Italien gewinnt gegen Wales:Erfolgreiches Teambuilding

Italien gewinnt gegen Wales: Sein Schuss ist gegen Wales entscheidend: Matteo Pessina (am Ball) erzielt das 1:0, das Italien zum souveränen Gruppensieger macht.

Sein Schuss ist gegen Wales entscheidend: Matteo Pessina (am Ball) erzielt das 1:0, das Italien zum souveränen Gruppensieger macht.

(Foto: Ryan Pierse/AFP)

Italien dominiert auch im abschließenden Gruppenspiel gegen Wales, obwohl Nationaltrainer Roberto Mancini sich für Experimente entscheidet - und profitiert von einer roten Karte.

Von Felix Haselsteiner

Roberto Mancini stand vor dem abschließenden Spiel der Gruppe A vor der Frage, die sich jedem erfolgreichen Nationaltrainer irgendwann mal in dieser Phase eines Turniers stellt: Weitermachen oder Pausen gönnen? Die Italiener waren überragend gestartet in diese Europameisterschaft, zwei 3:0 gegen die Türkei und die Schweiz hatten sie zum frühen Turnierfavoriten gemacht. Nun war das Achtelfinale abgesichert und mit Wales wartete ein gefährlicher Gegner - ein potentiell ganz guter Test also für die beste Elf oder aber eine Gelegenheit für Experimente.

Mancini entschied sich für die Teambuilding-Variante, schaffte das Kunstwerk, am Ende der Gruppenphase bereits alle Feldspieler (und den zweiten Torwart) im Kader eingesetzt zu haben - und schrieb trotzdem Geschichte: Das 1:0 war die 30. ungeschlagene Partie in Serie, Mancinis Mannschaft stellt damit einen italienischen Rekord aus den 1930er-Jahren ein. Und ein sehr ernstzunehmender EM-Favorit ist Italien weiterhin.

Italiens 1b-Elf weißt dieselben Charakteristika wie die 1a-Elf auf

Acht Wechsel gab es schon zu Beginn bei der Squadra Azzurra, der markanteste war neben dem Austausch der gesamten Offensive die Rückkehr von Marco Verratti ins Mittelfeld. Für den Regisseur von Paris St. Germain - zuletzt angeschlagen - wurde das dritte Gruppenspiel daher zur Premiere, genauso wie für den zweiten Torhüter Salvatore Sirigu, den Mancini kurz vor Schluss brachte.

Schnell zeigte sich allerdings, dass Italiens scheinbare Übermacht aus den ersten beiden Spielen kein Produkt von überragenden Einzelspielern war, sondern durchaus systematische Züge hat. Die 1b-Elf spielte im selben System wie die 1a-Elf und wies dieselben Charakteristika auf: Viel Kontrolle in der Defensive, Mut im Aufbau trotz eines teilweise hoch anlaufenden Gegners und immer wieder der Versuch, aus eher statischen Situationen am gegnerischen Strafraum schnell herausgespielte Chancen zu entwickeln.

Fußball EM - Italien - Wales

Die Szene, die zur ersten roten Karte dieser EM führte: Italiens Federico Bernardeschi (rechts) wird von Ethan Ampadu aus Wales gefoult, der danach den Platz verlassen muss.

(Foto: Ryan Pierse/dpa)

Im Verlauf der ersten Halbzeit erarbeiteten sich die Italiener so ein deutliches Plus an guten Offensivszenen. Andrea Belotti (24. Minute) und Federico Chiesa (29.) hatten gute Chancen aus spitzem Winkel, der walisische Innenverteidiger Chris Gunter hätte in der 27. Minute allerdings nach einem Eckball per Kopf auch beinahe die Führung für den Außenseiter erzielt. Das 1:0 erzielte allerdings - wie schon in den ersten beiden Partien - Italien. Einen Freistoß von Verratti verlängerte der kurz eingelaufene Matteo Pessina ins lange Eck, die Führung zur Halbzeit war durchaus verdient.

Selbst die Auswechslung von Leonardo Bonucci zur Halbzeit, wohl ebenfalls, um ihm eine Pause zu gönnen, konnte die Italiener nicht wirklich destabilisieren. Aaron Ramsey hätte zwar aus einem Zuspielfehler von Bonuccis Ersatzmann Francesco Acerbi die Chance auf den Ausgleich gehabt, verpasste es allerdings, Italiens Fehler im Aufbauspiel zu bestrafen. Die walisischen Bemühungen wurden dann jedoch von einem harten Foul von Nathan Ampadu sabotiert, der für sein Einsteigen die erste rote Karte des Turniers bekam. Am Ende reichte allerdings auch das 0:1 für den zweiten Platz in Gruppe A.

Gegen zehn Waliser kam Italien in der Schlussphase zu noch mehr Dominanz, immer wieder unterbrochen von guten Chancen. Und wie schon bei den ersten beiden EM-Auftritten zeigte sich: Da spielt eine Mannschaft, die selbst dann kein 1:0 verwalten möchte, wenn der Trainer mit seinem Teambuilding vorgibt, sich für höhere Aufgaben zu schonen.

© SZ/and
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