auch mal wieder wie eine Mahnung an alle Österreicher.

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Vom Eröffnungsspiel am 10. Juni bis zum Finale am 10. Juli 2016: Der Spielplan mit allen Begegnungen, Spielorten und Anstoßzeiten der Europameisterschaft in Frankreich.