Fußball-Bundesliga:BVB und Leipzig haben Ideen, die Bayern fehlen

Borussia Dortmund v Bayern Muenchen - Bundesliga

Die Dortmunder feiern sich selbst.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Die Münchner können nur ihren mächtigen Kader und ihre Routine dagegen setzen. So könnte die Bundesliga langfristig spannend bleiben.

Kommentar von Sebastian Fischer

Fußball-Anhänger, sofern sie nicht dem FC Bayern verfallen sind, haben am Samstagabend gegen halb neun großen Spaß gehabt. Die Fußball-Bundesliga, Lieblings-Freizeitbeschäftigung der Deutschen, verspricht seit diesem Samstag wieder das zu sein, was in der Freizeit besonders viel Freude bereitet: große Unterhaltung, spannender Sport. Natürlich könnte es nur eine Momentaufnahme sein, dass nun drei Mannschaften an der Spitze der Tabelle stehen, denen man es zutraut, bis zum letzten Spieltag um den Titel zu spielen: Leipzig, Bayern, Dortmund. Doch es spricht einiges dafür, dass dies anders als in den vergangenen drei Jahren mehr als nur ein Wunschtraum ist.

Es lohnt ein Blick auf eine andere Momentaufnahme im Weltfußball, nach England. Dort standen am Samstagabend der FC Liverpool und Manchester City an der Tabellenspitze, die Mannschaften von Jürgen Klopp und Pep Guardiola. Diese beiden Trainer haben den Fußball in Deutschland geprägt, ihre Ideen waren für Jahre stilbildend; sie waren rückblickend so gut, dass sie den Wettbewerb verzerrt haben. Klopps Dortmunder waren ebenso dominant wie später Guardiolas Bayern. Nun prägen beide den englischen Fußball, in Deutschland haben sie ein Vakuum geschaffen. Es wird gerade mit frischen Ideen gefüllt.

Längst vergessene Bilder: Ergebnis der Innovationen von Thomas Tuchel

Da sind die Dortmunder: Die Bilder nach dem 1:0-Sieg gegen den FC Bayern am Samstagabend, Aubameyangs Liegestützen beim Torjubel, Götzes zufriedenes Grinsen, feiernde BVB-Fans und Häme für enttäuscht aus dem Stadion trottende Münchner, erinnerten auf den ersten Blick an alte Zeiten, in denen irgendjemand die Fußballsprache mit der Wortschöpfung "Deutscher Clásico" malträtiert hatte. Doch auf den zweiten Blick waren sie das Ergebnis der Innovationen von Thomas Tuchel.

Der Dortmunder Trainer überraschte die Bayern mit seiner Aufstellung, mit zwei Stürmern und drei Innenverteidigern. Dortmund verstellte die entscheidenden Räume und erschuf trotzdem Überzahlsituationen im Konterspiel. Es ist keine neue Erkenntnis, dass Tuchel zu den begabtesten Taktikern in Europa zählt; es ist trotz ein paar wackliger Auftritte in den ersten Wochen zu erkennen, dass die Spieler seine Ideen verstehen. Auch Mario Götze, der hier und da schon abgeschriebene Hochbegabte, macht in diesen Tagen wieder seine Mitspieler froh. Tuchels Idee ist eine Rundum-Ausbildung, an deren Ende seine Spieler elf Lösungsfinder sein sollen. Souveräne Auftritte wie der am Samstag, bei dem die größte Münchner Torchance eine verunglückte Flanke war, zeigen das Potenzial von Tuchels Ideenreichtum.

Es werden Zugänge kommen, die Leipzigs Idee perfektionieren

Und dann sind da die Leipziger, deren Ansatz schon allein aus finanziellen Gründen mindestens ebenso viel Potenzial hat - das Red-Bull-Argument gehört, auch wenn es nervt, in jede Argumentation über die sich wandelnden Machtverhältnisse der Liga. Der Leipziger Ansatz ist taktisch nicht so flexibel wie der Dortmunder, aber er ist beeindruckend effektiv. Auch weil RB die fitteste Mannschaft der Liga ist, wird das Pressing von Ralph Hasenhüttl noch viele Gegner verzweifeln lassen. Und mit den Jahren werden immer mehr Fußballer nach Leipzig kommen, die diese Idee perfektionieren.

Und dann sind da, na klar, noch die Bayern. Ihre Idee ist noch nicht zu sehen, ihre Stärke ist momentan nur der personell beste Kader der Liga und natürlich die Routine. Sicherlich ist Carlo Ancelotti kein schlechterer Trainer als Tuchel oder Hasenhüttl. Aber anders als seinen Kollegen ist es ihm noch nicht gelungen, dass sein FC Bayern für eine besondere Art, den Fußball zu interpretieren, bekannt ist. Womöglich werden die Bayern trotzdem der nächste deutsche Meister sein. Doch es ist das Versprechen dieser Momentaufnahme im November 2016, dass sich zwei Ideen weiter entwickeln - und vielleicht schon ab 2017 oder 2018 dafür sorgen, dass es länger spannend bleibt. Zumindest so lange, bis die Ideengeber selbst irgendwann in München oder England sind.

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