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Fußball-Bundesliga:Freiburg ist bereit für Europa

SC Freiburg v FC Augsburg - Bundesliga Cedrick Makiadi

Freiburger Jubel: Cedrick Makiadi (rechts) und Daniel Caligiuri.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Es könnte die größte Überraschung der Bundesliga-Saison werden: Nach dem Sieg gegen Augsburg darf sich der SC Freiburg allmählich darauf gefasst machen, dass der Klub bald im Europacup spielt. Der Hamburger SV erlebt gegen Wolfsburg den nächsten Rückschlag.

Die Augsburger stecken jetzt das zweite Jahr hintereinander im dicksten Abstiegsgetümmel, das kostet Substanz, hat aber auch eine Menge Vorteile. Man kennt die Regeln dort unten, man weiß zum Beispiel, was man auf gar keinen Fall tun darf: rechnen. Dass der Konkurrent Düsseldorf verloren hat, der Konkurrent Bremen sich nicht absetzen kann, der Konkurrent Hoffenheim allmählich näher rückt - alles egal.

Der FC Augsburg beschloss stattdessen, einfach der FC Augsburg zu sein. Er konzentrierte sich auf sich selbst, im beruhigenden Bewusstsein, in den vergangenen Wochen eine Menge richtig gemacht zu haben. Die Schwaben spielten einfach so heiter weiter wie zuletzt, aber in Freiburg reichte dieser ehrenwerte Ansatz nicht: Am Ende reihte sich auch der FCA unter die Wochenend-Verlierer ein. Die Freiburger dagegen dürfen sich nach dem letztlich verdienten 2:0 (1:0) gegen den FCA allmählich darauf gefasst machen, dass sie demnächst in Regionen aufkreuzen, in denen sie sich weniger auskennen: im Europacup. Während der SC Freiburg den sechsten Platz bestätigte, bleibt der FCA auf dem Relegationsplatz.

Die Augsburger hatten die Partie mit einem Trick eröffnet: Sie ignorierten die offizielle Spielansetzung und bildeten sich ein, ein Heimspiel zu haben. Sie begannen so, wie sie beim Heimsieg gegen Stuttgart aufgehört hatten: offensiv und aggressiv. Nach elf Minuten hatten sie schon zwei große Chancen, Mölders kam aus halbrechter Position zum Schuss (10.), Hahn aus halblinker (11.), aber beide Male parierte Freiburgs Torwart Baumann exzellent.

Es war ein munteres Spiel, das beide Teams den Zuschauern anboten, mit einer speziellen Dramaturgie: Vor allem am Anfang spielte Augsburg weniger gegen Freiburg, sondern gegen den SC-Torwart Baumann. Nach 23 Minuten warfen sich Baumann und Verteidiger Sorg mit vereinten Kräften dem Südkoreaner Ji entgegen, der Augsburgs dritte große Chance ausließ.

So schön es auch ist, die Regeln des Abstiegskampf zu kennen: Manchmal hilft einem das ganze Wissen nichts. Natürlich kennen die Augsburg die Regel, wonach man eigene Chancen irgendwann nutzen sollte, weil sonst . . . Es kam genau so: Sieben Minuten nach Jis Chance stand es 1:0 für Freiburg. Einen Schrägschuss von Schmid konnte Torwart Manninger noch abwehren, aber der Ball prallte Makiadi so praktisch vor die Füße, dass er gar nicht anders konnte, als das 1:0 zu erzielen. Es war eine schmeichelhafte Führung, aber die Freiburger gaben sich alle Mühe, sich die Führung nachträglich zu verdienen. Bei einem Kopfball von Schmid reagierte Manninger glänzend (42.), sonst wären die Freiburger sogar mit einer beruhigenden Führung in die Pause gegangen.

Auch nach der Pause war zu spüren, dass sich hier zwei Teams begegnen, die noch Ziele haben. Freiburg gab sich nicht mit der Führung zufrieden, und der FCA versuchte immer noch, sich vorzustellen, das sei hier ein Heimspiel. Das Spiel blieb schnell, aber vor lauter Herzblut wurden die Aktionen nun hektischer, vor allem Augsburg fehlte die klare Idee. Die Freiburger dagegen konnten es sich mit der Führung im Rücken leisten, überlegter zu spielen. Und sie haben so viel Qualität im Team, dass sie Fehler im Sauseschritt ausnutzen können - wie in der 60. Minute, als Schmid aus einem fabelhaften Pass von Kruse umgehend das 2:0 machte. Nun sah man dem Duell das unterschiedliche Niveau der Kontrahenten doch an: Die Freiburger spielten eine Niveau-Ebene höher, sie waren sicherer und zielgerichteter.

Der Trend dieses Spiels könnte sich am nächsten Spieltag verfestigen: Die Freiburger haben in Fürth die große Chance, den Europacup zu sichern. Und die Augsburger? Spielen beim FC Bayern.

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