Modus der Fußball-EM 2020:Playoff-Pfade durch den Lostopf-Dschungel

  • Die Auslosung zur EM 2020 ist kurios, kompliziert und politikabhängig wie nie.
  • Eine EM-Gruppe steht jetzt schon fast fest, die deutsche Nationalmannschaft erfährt ihre Gruppengegner für 2020 bei der Auslosung Ende November.

Von Johannes Aumüller, Frankfurt

Natürlich wird auch Joachim Löw am übernächsten Samstag nach Bukarest reisen. In Rumäniens Hauptstadt vollzieht Europas Fußball-Union Uefa dann die Auslosung der Gruppen für die EM 2020. "Ein paar schöne Mitbringsel" erhofft sich der Bundestrainer, und zur Beruhigung Löws sowie anderer Interessierter sei gesagt, dass diese Veranstaltung vertraute Elemente beinhalten wird: Qualifizierte Mannschaften werden eine Delegation entsenden, und diese Delegationen werden gemeinschaftlich und mit gespannter Miene das Prozedere verfolgen. In einem Saal werden ein paar Schalen aufgestellt, in den Schalen werden Kugeln liegen und irgendwelche prominenten oder weniger prominenten Menschen werden diese Kugeln herausziehen. Aber ein bisschen anders als handelsübliche Auslosungen wird dieser Samstagabend in Bukarest halt doch.

Die Ermittlung der Vorrundengruppen ist nämlich so kompliziert und kurios wie nie zuvor - und in allen Details geklärt ist das Prozedere auch noch nicht. Darum kümmert sich in den nächsten Tagen der sogenannte Dringlichkeitsausschuss der Uefa. Aber die deutsche Delegation weiß zum Beispiel jetzt schon, dass sie die Heimreise mit lediglich zwei statt der bei Endrunden-Auslosungen gewohnten drei Mitbringsel antreten wird: Ihren dritten Gruppengegner wird sie direkt nach der Auslosung noch gar nicht kennen.

Die Prominenten müssen vergleichsweise wenig Lose ziehen bei der Auslosung

Die Komplexität des Verfahrens beruht zunächst auf zahlreichen Bedingungen, die die Uefa geschaffen hat. Solche sind bei Auslosungen zwar nicht neu, aber im Kontext der EM 2020 ballen sie sich immens. Denn erstens gibt es die Besonderheit, dass das Turnier in zwölf Ländern absolviert wird, wobei jeweils zwei Länder eine Vorrundengruppe beherbergen und jede qualifizierte Gastgeber-Nation zu Hause antreten soll. Zweitens sind diverse Konstellationen in der Vorrunde aus politischen Gründen ausgeschlossen, etwa ein Duell Russland versus Ukraine. Drittens spielt natürlich das Abschneiden in der Qualifikation eine Rolle, das erst in eine spezielle neue Setzliste, dann in vier nach Leistung sortierte Töpfe mündet.

Das alles führt dazu, dass die prominenten und weniger prominenten Menschen in Bukarest zunächst vergleichsweise wenige Kugeln ziehen müssen. Denn recht viele Dinge ergeben sich zwangsläufig. So ist schon klar, dass Belgien, Russland und Dänemark in Gruppe B spielen werden - und es sich beim Vierten im Bunde nur um Finnland oder Wales handeln kann. Die Deutschen, die sich dank ihres Gruppensieges und ihrer 21 Punkte in Topf eins befinden, kennen noch keinen ihrer Gegner genau. Aus den Töpfen zwei und drei kann ihnen ebenso das schwere Duo Frankreich/Portugal zugelost werden wie das mutmaßlich viel leichtere Pärchen Polen/Tschechien.

Es wird besonders kurios

Aber dann ist da noch die Frage nach dem dritten Gegner aus dem vierten Lostopf - und das ist die Sache, die diese Auslosung besonders kurios macht. Denn hier kommen die Playoffs ins Spiel, die erst Ende März stattfinden. Als die Uefa vor einigen Jahren die sogenannte Nations League einführte, wollte sie einen Anreiz schaffen, um diesen neuen Wettbewerb auch ernstzunehmen. Und so bestimmte sie, dass sich über diesen Weg noch vier Mannschaften für die EM qualifizieren können - neben jenen 20 Mannschaften, die es über die Qualifikationsgruppen direkt geschafft haben. Das mündet jetzt in die vier Playoff-Pfade A, B, C und D. In jedem sind vier Teams dabei, der Sieger jedes Playoff-Pfads qualifiziert sich noch für die EM - und landet dann in Lostopf vier.

Wenn sich Ungarn qualifiziert, spielt es gegen Deutschland

Nun könnte es ein Leichtes sein, bei der Auslosung in Bukarest einen Zettel mit der Aufschrift "Playoff Sieger Pfad A" zu ziehen - als Platzhalter für den Sieger. Aber das ist leider jene Stelle, an der sich die Nations-League-Playoff-Idee mit zwei weiteren Bedingungen kreuzt. Denn über die Playoffs können sich auch noch Teams qualifizieren, bei denen aus politischen Gründen Paarungen ausgeschlossen sind (Beispiel Kosovo) - und gleich vier Teams, die als eines der zwölf Gastgeberländer in ihre Heimgruppe sortiert werden müssten.

Das alles gilt es zu berücksichtigen, und die komplizierten Regeln sowie die konkreten Ergebnisse in den Qualifikationsgruppen führen dazu, dass von den drei Gastgeber-Ländern Ungarn, Schottland und Rumänien zwei im selben Playoff-Pfad spielen werden. Welche zwei das trifft, wird erst am Freitag ausgelost. Aber in jedem Fall kann dieser Playoff-Pfad in Bukarest noch gar nicht final einer konkreten Gruppe zugeordnet werden, weshalb die Uefa mindestens zwei Varianten für die Verteilung der Gruppen erstellen muss.

Aus Sicht der deutschen Mannschaft ist dabei immerhin eines klar: Falls sich die Ungarn über den Playoff-Umweg noch für die Endrunde qualifizieren, landen sie in der deutschen Gruppe F. Denn dort ist neben München auch Budapest ein Spielort. Aber wenn die Ungarn über die Playoffs noch reinrutschen, darf die DFB-Elf auch das Direktduell mit Ungarn in München spielen.

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