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Deutschland bei der Fußball-EM:Thomas Müller ist vom Null-Tore-Virus befallen

Germany v France - Semi Final: UEFA Euro 2016

Irgendwie nicht ganz bei sich: Thomas Müller

(Foto: Getty Images)

Auch im EM-Halbfinale bleibt Thomas Müller glücklos - seine Misere steckt sogar die gesamte Mannschaft an.

Thomas Müller war zuletzt behandelt worden wie ein Patient. Jedes Mitglied der deutschen Delegation, das ein Mikrofon vor der Nase hatte, musste die gleiche Frage beantworten: Machen Sie sich Sorgen um Thomas Müller? Schließlich hatte der noch kein Tor geschossen, wo er doch sonst zumindest bei Weltmeisterschaften die Mannschaft gleich in die richtige Richtung gestochert hatte. Die Antwort war immer die gleiche: Nein, natürlich nicht. Bundestrainer Joachim Löw führte aus: "Von solchen Dingen lässt er sich nicht runterziehen. Beim Thomas hab ich das Gefühl, wenn es eins wirklich braucht, dann macht er ihn."

Nun, an diesem Donnerstagabend im Stade Vélodrome, hätte es wirklich eins gebraucht. Wirklich und dringend. Am Ende sogar zwei. Doch diese Europameisterschaft war nicht die des Torjägers Thomas Müller. Da kein Miroslav Klose mehr da war und gegen Frankreich auch kein Mario Gomez mehr, fehlte es der Nationalmannschaft an der entscheidenden Zutat. Trotz teilweise großer Überlegenheit im Mittelfeld gegen sehr defensive Franzosen wollte vorne einfach der Ball nicht ins Tor. Thomas Müller hatte seinen Instinkt verloren, und die Mannschaft gleich mit.

Müller hat ja das Glück, dass ihm zu jeder Lebenslage der passende Spruch einfällt. Wobei Spruch das falsche Wort ist, in den vergangenen Wochen wurde selbst der Spaßvogel vom Ammersee zunehmend nachdenklich. Schließlich wollte es einfach nicht mehr klappen mit dem Toreschießen. Dabei betonte er immer und immer, dass der Erfolg der Mannschaft wichtiger sei als sein persönlicher. Tore seien nicht sein erster Antrieb beim Fußballspielen, sondern "der Speziallack, der nach außen gut aussieht".

Seine Misere beginnt gegen Atlético Madrid

Um im Bild zu bleiben: Die Nationalmannschaft hoffte inständig, dass Thomas Müller leuchten und glänzen möge nach dem Halbfinale. In allen Farben.

Die Misere hatte begonnen im April, als er gegen Atlético Madrid den Elfmeter nicht versenkt und das Ausscheiden des FC Bayern in der Champions League eingeleitet hatte. Es war so etwas wie der erste schwarze Fleck auf seiner Fußballerkarriere. Den Geschmack des Fehlschusses brachte er wie einen unangenehmen Virus mit nach Frankreich. Mit dem Höhepunkt gegen Italien, als sich ein Gegenspieler die Hüfte ausrenkte und mit der Hacke seinen Schuss klärte. Dann vergab Müller noch den Elfmeter. "Ein Tor würde mir Ruhe geben", sagte er vor dem Halbfinale.