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Österreich bei der Fußball-EM:Europameister? "Das ist ein rechter Schmarrn"

Toni Polster

Toni Polster spielte früher erfolgreich in der Bundesliga für Borussia Mönchengladbach und den 1. FC Köln.

(Foto: imago sportfotodienst)

Geheimfavorit Österreich ist bei der EM unsanft gelandet. Rekordtorschütze Toni Polster erklärt, weshalb das passieren musste.

Der frühere Mittelstürmer Toni Polster ist mit 44 Toren in 95 Länderspielen Rekordtorschütze in Österreich. In der Bundesliga spielte der 52-Jährige für den 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach. Heute trainiert Polster den SC Wiener Viktoria in der vierten Liga. "Wir haben die Nerven komplett weggeworfen", sagt Polster im SZ-Interview nach der 0:2-Niederlage zum EM-Auftakt gegen Ungarn.

SZ: Herr Polster, eine "Katastrophe" nennt Hans Krankl die Niederlage gegen Ungarn. Sehen Sie das auch so dramatisch?

Toni Polster: Es ist nur bestätigt worden, was ich schon vor dem Turnier gesagt habe: Wir haben einfach zu viele Baustellen. In der EM-Qualifikation waren alle Spieler noch in Form, alle gesund, alle top. Das ist jetzt nicht mehr der Fall. Deshalb ist es für mich auch nicht verwunderlich, dass wir Schwierigkeiten hatten.

Welche ist denn die größte Baustelle?

Wir hatten im Vorfeld etliche Verletzte. Almer, Dragovic, Janko, Harnik und auch Spieler wie Klein, der in Stuttgart seinen Stammplatz verloren hat. Wenn solche Spieler verletzt oder außer Form sind, sind wir nicht so gut. Das wäre ja auch ein Wunder. Und dann hatten wir gegen Ungarn auch noch ein paar spielerische Ausfälle und haben deswegen nicht das gebracht, was wir uns alle erhofft hatten.

Viele Ihrer Landsleute hatten schon vom Finaleinzug oder gar vom EM-Titel gesprochen.

Es ist ja schön, wenn man Euphorie entfacht. Und es war ja auch verdient nach den tollen Leistungen. Aber die echten Experten haben nie vom Titel gesprochen. Das ist ein rechter Schmarrn.

Aber das Achtelfinale war ein realistisches Ziel. Was macht Ihnen Hoffnung, dass der erste Sieg bei einer EM noch gelingt?

Er muss ja kommen, wenn wir weiter kommen wollen. Wir brauchen noch vier Punkte aus den Partien gegen Portugal und Island. Einmal müssen wir in jedem Fall gewinnen. Möglich ist das sicher. Die Vorzeichen stehen halt nicht gut, das muss man auch so deutlich sagen, wenn jetzt auch noch Dragovic gesperrt ist und Junuzovic vielleicht wegen seines lädierten Knöchels ausfällt. Und auch Janko wird seine Form nicht plötzlich finden.

Gegen Ungarn hätte es ja auch anders laufen können, wenn Alaba nach 32 Sekunden ins Tor und nicht den Pfosten getroffen hätte?

Sicher. Aber was mir überhaupt nicht gefallen hat, war, dass wir nach der gelb-roten Karte von Dragovic die Nerven komplett weggeworfen und nur noch fahrig gespielt haben. Selbst mit zehn Mann ist es nicht unmöglich, noch den Ausgleich zu schießen, mit etwas Geduld. Aufmachen kann man auch noch sieben, acht Minuten vor Schluss. Aber wir haben nach dem Platzverweis viel zu viel riskiert.